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Warnstreik bei der Deutschen Bahn.

Bahnverkehr in Hessen

Ohne Stellwerke geht gar nichts- Warnstreik legt auch Hessen lahm

Stehende S-Bahnen, leere Anzeigetafeln und verstopfte Trams: Die neue Woche hat für viele Pendler und Bahnreisende alles andere als entspannt begonnen. Immerhin soll der erste Streik bei der Bahn seit mehr als drei Jahren vorerst auch der letzte gewesen sein.

Nach einem unerwartet harten Warnstreik am Montag können auch Bahnkunden in Hessen erst einmal aufatmen.Wie die Verhandlungsführerin der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) Regina Rusch-Ziemba sagte, sind weitere Warnstreiks vorerst nicht geplant. Die EVG, die ihre Mitglieder zu einem vierstündigen Ausstand am Montagmorgen aufgerufen hatte, will am Dienstag an den Verhandlungstisch für die Tarifgespräche zurückkehren. Die Deutsche Bahn bestätigte die Wiederaufnahme der unterbrochenen Verhandlungen.

Diese Nachricht dürfte auch bei Bahnreisenden und Pendlern in Hessen für erleichtertes Aufatmen sorgen. Die bundesweite Einstellung des Fernverkehrs legte am Montag beispielsweise den Betrieb am Frankfurter Hauptbahnhof vorübergehend komplett lahm. Hier wurden auch die Servicestellen und das Reisezentrum bestreikt. Es seien keine Züge mehr rein- oder rausgefahren, erklärte ein Bahn-Sprecher. Die sonst vollen Anzeigetafeln in der Bahnhofshalle blieben leer.

An dem Warnstreik der Gewerkschaft EVG hätten sich alleine am Frankfurter Hauptbahnhof 150 Menschen beteiligt, sagte Streikleiter Alex Beichel. Dazu kamen 80 in der Betriebszentrale und 40 am Frankfurter Flughafen. Während des Ausstands zwischen 5.00 und 9.00 Uhr legten viele EVG-Mitglieder in Werkstätten und Stellwerken die Arbeit nieder - zumindest auf den ICE- und Intercity-Strecken ging dadurch nichts mehr.

Hintergrund ist, dass in der Tarifrunde für rund 160 000 Beschäftigte bei der Bahn am Samstag der erhoffte Durchbruch nicht gelungen war. Im Streit um die Lohnerhöhung gingen der Konzern und die Gewerkschaft EVG auseinander.

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Der Rhein-Main Verkehrsverbund (RMV) hatte schon am frühen Morgen den gesamten Betrieb für die neun S-Bahn-Linien eingestellt. "Wenn Stellwerke nicht funktionieren, funktioniert gar nichts", sagte Geschäftsführer Knut Ringat. Es sei erst am Morgen klar geworden, welche Bereiche bestreikt würden. Weil viele Reisende gleichzeitig die RMV-App bemühten, hätten sich leider hier auch noch die Zugriffszeiten spürbar verlängert.

Nach dem Ausstand sollte sich der S-Bahn-Betrieb ab 9.00 Uhr wieder relativ zeitnah einigermaßen normalisieren. Es wurden aber zunächst nur die halbstündigen Haupttakte bedient, sagte der Bahn-Sprecher. Im Regionalverkehr mussten sich Reisende noch den ganzen Tag über auf Auswirkungen des Warnstreiks einstellen: "Weil viele Züge nicht da sind, wo sie sein sollen, wird es Verspätungen und Ausfälle geben."

Auch auf den Straßenbahnlinien im Frankfurter Stadtgebiet kam es am Morgen zu Verzögerungen. Die lokale Verkehrsgesellschaft traffiQ wies ihre Kunden auf Fahrplanabweichungen wegen eines erhöhten Fahrgastaufkommens hin. Wer von der S-Bahn auf die Tram umsteigen wollte, musste teils viel Geduld mitbringen: Die Bahnen waren auf manchen Linien hoffnungslos überfüllt und ein Zusteigen kaum möglich. "Die Streik-Nachricht kam zu kurzfristig, so dass wir mit Mehrverkehren - wie etwa bei den Sperrungen des S-Bahn-Tunnels - nicht mehr reagieren konnten", sagte eine traffiQ-Sprecherin.

Auf den Straßenverkehr wirkte sich der Streik auch aus, wie ein Polizeisprecher in Frankfurt berichtete: "Rundum war alles dicht." Es sei spürbar mehr los gewesen auf den Straßen als an Tagen ohne Bahn-Streik.

Im Internet hatte die Deutsche Bahn ihren Kunden am Morgen empfohlen, Reisen nach Möglichkeit auf den Dienstag zu verschieben. Auch im Fernverkehr müsse noch den ganzen Tag mit massiven Einschränkungen gerechnet werden. Wie die Bahn mitteilte, sollten Tickets im Fernverkehr mit Gültigkeitstag Montag bis zum kommenden Sonntag gültig bleiben.

(dpa)

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