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Pandemie setzt kommunalen Kinos kräftig zu

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Kino
Besucherinnen und Besucher sitzen in der Caligari Filmbühne. © Nicolas Armer/dpa/Archivbild

Vor 50 Jahren wurde in Frankfurt eines der ältesten kommunalen Kinos Deutschlands gegründet. Diese Kultureinrichtungen leiden besonders stark unter der Pandemie. Das hat vor allem zwei Gründe.

Frankfurt/Main - „Caligari“, „Filminsel“ und „Burg-Lichtspiele“: Kommunale Kinos haben einen festen Platz in der hessischen Kulturlandschaft. In dieser Woche feiert eines der bundesweit ältesten kommunalen Kinos 50-jähriges Bestehen: Das einst als „KoKi“ bekannte und später in „Kino des DFF“ umbenannte Kino im Deutschen Filmmuseum. Am 3. Dezember 1971 eröffnete eine Stummfilmreihe mit Komiker Buster Keaton das Programm. Gefeiert wird nun mit der Wiederaufführung von Filmen, die auch vor 50 Jahren liefen - und das inmitten einer von der Pandemie geprägten Zeit, die vielen Häusern Probleme bereitet.

Von Kommunen geförderte Kinos gab es bereits Anfang des 20. Jahrhunderts. Diese Gemeindekinos zeigten Filme, die bilden sollten. An diesem Anspruch halten kommunale Kinos bis heute fest, um sich von gewerblichen Häusern abzusetzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden erneut Filmklubs mit kulturellen Ambitionen. In Hessen gibt es derzeit nach Angaben des Bundesverbands kommunale Filmarbeit rund 15 unterschiedlicher Größe und mit unterschiedlichen Konzepten.

Doch Corona sorgt auch dort für massive Probleme, wie der Verbandsvorsitzende Andreas Heidenreich sagt. Denn die Kinos leben vom ehrenamtlichen Engagement. Um sich nicht anzustecken, hätten sich vor allem ältere Helfer zurückgezogen. Dabei bräuchten die Kinos wegen der Kontrolle der Corona-Auflagen gerade eigentlich mehr Mitarbeiter, denn jeder einzelne Besucher muss kontrolliert werden.

„Es gibt viele Helfer, die haben einfach Angst, sich zu infizieren - und bleiben dann weg“, sagt Joachim Pollitt vom Kommunalen Kino der Stadt Weiterstadt (Landkreis Darmstadt-Dieburg). Entsprechend habe sich das Personal während der Zeit, in der die Kinos in Hessen geschlossen waren, halbiert.

Hinzu kommt, dass die Zuschauerzahlen weiterhin extrem niedrig sind. „Wir hatten seit dem Beginn der Pandemie Abende mit weniger als zehn Zuschauern“, berichtet Pollitt. Auch Edgar Langer, Begründer des Kinos „Traumstern“ in Lich (Landkreis Gießen), berichtet von Zuschauerzahlen „im einstelligen Bereich“. Das 1983 gegründete und mehrfach prämierte Programmkino in Mittelhessen will trotz der Corona-Beschränkungen im Dezember ein Programm bieten „als wenn nichts wäre“ - um seinem selbstgesetzten gesellschaftlichen Auftrag gerecht zu werden.

Zu den bestehenden Problemen gesellt sich laut Heidenreich die öffentliche Finanzierung: „Es ist noch nicht so, dass groß gekürzt wird, aber ich habe die Sorge, dass dies in ein bis zwei Jahren ein Problem sein wird.“ Die Kommunen hätten wegen der Corona-Pandemie mehr Ausgaben und weniger Einnahmen. Auch das Frankfurter kommunale Kino sollte in den 90er Jahren aus Spargründen geschlossen werden. Die Entscheidung wurde nach Protesten zurückgenommen, heute gehört es zum Verein „DFF - Deutsches Filminstitut & Filmmuseum“.

Das Kino als sozialer und kultureller Ort müsse erhalten bleiben, fordert Heidenreich. „Wir versuchen alle, einen Beitrag für die Region zu leisten - und hoffen einfach nur, dass die Situation besser wird“, sagt Langer. „Nicht aufgeben, wir müssen da gemeinsam durch.“ Auch wenn jegliche Perspektive momentan fehle - mit Kino lasse sich derzeit kein Geld verdienen. dpa

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