+
Eine Frau und zwei Kinder baden am Rheinufer zwischen Bingen und Rüdesheim, während sich oben ein Binnenschiff in der durch das Niedrigwasser sehr schmalen Fahrrinne flussaufwärts bewegt.

Trockenheit

Niedrigwasser erschwert Binnenschifffahrt auf dem Rhein

Der immer tiefer sinkende Wasserstand von Vater Rhein nervt die Binnenschiffer. Spaziergänger freuen sich dagegen über auftauchende Kiesbänke. Zugleich kommen alte Sprengkörper zum Vorschein.

Schiffe können weniger laden, neue Kiesbänke und Blindgänger des Zweiten Weltkriegs tauchen auf: Das sinkende Niedrigwasser des Rheins nähert sich Rekordwerten. Der Pegelstand in Kaub nahe dem Loreley-Felsen ist am vergangenen Montag auf 54 Zentimeter gefallen. Zwar stieg er mit Regen am Dienstag wieder. Doch für die nächsten Tage sagte der Deutsche Wetterdienst erneut einen goldenen Oktober mit wenig Niederschlägen voraus. Bei 35 Zentimetern lag der Jahrhundertrekord am Pegel Kaub im Hitzejahr 2003.

Aber der Rhein ist die mit Abstand wichtigste und verkehrsreichste Binnenwasserstraße Deutschlands. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes werden in der Regel mehr als 50 Prozent der Güter in Rheinhäfen ein- oder ausgeladen. „Es ist eine Zitterkurve, die ohne Regen langfristig nach unten geht“, sagt der stellvertretende Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Bingen, Florian Krekel. „Der Oktober kann sehr trocken sein“, ergänzte er. Dann seien auch die Grundwasserspiegel gewöhnlich niedrig. Daher könne es gerade im Oktober deutliches Niedrigwasser geben. „Im November kommt dann oft der Umschwung.“

Nach einem halben Jahr mit extrem wenig Regen können laut Krekel viele Frachtschiffe nur noch zur Hälfte oder einem Drittel beladen fahren. Ganz große Binnenschiffe mit 135 Meter Länge können nach Angaben des Logistik-Dienstleisters Contargo bei einem Kauber Pegelstand von 60 Zentimetern sogar nur noch 900 statt bis zu 5200 Tonnen Fracht laden. Aber erst wenn es sich gar nicht mehr lohnt, bleiben die Schiffe in den Häfen liegen. Die Wirtschaftlichkeit der Binnenschifffahrt hängt in solchen Phasen auch von der Verfügbarkeit und Preisen alternativer Transporte über die Schiene oder die Straße ab sowie von den Lagerbeständen der Unternehmen. Allerdings sind aufgrund der niedrigen Pegelstände zuletzt sogar die Heizölpreise kräftig gestiegen, weil eben nur noch kleine Mengen Heizöl auf den Flüssen transportiert werden konnten.

Mitunter kommen nun alte Gefahren zum Vorschein: Vor etwa einem Monat sprengte der Kampfmittelräumdienst in Neuwied eine US-amerikanische 500-Kilogramm-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg per Fernzündung. Sie war im Niedrigwasser entdeckt worden. Genauso wie auch ein 60 Zentimeter langer Blindgänger aus demselben Krieg, der bei niedrigem Wasserstand nahe dem Mäuseturm bei Bingen auftauchte – er wurde von Experten im Juli entschärft. Am Mainzer Rheinufer wiederum kamen Dutzende Flak-Patronen aus dem Zweiten Weltkrieg zum Vorschein – sie wurden im August ebenfalls vom Kampfmittelräumdienst unschädlich gemacht. Auch Schrott taucht im Niedrigwasser des Rheins auf, beispielsweise alte verrostete Fahrräder, Mofas und sogar Autos. „In der Nähe der Fähre Kaub zum Beispiel ist kürzlich ein Autowrack gefunden worden“, berichtete Krekel.

Darüber hinaus kommt es zu einem Niedrigwasser-Tourismus. Manche meist größtenteils überfluteten Kiesbänke werden laut dem stellvertretenden Behördenleiter immer größer. Dort seien viele Spaziergänger unterwegs.

(lhe,red)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare