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Penibler Ordnungshüter in Hessen: Super-Hipo mit Maßband und Stoppuhr

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Von: Christian Reinartz

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Gegen die Knöllchen gibt es nur selten Beschwerden.
Gegen die Knöllchen gibt es nur selten Beschwerden. © dpa

Ordnungsamtsmitarbeiter B., knapp über 60, ist gefürchtet unter den örtlichen Falschparkern im hessischen Dietzenbach. Denn er arbeitet sehr genau.

Dietzenbach – Ein Leser, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, berichtet von einem Vorfall, der drei Wochen zurückliegt: „Ich habe nur drei Minuten in der Altstadt im Parkverbot gehalten, um etwas abzuholen.“ Als er wieder aus dem Haus kommt, klemmt ein Knöllchen hinter dem Scheibenwischer. „Ich war sicher, dass das ein Fehler ist“, sagt er. „Aber als ich den Brief mit der Forderung von 55 Euro in der Hand gehalten habe, war ich sprachlos.“ Der Hipo habe die Zeit, in der er dort gehalten habe gestoppt, offenbar sekundengenau. Exakt drei Minuten und 23 Sekunden sollen es gewesen, schildert der Leser. Dies sei ihm vom Ordnungsamt mitgeteilt worden.

Dass Hipo B. ein ganz genauer ist, weiß auch Apotheker Richard Graf. Vor der Paracelsus-Apotheke herrscht nämlich auch Parkverbot. „Ich habe das schon bei vielen Kunden erlebt“, sagt Graf. Der Mann stehe dort wirklich mit der Stoppuhr. Auch eine Mitarbeiterin habe schon einmal zittern müssen, weil sie ihr Auto in Nähe der Ecke Löwenstraße geparkt hatte, erzählt der Apotheker. „Der Mann hat sein Maßband herausgeholt und die fünf Meter nachgemessen.“

Ordnungshüter in Hessen: „Der Mann ist äußerst genau und penibel“

Anfänglich habe diese übergenaue Art Graf noch Kopfzerbrechen bereitet, sagt er. „Aber mittlerweile habe ich alle Kunden persönlich und per Aushang darauf hingewiesen.“ Letzten Endes empfinde er fast schon etwas Sympathie für den peniblen Verkehrsüberwacher. Auch, weil er immer ruhig bleibe, selbst wenn er auf der Straße von aufgebrachten Falschparkern angegangen werde. „Er ist so genau, dass ein von ihm verhängtes Knöllchen auch seine Berechtigung hat.“ Bei seiner Mitarbeiterin etwa habe er auf ein solches verzichtet, weil ein paar Zentimeter gefehlt hätten.

Ordnungsamtsleiter Markus Hockling bestätigt die pedantische Eigenart seines Mitarbeiters mit hörbarem Stolz: „Der Mann ist äußerst genau und penibel.“ Das schlage sich auch in der Statistik nieder. So gebe es bei allen von ihm geahndeten Verstößen vielleicht eine Beschwerde pro Monat. Und das bei über 1 000 Fällen, die der Super-Hipo aufschreibt.

Hessen: mit Maßband und Stoppuhr im gesamten Stadtgebiet präsent

Dazu ist der Mann mit Maßband und Stoppuhr wirklich im gesamten Stadtgebiet präsent und nicht nur in den Falschpark-Hotspots, etwa in der Altstadt oder der Stadtmitte. Jeden Tag laufe sein Mitarbeiter an die 15 Kilometer und durchkämme dabei das gesamte Stadtgebiet.

Hockling stellt klar: „Der Mitarbeiter ist ein ganz normaler Angestellter der Stadt und erhält keinerlei Zulagen oder Prämien für die Fälle, die er aufschreibt.“ Seit er am Start sei, habe auch die Zahl der Beschwerden aus der Bevölkerung abgenommen. „Früher wurde häufiger der Vorwurf der Abzocke vorgebracht“, sagt Hockling. „Das hatten wir jetzt schon lange nicht mehr.“ Er ist überzeugt, dass das auch an der Genauigkeit seines Mitarbeiters liegt. Wer von ihm einen Strafzettel erhalte, wisse ganz genau, was er falsch gemacht habe. (Christian Reinartz)

Schon vergangenes Jahr gab es im Landkreis Offenbach Ärger wegen Strafzetteln. Eine private Parkraumüberwachungsfirma hatte mehr als zwei Monate lang Autohalter in Dietzenbach mit Strafzetteln und ungerechtfertigten Geldforderungen tyrannisiert.

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