1. Startseite
  2. Hessen

Neuer Fresenius-Chef will nach Gewinnwarnung durchgreifen

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Michael Sen
Der neue Fresenius-Chef Michael Sen. © Daniel Karmann/dpa/Archivbild

Kurz nach seinem Antritt beim Gesundheitskonzern muss Michael Sen bei den Geschäftszielen zurückrudern. Abermals belastet die Dialysetochter FMC die Konzernmutter Fresenius. Nun sollen alle Geschäfte auf den Prüfstand.

Bad Homburg - Der neue Fresenius-Chef Michael Sen will nach der zweiten Gewinnwarnung des Dax-Konzerns binnen weniger Monate durchgreifen. Alle Aktivitäten kämen auf den Prüfstand, kündigte der Manager am Montag an. „Wir bewerten alle Geschäfte, von oben nach unten und in hoher Geschwindigkeit.“ Das werde in mehr Entschlossenheit resultieren. Währenddessen müssten die Kosten sinken, um mit einem harten Umfeld zurechtzukommen. Man schaue auf das gesamte Portfolio und prüfe die „Möglichkeiten und Herausforderungen“ in allen Märkten. Im dritten Quartal konnte das Unternehmen aus Bad Homburg zwar den Umsatz steigern, der Gewinn fiel aber deutlich.

Der Gesundheits- und Klinikkonzern müsse sich auf die Angelegenheiten konzentrieren, die in „unserer eigenen Kontrolle liegen, auch genannt Selbsthilfe“, sagte Sen, der Fresenius seit Anfang Oktober lenkt. Die Produktivität müsse steigen und das Unternehmen bei den Kosten entschlossener werden. Konkrete Maßnahmen nannte er Manager nicht. Schlüssel sei der Fokus auf Rentabilität.

Wegen schwieriger Geschäfte in Nordamerika mussten der Dialysekonzern Fresenius Medical Care (FMC) und die Mutter Fresenius am Sonntagabend die Geschäftsziele für dieses Jahr senken. FMC machen ein Mangel an Pflegekräften in den USA, Lieferkettenprobleme sowie steigende Löhne und Materialkosten zu schaffen. Auch alle anderen Fresenius-Bereiche, besonders der Dienstleister Vamed, seien vom schwierigen wirtschaftlichen Umfeld geprägt, hieß es. Erst Ende Juli hatten FMC und in der Folge Fresenius die Ziele korrigieren müssen.

Sen erwartet für dieses Jahr nun einen Rückgang des währungsbereinigten Konzernergebnisses um etwa zehn Prozent, nach einem bisher angepeilten Minus im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. FMC rechnet zudem mit einem Rückgang des Nettogewinns währungsbereinigt und ohne Sondereffekte von bis zu 25 Prozent - nach bisher maximal minus 20 Prozent. „Wir konnten die Zahl der offenen Stellen in unseren Dialysezentren reduzieren. Sie blieb aber auf einem hohen Niveau“, sagte FMC-Finanzchefin Helen Giza. Das beeinflusse etwa das Wachstum im Dienstleistungsgeschäft.

Im dritten Quartal wuchs der Fresenius-Umsatz um 12 Prozent auf 10,46 Milliarden Euro, wie der Konzern am Sonntag weiter mitteilte. Der Gewinn vor Sondereinflüssen fiel um 15 Prozent auf 371 Millionen Euro. Bei FMC wuchs der Umsatz um 15 Prozent auf 5,1 Milliarden Euro, während das Ergebnis um 16 Prozent auf 230 Millionen Euro einbrach.

Fresenius, Deutschlands größter privater Klinikbetreiber, steckt in der Dauerkrise mit reihenweise Gewinnwarnungen. Der Konzern leidet an den Folgen der Pandemie, in der viele Dialyse-Patienten sterben. Bei FMC ist mit Carla Kriwet seit Oktober ebenfalls eine neue Führungsspitze am Ruder. Sie betonte, man habe mit der Ausarbeitung eines Turnaround-Plans begonnen, „zu dem auch eine Kultur der Leistung und klaren Verantwortlichkeiten gehören wird“.

Zuletzt hatte Fresenius bestätigt, Kontakt mit dem US-Hedgefonds Elliott gehabt zu haben, der Berichten zufolge auf eine Aufspaltung der komplexen Konzernstruktur dringen könnte. An der Aufstellung von Fresenius mit den Sparten Dialyse, Flüssigarzneien, Kliniken und Dienstleistungen gab es immer wieder Kritik von Investoren. Über fünf Jahre haben Fresenius-Aktien gut zwei Drittel an Wert verloren.

Schon Ex-Fresenius-Chef Stephan Sturm hatte Börsengänge der Kliniksparte Helios und der Dienstleistungssparte Vamed in Betracht gezogen und sich offen für einen Verkauf des FMC-Anteils gezeigt, der bei knapp einem Drittel liegt. Zu solchen Schritten kam es aber nicht. dpa

Auch interessant

Kommentare