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Anlaufstelle für kleine Patienten an Wochenenden

Notdienst für Kinder

  • vonChristoph Barkewitz
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Die Kassenärztliche Vereinigung erweitert ihren Bereitschaftsdienst um eine regelmäßige pädiatrische Versorgung an Wochenenden und Feiertagen. Künftig müssen dann alle Kinderärzte Dienst schieben, auch diejenigen, die sich im bisherigen System gedrückt haben.

Das Kind hat Fieber, Ohrenschmerzen, eine Platzwunde – wohin am Wochenende oder am Feiertag? Gleich in die Notfallaufnahme der Klinik, oder tut es auch ein Ärztlicher Bereitschaftsdienst? Um letztere Möglichkeit auszuweiten, will die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) ihren bestehenden Allgemeinärztlichen in Zukunft um einen Kinderärztlichen Bereitschaftsdienst verstärken, wie deren stellvertretender Vorstandsvorsitzender Günter Haas gestern in Frankfurt mitteilte.

Zwar gibt es bereits solche Einrichtungen im Land, allerdings regional individuell organisiert und mit sehr unterschiedlichen Öffnungszeiten. Künftig will die KVH die Organisation für ganz Hessen übernehmen – auf freiwilliger Basis. Denn die Einrichtung eines flächendeckenden pädiatrischen Bereitschaftsdienstes gehöre nicht zum Versorgungsauftrag der Körperschaft des öffentlichen Rechts, wie Haas betont. Keinem anderen Bundesland sei es bisher gelungen, einen flächendeckenden kinderärztlichen Dienst einzurichten.

Die Standorte sollen soweit möglich an Kinderkliniken angesiedelt sein und zu verbindlichen Kernzeiten geöffnet haben. Geplant ist, dass sie mittwochs und freitags von 16 bis 20 Uhr, samstags, sonntags sowie an Feiertagen und Brückentagen von 9 bis 20 Uhr offen sind.

Derzeit sind zwei Zentralen in Frankfurt vorgesehen: An der Uniklinik und am Klinikum Höchst, weiterhin in Darmstadt, Offenbach, Kassel, Wiesbaden, Gießen, Marburg, Fulda und Bad Hersfeld. Neu ist der Standort Marburg, ersatzlos wegfallen sollen der Dienst in Limburg, der als einziger bislang nicht an eine Klinik angedockt war. Die dortigen Patienten sollen von Wiesbaden versorgt werden.

Ein weiterer Standort könnte in Gelnhausen eingerichtet werden, so Haas. Der dortige Landrat Erich Pipa (SPD) hatte im vergangenen Jahr auch über öffentlichkeitswirksame Maßnahmen wie eine Petition erheblichen Druck auf die KVH ausgeübt, weil sie im Main-Kinzig-Kreis keine Bereitschaftszentrale eingeplant hatte. Stattdessen sollten dortige Patienten den Dienst in Offenbach ansteuern.

Nach einem „erfreulich sachlichen und konstruktiven Gespräch“ mit Pipa sieht Haas nun „eine Möglichkeit für Gelnhausen“ an den dortigen Main-Kinzig-Kliniken. Denkbar sei dort auch die Aufnahme von Assistenzärzten der Kinderklinik in den Dienst, um die nötige Mannschaftsstärke zu erreichen. Gespräche liefen, „ich bin zuversichtlich“, so der KVH-Vorsitzende. Eine Lösung erwarte er im Spätherbst, die Inbetriebnahme Anfang, Mitte nächsten Jahres.

Die anderen Kinderärztlichen Bereitschaftszentralen sollen schon früher an den Start gehen. Während Kassel bereits seit dem 1. April arbeitet, der Dienst am Frankfurter Uniklinikum seit 1. Juli, sollen alle weiteren Stellen am 1. Oktober den Betrieb aufnehmen. 30 Stunden pro Woche sind laut Haas vorgesehen, Anpassungen an regionale Bedürfnisse seien möglich.

Alle 410 niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte in Hessen sind nach Angaben der KV-Spitze zur Teilnahme am neuen Bereitschaftsdienst verpflichtet. Rund 80 Prozent von ihnen hätten große Bereitschaft gezeigt, den Dienst mitzutragen, berichtet Kinderarzt Alfons Fleer, Mitglied der Vertreterversammlung der KVH, über die Verhandlungen. Er verhehlt nicht eine gewissen Genugtuung, dass künftig alle Kollegen Dienst tun müssen. Denn nach seinen Worten hätten sich manche Mediziner sehr unkollegial verhalten: Eltern wurden gerne mit ihren Kindern an den Bereitschaftsdienst verwiesen, selbst hätten diese Kinderärzte aber die Teilnahme am Schichtsystem verweigert.

Das soll es künftig nicht mehr geben, sagt Vorstand Haas: „Das ist ein Verstoß gegen die vertragsärztliche Verantwortung.“

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