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NSU: Ex-Verfassungsschützer soll erneut aussagen

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Andreas Temme bei seiner ersten Befragung im Mai 2015.
Andreas Temme bei seiner ersten Befragung im Mai 2015. © Fredrik von Erichsen (dpa)

Zu den Besonderheiten des Kasseler NSU-Mordes zählt, dass der damalige hessische Verfassungsschützer Temme kurz vor oder während der tödlichen Schüsse am Tatort war. Nicht nur deshalb ist er für den NSU-Ausschuss besonders interessant.

Eine der Schlüsselfiguren in den Ermittlungen nach dem NSU-Mord in Kassel wird am heutigen Montag im Untersuchungsausschuss des Hessischen Landtags erwartet: Ex-Verfassungsschützer Andreas Temme. Der Beamte wird bereits zum zweiten Mal von dem Gremium als Zeuge befragt.

Temme stand nach dem NSU-Mord an dem deutsch-türkischen Internetcafé-Besitzer Halit Yozgat vorübergehend unter Mordverdacht, da er sich kurz vor oder während der Tat in dem Laden aufhielt. Temme hat unter anderem im NSU-Prozess in München beteuert, aus privaten Gründen in dem Café gewesen zu sein und von der Tat nichts mitbekommen zu haben. Er habe auf einer Flirt-Webseite mit einer Frau gechattet. Vor etwas mehr als einem Jahr war Temme in Wiesbaden schon einmal vorgeladen.

Damals ging es hauptsächlich um ein Zitat: „Ich sag ja jedem: Wenn er weiß, dass irgendwo so etwas passiert, bitte nicht vorbeifahren“. Das sagte der damalige Geheimschutzbeauftragte des Landesamtes, Gerald-Hasso Hess, in einem Telefonat mit Temme, als dieser einen Monat nach der Tat noch unter Verdacht stand und abgehört wurde. Beide wiesen im Ausschuss Spekulationen zurück, der Verfassungsschutz habe vorab von dem Anschlag in Kassel gewusst. Der NSU-Ausschuss im Landtag soll Ermittlungsfehler der Behörden im Zusammenhang mit dem Mord der rechtsextremen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund in Kassel im April 2006 untersuchen.

Der CDU-Obmann Holger Bellino erwartet von der erneuten Befragung Temmes nicht viel: „Ich befürchte, dass wir da keine neuen Erkenntnisse bekommen.“ Allerdings sei der Zeuge mit Blick auf den Auftrag des Ausschusses wichtig. „Zumal Temme sich bei seiner ersten Befragung nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat.“

Völlig unverständlich sei nach wie vor, warum sich der damalige Verfassungsschützer nicht von sich aus bei der Polizei gemeldet hat, als der Mord publik wurde. Offen seien auch noch Fragen zur Deutschen Partei – und welchen Auftrag genau Temme im Zusammenhang mit der rechtsgerichteten Organisation hatte.

Ein Ex-Informant hatte sich als Zeuge im NSU-Ausschuss nicht erinnern können, seinem V-Mann-Führer Temme über die „Deutsche Partei“ berichtet zu haben. So steht es allerdings laut Akten in den Treffberichten. Der Ausschuss will am kommenden Montag auch Temmes Ehefrau als Zeugin befragen.

„Es gibt zur Rolle von Andreas Temme noch sehr viele offene Frage“, sagt die Innenexpertin der SPD-Fraktion, Nancy Faeser. „Vor allem zu seiner Rolle am Tatort und zu seiner Rolle als Verfassungsschützer und V-Mann-Führer.“

(lhe)

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