Christina Plaka

Offenbacherin ist eine der bekanntesten Zeichnerinnen japanischer Comics

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Comics sind Kinderunterhaltung? Das trifft auf Mangas nicht zu, betont die Deutsch-Griechin Christina Plaka. Schon früh übten die japanischen Comics eine große Faszination auf sie aus. Und inzwischen ist sie nicht nur als Zeichnerin in diesem Bereich sehr erfolgreich.

Eine Frau mit einem griechischen Namen, die sich zur Begrüßung mit asiatischer Andeutung verbeugt? Bei Christina Plaka wird sofort klar, dass sie sich in keine Schublade stecken lässt. Und wäre es eine, dann sähe sie so aus, wie die Schubladen in ihrem Büro im Offenbacher Gründercampus „Ostpol“: Auf jeder prangt das bunte Bild einer Mangafigur. Die 35-Jährige ist eine Mangaka, eine der wenigen Zeichnerinnen japanischer Comics in Deutschland.

„Es sind bundesweit weniger als zehn Frauen, die regelmäßig Bücher mit Manga-Comics veröffentlichen“, zählt sie die Kolleginnen zusammen. Für sie selbst habe sich die Frage, warum sie gerade diese Kunstform wählt, gar nicht gestellt.

„Mich haben schon als Kind Zeichentrickserien fasziniert, obwohl mir damals noch gar nicht klar war, dass viele aus Japan stammten“, berichtet die gebürtige Offenbacherin. „Ich wollte beim Zeichentrickfilm arbeiten, noch bevor ich etwas über Mangas wusste.“ Zwar gefielen ihr auch Comics wie Asterix, aber die Begeisterung für die japanische Kultur war viel größer. „Ich dachte, Japan muss so toll sein.“

Inzwischen war sie oft dort, sind Mangas international beliebt. Die Bücher werden traditionell von rechts nach links gelesen, verkaufen sich laut Plaka immer noch am besten in gedruckter Form. „Ein Buch mit Mangas muss man anfassen und riechen“, schwärmt sie.

Die Themen seien sehr vielfältig. „Hier in Deutschland gelten Comics als Kinderunterhaltung“, erläutert Plaka. „Aber in Mangas geht es um weit mehr als um Figuren mit Kulleraugen.“ So gebe es etwa Comics, die homosexuelle Liebe zum Thema haben oder die Reaktorkatastrophe von Fukushima. „Es sind oft Alltagsgeschichten, in denen ein Mädchen oder ein Junge zu Helden werden“, erklärt sie die Faszination. „Aber das eben ohne Superkräfte.“

Ihre Eltern seien kurz besorgt gewesen, als sie aus diesem Hobby einen Beruf machen wollte, räumt sie lachend ein. „Aber sie haben ja gesehen, dass ich nie etwas anderes wollte als Zeichnen.“ Und sie sehe im Manga keinen Widerspruch zu ihrer eigenen Kultur. „Manga ist meine eigene Kultur“ betont Plaka, „ich bin ja damit aufgewachsen.“

Wenn man es überhaupt kategorisieren müsse, hätte sie sich eben von drei Kulturen das Beste herausgesucht: An den Japanern gefalle ihr die Höflichkeit, an den Deutschen die Ehrlichkeit, an den Griechen die Leidenschaft. „Ich bin im Kopf deutsch und japanisch,“ analysiert sie, „im Herzen aber Griechin.“ Wichtig ist ihr jedoch, in Mangas ihre eigenen Geschichten in ihrem eigenen Stil zu erzählen. 2003 kam mit „Prussian Blue“ ihr erstes von vielen Büchern heraus. Sie wollte Japan noch näherkommen, studierte von 2010 bis 2012 an der Seika Universität in Kyoto.

In diese Zeit fiel auch das Unglück in Fukushima. „Ich habe das Ereignis selbst verschlafen, bin danach aber schnell nach Offenbach zurückgekehrt.“ Die Eltern hatten Angst um sie. Vier Wochen später jedoch zog sie nach Japan zurück, hielt es in Deutschland nicht aus.

Ein Erlebnis aus ihrer Zeit in Japan verarbeitet sie in ihrem Manga „Kimi-he“. Darin geht es um eine unglückliche Liebe zu einem Japaner. Ja, das sei autobiographisch, räumt sie ein. Sie wolle in Mangas auch zeigen, „dass nicht immer alles so kommt, wie man es sich vorstellt, auch nicht in Beziehungen.“ ,

Inzwischen ist sie längst wieder in Offenbach zu Hause, bei den Eltern ausgezogen und steht auf eigenen Beinen. Weil sie vom Manga-Zeichnen allein nicht leben konnte, versuchte sie es zwischendurch mit Bürojobs – fand aber darin keine Erfüllung. „Zum schwersten Zeitpunkt meines Lebens bin ich schließlich das größte Risiko eingegangen“, berichtet sie. Sie gründete im Sommer 2016 ihre eigene Manga-Schule. Inzwischen hat sie so viele Schüler und Workshops, dass sie fast gar nicht mehr zum Zeichnen kommt. „Ich schließe nicht aus, dass ich irgendwann nachts mal ein Buch zeichne“, lacht die quirlige Künstlerin, „aber das Unterrichten gefällt mir.“ Ihr Traum wäre eine Schule so groß wie eine Fachhochschule. Um den Kopf freizubekommen spielt sie Volleyball, praktiziert die Kampfkunst Wing Chun. Meistens dreht sich alles um Mangas. „Für mich sind sie immer noch eine Tür zu den Träumen“, betont sie „ein kleines Nimmerland, in dem man nicht erwachsen werden muss.“ Auch für dieses Reich zwischen Kindheitstraum und Erwachsenenleben sind alle Schubladen zu klein.

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