1. Startseite
  2. Hessen

PIM-Prozess: Verteidigung - fünf Jahre und neun Monate Haft

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Gericht
Akten liegen vor einem Prozess in einem Landgericht auf dem Tisch. © Swen Pförtner/dpa/Symbolbild

In seinem Schlusswort wirkt der Angeklagte den Tränen nah. Er entschuldigt sich bei den früheren Anlegern des insolventen Goldhändlers PIM. Seine Verteidigung sieht im Plädoyer auch viel Entlastendes. Sie will ein Ende der Untersuchungshaft.

Darmstadt - Die Verteidigung im Prozess um den insolventen Goldhändler PIM hat am Dienstag eine Freiheitsstrafe von maximal fünf Jahren und neun Monaten für den früheren Geschäftsführer gefordert. Sie beantragte vor dem Landgericht Darmstadt zudem die Aussetzung des Haftbefehls gegen den 51-Jährigen. Er habe das ihm Vorgeworfene eingeräumt und nicht versucht, die Verantwortung auf andere abzuschieben, hieß es im Plädoyer der Verteidiger. In seinem Schlusswort sagte der Angeklagte den Tränen nah: „Es tut mir wirklich aufrichtig leid.“

Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Geschäftsführer des Unternehmens aus dem südhessischen Heusenstamm schweren Betrug und Geldwäsche vor. In ihrem Plädoyer forderte sie eine Gesamtfreiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren. Bei der Geldwäsche sieht die Verteidigung höchstens eine Leichtfertigkeit, aber keinen Vorsatz. Am kommenden Dienstag soll das Urteil gesprochen werden.

Die Verteidigung räumte ein, dass es um einen sehr hohen Schaden geht und einige frühere Anleger Vieles verloren hätten. Es sei aber nicht von Anfang an ein Schneeballsystem geplant gewesen. Das Unternehmen sei nicht gegründet worden, um sich zu bereichern. „Als er erkannte, dass es nicht tragfähig war, war es zu spät“, sagte eine Verteidigerin über den Angeklagten. Er habe allen eingeredet, es werde schon wieder. „Damit ist er gescheitert.“ Es gebe aber auch viel Entlastendes.

Der Haftbefehl soll nach dem Willen der Verteidiger aufgehoben werden. Ihr Mandant sitze schon seit mehr als drei Jahren in Untersuchungshaft, in der Corona-Zeit unter erschwerten Bedingungen. „Er saß einfach nur in seiner Zelle und hat gewartet“, sagte die Verteidigerin. Kein Kontakt zu anderen Menschen, 23 Stunden auf acht Quadratmetern, beschrieb sie die Haft. Zudem bestehe bei der zu erwartenden Reststrafe keine Fluchtgefahr, seine Familie sei hier verwurzelt.

Die Staatsanwaltschaft sieht die Straftatbestände des schweren Betruges und der Geldwäsche als erwiesen an. „Die Aufsetzung des Geschäftsmodells war von Anfang an betrügerisch geplant“, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Durch die Geschäfte sei ein Schaden von mehr als 100 Millionen Euro entstanden.

Die Firma PIM Gold aus Heusenstamm soll von 2016 bis September 2019 mit Kunden Lieferverträge einschließlich Bonusversprechen über Gold abgeschlossen, diese aber nicht erfüllt haben. Zinsen sollen nach einer Art Schneeballsystem mit dem Geld neu angeworbener Kunden ausgezahlt worden sein. Der Angeklagte sitzt seit September 2019 in Untersuchungshaft.

Das Verfahren ins Rollen gebracht hatte ein ehemaliger Mitarbeiter des Goldhändlers mit einer Anzeige im Mai 2017. Im Juli 2019 wurde die Firma durchsucht und knapp zwei Monate später der Haftbefehl gegen den Ex-Geschäftsführer vollstreckt. Das Unternehmen ging schließlich in die Insolvenz.

Insolvenzverwalter Renald Metoja hatte in dem Prozess die Dimension erläutert. Er sprach von mehr als 7000 Gläubigern mit berechtigten und geprüften Forderungen von 140 Millionen Euro. Aus den Vermögenswerten wurde den Anlegern im Insolvenzverfahren ein kleiner Teil ihrer Ansprüche rückerstattet. dpa

Auch interessant

Kommentare