Taschendiebe

Polizei erklärt Methoden der Langfinger im Weihnachtsgetümmel 

Sie nutzen das Gedränge auf Weihnachtsmärkten und Einkaufsstraßen aus. Meist schlagen sie organisiert zu: Taschendiebe verursachen Millionen-Schäden. Wenn sich die Menschen auf Shopping-Tour fürs Fest begeben, ist Hochsaison. Die Polizei verrät Tricks der Diebe.

Vorsicht Falle: Die hessische Polizei warnt vor Langfingern auf Weihnachtsmärkten und im Einkaufstrubel der Adventszeit. "Leider ziehen diese Menschenansammlungen auch Taschendiebe besonders an. Das unübersichtliche Gedränge zwischen den Marktständen bietet ihnen gute Gelegenheit, unbemerkt zuzuschlagen", teilten die Beamten mit.

Laut der Kriminalstatistik wurden im vergangenen Jahr in Deutschland insgesamt 127 376 Taschendiebstähle angezeigt. Dabei entstand ein Schaden von 41,3 Millionen Euro. In Hessen summierte sich der Vermögensschaden auf 1,3 Millionen Euro. Dabei ist die Zahl der Taschendiebstähle zuletzt deutlich zurückgegangen, wie das hessische Innenministerium mitteilte. 2017 wurden 7638 Fälle regstiert. Das bedeutete im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang um 1893 Fälle oder auch 24,8 Prozent auf 5745 Fälle.

Einer lenkt ab, einer klaut, einer flüchtet

Professionelle Täter gehen arbeitsteilig vor, wie die Polizei einschätzt. "Die Taschendiebe suchen ganz gezielt die Enge auf den Märkten. Einer lenkt dann das Opfer ab, der Zweite stiehlt die Beute und ein Dritter nimmt das Diebesgut an sich und entschwindet damit im Gedränge", erklärt Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention. Innerhalb weniger Sekunden sind auf diese Art Brieftasche, Handy oder Kreditkarten verschwunden. Die Diebe seien meist nur schwer ausfindig zu machen, wenn sie nicht gerade auf frischer Tat ertappt werden. Erschwerend kommt hinzu: Die Opfer bemerken den Verlust häufig erst später und können darum auch keinen Täter beschreiben.

In Mode bei den Langfingern ist der sogenannte Drängel-Trick: Ein Dieb kommt dem Opfer besonders nah, bis es sich ärgerlich abwendet und dadurch eine umgehängte Tasche oder die in der Manteltasche befindliche Geldbörse quasi "griffbereit" anbietet. Eine weitere immer wieder erfolgreiche Masche der Diebe: Die Kleidung des Opfers angeblich versehentlich mit Ketchup, Senf oder einer Flüssigkeit zu beschmutzen, um durch den anschließenden Versuch beim Reinigen behilflich zu sein, vom Diebstahl der Wertsachen abzulenken.

Nach Angaben der Polizei lassen sich Taschendiebe auf den Märkten schon am typisch suchenden Blick erkennen. Sie meiden den direkten Blickkontakt zum Opfer und schauen eher nach der Beute, wie etwa der Hand- oder Umhängetasche.

Wertgegenstände in Innentaschen packen

Die Präventionsexperten der Polizei raten Weihnachtsmarkt-Besuchern: Nur soviel Geld und Zahlungskarten mitnehmen, wie tatsächlich benötigt wird. Nach Möglichkeit sollten Geld, Karten und andere Wertgegenstände in verschiedenen und vor allem verschlossenen Innentaschen der Kleidung möglichst dicht am Körper getragen werden. Hand- und Umhängetaschen sollten immer mit der Verschlussseite am Körper getragen werden. Misstrauisch sollten Weihnachtsmarkt-Besucher werden, wenn sie plötzlich angerempelt oder dich bedrängt werden.

Der starke Rückgang bei den Taschendiebstählen im Land ist nach Angaben des hessischen Innenministeriums vor allem in Frankfurt zu suchen. Allein im Bereich des Polizeipräsidiums seien dort 1283 Fälle weniger registriert worden. Das sind 36 Prozent weniger als im Jahr 2016. Die Polizei-Arbeit habe sich vor allem am Hauptbahnhof und der Frankfurter Messe bemerkbar gemacht. Das habe potenzielle Taschen- und Trickdiebe dauerhaft abgeschreckt.

Diebstahl wird laut Strafgesetzbuch mit einer Geldstrafe oder einer Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet. Von den bundesweit mehr als 6900 Tatverdächtigen waren im Jahr 2017 rund 1100 Kinder oder Jugendliche. Zwischen 2008 (rund 91 600 Fälle) und 2015 (rund 168 000 Fälle) wurde ein schwunghafter Anstieg registriert. Seither fallen die Zahlen wieder, wie das Bundeskriminalamt in Wiesbaden mitteilte.

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