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DHL Sortieranlageneröffnung im Juni eröffnen

Paketzentrum der Superlative

  • Christiane Warnecke
    VonChristiane Warnecke
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Das neue Paketzentrum in Obertshausen ist ein Prestige-Projekt für DHL. Es ist das größte in Deutschland und verbirgt in seinem Inneren eine europaweit einzigartige Sortiertechnik. Es gibt nur einen Haken: Obwohl das Riesengebäude schon seit 2013 steht, rollen dort noch immer keine Laster. Das soll sich bald ändern.

Die Sandaletten in der Lieblingsfarbe bei Zalando entdeckt, ein begehrtes Smartphone zum Schnäppchenpreis bei Ebay ersteigert – Shopping im Internet wird immer beliebter. Das treibt den Einzelhändlern in den Innenstädten Sorgenfalten auf die Stirn. Die Logistik-Unternehmen hingegen jubeln über den Trend zum Einkaufen im Internet, denn die Ware wandert per Päckchen oder Paket zum Kunden, und der Boom des Versandhandels lässt bei DHL, Hermes und anderen Logistik-Unternehmen die Kassen sprudeln.

Um das rasant wachsende Geschäft abzuwickeln, schießen Paketverteilzentren an vielen Orten in der Republik aus dem Boden. Das größte seiner Art steht seit 2013 im kleinen Obertshausen. Noch sind die Auswirkungen für die Stadt im Kreis Offenbach allerdings schwer absehbar, denn das gigantische Paketzentrum der DHL ist inzwischen zwar ein vertrauter Anblick, es nimmt aber erst in diesem Sommer seinen Betrieb auf – viel später als geplant.

Die Laster sollten ursprünglich schon seit 2015 an die Rampen rollen. Da sich die DHL jedoch zwischenzeitlich dafür entschieden habe, die gesamte neuartige Sortiertechnik selbst einzubauen, sei die Eröffnung nun für Juni dieses Jahres geplant. Das kündigt DHL-Sprecher Thomas Kutsch im Gespräch mit dieser Zeitung an. Die Anlage sei ein europaweit einzigartiges Pilotprojekt. Da sei die Qualität entscheidend und nicht der Zeitplan, ergänzt Kutsch.

50 000 Pakete pro Stunde

Anfang Juni will die DHL erstmals der Öffentlichkeit einen Einblick in das 40 000 Quadratmeter große gelbe Gebäude gewähren. 50 000 Pakete pro Stunde sollen dort sortiert werden. Der hufeisenförmige Komplex, der einen hohen zweistelligen Millionenbetrag gekostet haben soll, bietet 330 Verladestationen für Lastwagen. Und genau diese Menge an Lkw macht den Bürgern in den umliegenden Kommunen Angst.

Schon jetzt ist Obertshausen vielen Menschen hauptsächlich durch die Staumeldungen im Radio bekannt, denn rund um die Autobahnanschlussstelle der A 3 kommt es im Berufsverkehr tagtäglich zu Behinderungen.

Was passiert dann erst, wenn sich hier noch Hunderte Laster pro Tag in die Schlangen an den Ampeln vor der Autobahnauffahrt in den Verkehr einreihen?, fragen sich besorgte Bürger und die Verantwortlichen in den Rathäusern. DHL-Sprecher Heinz-Jürgen Thomeczek beschwichtigt jedoch die Sorgen: „Unsere Lkw sind überwiegend in den sehr frühen Morgenstunden sowie spätabends und nachts unterwegs, es drohe also keine Verschärfung des Berufsverkehrs.

Ein Gutachten der Fachhochschule Kassel, das der Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil und der Stadt Obertshausen vorliegt, kam außerdem zu dem Ergebnis, dass ein Umbau der Ampelanlage vor der Zufahrt zur Autobahn wenig Sinn mache, weil die Autobahn selbst überlastet sei. Eine echte Lösung der Verkehrsprobleme rund um Obertshausen könne nur ein vierspuriger Ausbau der A 3 und ein Umbau des Offenbacher Kreuzes bringen. Und der sei von der Bundesverkehrswegeplanung abhängig. Bis Ende des Jahres lege sich der Bundestag auf die Einstufung der Dringlichkeit des Ausbaus der A 3 fest, erklärt Achim Brand von Hessen Mobil.

Und Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) ließ auf eine Kleine Anfrage der Dietzenbacher Landtagsabgeordneten Ulrike Alex (SPD) mitteilen, die Gemeinden seien für die Ausweisung von Gewerbegebieten zuständig und müssten auch eine leistungsfähige Verkehrsanbindung sicherstellen.

Hessen-Mobil-Sprecher Brand schließt unterdessen nicht aus, dass die Inbetriebnahme des Paketzentrums zu weiteren Staus führt, denn nach seiner Erkenntnis sei durchaus auch mit Paketfahrten während der Berufszeiten zu rechnen.

Auch Obertshausens Erster Stadtrat Hubert Gerhards (CDU) schätzt die Lage kritisch ein: „Die Autobahnauffahrt ist schon jetzt nicht optimal gelöst“, räumt er ein. Das Gutachten habe aber ergeben, dass die Landesstraße L 3117 den zusätzlichen Verkehr aufnehmen könne. Von Vorteil sei außerdem, dass die Paket-Laster nicht durch bebaute Ortslagen fahren müssten, um das neue Verteilzentrum zu erreichen.

Tatsächlich ist gerade die verkehrsgünstige Lage des Paketzentrums zur Autobahn für DHL der große Pluspunkt des neuen Standorts. Es liegt im Gewerbegebiet Herbäcker auf dem Areal des 2003 geschlossenen Gerätehauptdepots der Bundeswehr nur wenige Hundert Meter von der Anschlussstelle Obertshausen zur A 3 entfernt. Zum Flughafen und zur A 5 sind es von dort aus nur drei Ausfahrten. Für Logistiker also geradezu eine Traumlage.

600 neue Jobs

Traumhaft klingt auch das Versprechen der DHL 600 neue Jobs in dem Paketzentrum zu schaffen. Neben den zusätzlichen Steuereinnahmen war diese Perspektive der ausschlaggebende Punkt für die Kommunalpolitiker, den Bebauungsplan, der ursprünglich nur ein Drittel des neuen Gewerbegebiets für Logistikunternehmen vorgesehen hatte, zugunsten von DHL auf 60 Prozent Logistik-Fläche zu ändern.

Während die Grundsteuer schon fließt, lassen die Gewerbesteuereinnahmen wegen der Verzögerung der Eröffnung allerdings noch auf sich warten. Ein Grund, der Obertshausens Ersten Stadtrat trotz der Verkehrssorgen auf eine baldige Inbetriebnahme der Anlage hoffen lässt.

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