Mobilität

Neues Solarauto aus Mainz: Einmal Sonne tanken, bitte!

  • vonGisela Kirschstein
    schließen

Zwei Prototypen des viertürigen Solarautos Sion gibt es bisher, zur ersten Auslieferung soll es im dritten Quartal 2019 kommen. Trotzdem sucht die Firma schon jetzt Käufer. Die sollten allerdings viel Zeit mitbringen – auch wenn sie den Wagen erworben haben.

. Wenn es nach Matthias Willenbacher geht, beginnt die Zukunft spätestens Ende 2019: „Der Sion ist das Fahrzeug der Zukunft, für jedermann“, sagt der Mainzer Unternehmer überzeugt: „Das Solarauto ist der Beweis, dass man sich fortbewegen kann, ohne CO2-Emissionen zu produzieren.“ Es ist 2017, und womöglich hat gerade das Ende der Verbrennungsmotors begonnen: Deutschland wird vom Diesel-Abgasskandal eingeholt, die Republik diskutiert über Elektroantriebe fürs Auto – und in Mainz stellen sie ein Solarauto vor.

330 Solarzellen sind auf dem kleinen schwarzen Viertürer, einem etwas größeren Twingo, angebracht, 7,5 Quadratmeter Fläche insgesamt. Auf der Motorhaube, auf dem Dach, an beiden Seiten, am Heck – der Sion ist rundum mit monokristallinen Siliziumzellen bedeckt. „Es ist eine komplette Eigenentwicklung“, erklärt Ann-Kathrin Schröder von Sono Motors. „Wir haben die Module so entwickelt, dass sie eigens aufs Auto passen.“ Hauchdünn und leicht biegsam schmiegen sich die Solarzellen tatsächlich an die Form des Autos, 24 Prozent Wirkungsgrad haben die Module, das sei „hocheffizient“, schwärmt Schröder.

„Wenn sie 120 Stundenkilometer schnell fahren, kommen Sie 250 Kilometer weit“, verspricht Valentin Isert, Kommunikationschef von Sono Motors. Das kleine Münchener Startup-Unternehmen hat das Solarauto entwickelt, vier Jahre lang bastelten die Unternehmensgründer an einem Twingo, nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne erblickte im Juli 2017 der Sion das Licht der Welt. Rein mit der Kraft der Sonne soll der Sion bis zu 30 Kilometer am Tag zurücklegen, den Rest liefert eine 35-Kilowatt-Batterie.

Willenbacher, einst Gründer des Windkraft-Unternehmens JuWi, ist trotzdem überzeugt: Der Sion ist die Fortbewegungsform der Zukunft. „In Spanien oder Namibia könnte man sich auch ganz ohne Steckdose fortbewegen“, sagt Willenbacher, in Deutschland brauche man eben noch den Saft aus der Dose. Die Solarzellen laden die Batterie während der Fahrt auf, „damit bekommt man kostenlose Kilometer in die Batterie rein“, sagt Isert. Und überhaupt werde ein Auto oft nicht mehr als acht Kilometer am Tag bewegt, „rein theoretisch könnte es die allein mit Solarstrom fahren.“

Zwei Prototypen des Sion gibt es bisher, einen in schwarz und einen in weiß. 2018 soll die Vorserie gebaut werden, mit der die Crashtests durchgeführt werden, zur ersten Auslieferung soll es im dritten Quartal 2019 kommen. Trotzdem sucht die Firma schon jetzt Käufer, ganz nach dem Tesla-Vorbild: „Je mehr Vorbestellungen wir haben, desto besser können wir mit den Herstellern verhandeln“, sagt Willenbacher – derzeit weist die Homepage 2.765 Vorbestellungen auf.

16 000 Euro soll der Sion einmal kosten, dazu kämen noch rund 4000 Euro für die Batterie. „Wir wollen in einen bezahlbaren Sektor“, betont Willenbacher, der bei Sion als Shareholder einstieg, weil ihn die Idee überzeugte. Seit neun Jahren fährt der Unternehmer bereits selbst ein E-Auto der Marke Tesla, mit dem Sion „wollen wir die Verkehrswende möglichst schnell voranbringen“, sagt er.

Kein Gestank, kein Lärm – entspanntes Fahren verspricht die schöne neue Elektroauto-Welt, emissionsfrei und ohne Vibrationen.

Dazu lockt der Sion mit netten Extras wie dem Lüftungssystem, bei dem natürliches Moos die Luft von außen filtert. Tests hätten gezeigt, dass das Moos bis zu 20 Prozent des Feinstaubs aus der Luft filtere, heißt es bei Sono Motors.

Das Moos müsse weder bewässert noch gedüngt oder geschnitten werden und brauche auch keine Sonne, aber es verbessere die Qualität der Luft im Innenraum und habe einen positiven Einfluss auf die Luftfeuchtigkeit im Auto. Dazu ist in dem Sion auch gleich eine moderne Carsharing-Funktion integriert. Nur eines brauchen seine Nutzer weiterhin: Zeit. Wollte man die Batterie des Sion rein mit Sonnenenergie aufladen, man bräuchte acht Tage zu je acht Stunden. Mit der ganz normalen Steckdose geht das immerhin schon in elf Stunden, am Starkstromanschluss in drei Stunden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare