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Anja Gockel in ihrem Laden in Mainz. Hier verkauft sie ihre Kreationen.

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Preisgekrönte Designerin: Anja Gockels Mode wird in der ganzen Welt getragen

Anja Gockel ist eine preisgekrönte deutsche Modedesignerin aus Mainz. 20 Jahre lang hat sie ihr Label international erfolgreich aufgebaut. Ein Weg, der viel Kraft gekostet hat – ihre Kreativität und ihre Vision jedoch gestärkt hat.

Ihre Kleidungsstücke leuchten in kräftigen Farben, gerade hat sie auf einer Modenschau ihre derzeitige Kollektion präsentiert. Die Schnitte: geradlinig, klassisch fast, voller Kraft und Ausdrucksstärke. „Ich will keine Theaterkollektion machen“, sagt Anja Gockel, „ich will die selbstbewusste Frau von heute anziehen, die ihren Weg geht, möglichst mit Familie.“

„Phenomenal Woman“ lautet das Motto der aktuellen Kollektion von Anja Gockel, Mode für „Phänomenale Frauen“ will die Mainzer Designerin machen. „Mein Vorbild? Rei Kawakubo mit ihrer Modelinie Comme des Garçons“, sagt Gockel, und lacht: „Eine Japanerin, eine verrückte Frau mit ganz eigenen Konzepten, die hoch künstlerisch sind, die es trotzdem schafft, wirtschaftlich am Leben zu bleiben. So wollte ich auch immer sein.“ Mode sei angewandte Kunst, sagt Gockel, „ich will über die Mode wie ein Maler seine Vision ausdrücken.“

Unabhängig, eigenständig und ein bisschen verrückt, das passt zu Anja Gockel. 1968 wird sie in Mainz geboren, seit 20 Jahren leitet sie nun von Mainz aus eines der am meisten beachteten Modelabels in Deutschland mit Schauen in Mailand, Paris und London, sowie 2004 einer für die Queen of England bei deren Staatsbesuch in Düsseldorf. Heidi Klum arbeitete sieben Jahre lang regelmäßig für Germany’s Next Topmodel (GNTM) mit Anja Gockel zusammen. Sie heimste Preise und Auszeichnungen ein, Promis wie die Schauspielerin Gwyneth Paltrow oder die Königin von Schweden tragen ihre Mode, 2017 wurde sie „Designerin des Jahres“.

„Mein Mann ist eigentlich schuld, dass ich mein eigenes Label aufgebaut habe“, erzählt Gockel. Ihr Mann ist Kulturredakteur beim Südwestrundfunk in Mainz, 1995 wollte er einen Film über die junge Designerin machen, doch Gockel hatte gar keine eigene Kreation. In London, bei Stardesignerin Vivianne Westwood arbeitete sie zu dem Zeitpunkt, der Anruf löste eine Zäsur aus: „Ich habe mir gesagt, wenn nicht jetzt, wann dann, einmal musst du es probiert haben“, erzählt Gockel.

Sie „kratzte alles zusammen, was ich vorher verdient hatte“ und mietete in Paris einen Showroom. „Ich bin wahnsinnig bodenständig“, sagt sie, und lacht, „aber wenn ich was mache, mache ich es richtig.“ Also musste es Paris sein, Gockel präsentierte Mode aus gekochter Wolle, die sie in der Badewanne ihrer WG gewalkt hatte. Vier Tage lang verkaufte sie nichts, dann stand ein Italiener im Laden, drei Japaner im Schlepptau – und ihre Kollektion war verkauft.

Geld für Models oder Marketing hatte sie nicht, also holte sie sich junge Frauen von der Straße, und hielt ihre Modenschau auf den Champs Elisée in Paris – morgens um fünf. Julianna, Finalistin der jüngsten GNTM-Staffel „habe ich beim Bretzel Ditsch in der Römerpassage gefunden“, erzählt Gockel lachend. „Ich bin in Vieles so reingestolpert.“

Aus einer Medizinerfamilie kommt sie, in Amerika studierte Gockel ein Semester lang Englische Literatur und Kunst am Dartmouth College nahe Boston. Doch sie ergatterte einen Studienplatz an der Fachhochschule Hamburg für Modedesign, und danach einen an der berühmten Central Saint Martins Designschule in London – Louise Wilson schuf eigens für sie einen elften Platz.

„Der Alchimist“ sei eines ihrer Lieblingsbücher, darin gehe es um „eine Tür, die aufgeht, wo man den Mut hat durchzugehen“, erzählt Gockel: „Das ist meine Lebenseinstellung, ich sehe diese Tür und glaube fest daran, dass das genau für mich gemacht ist.“ 2017 veranstaltete sie ihre Modenschau im Rahmen der Berliner Fashion Week im Hotel Adlon, als erste Designerin in der 110-jährigen Geschichte des Luxushotels. „Mein größter Erfolg“, sagt Gockel; inzwischen hat sie einen Zweijahresvertrag mit dem Adlon. 2012 eröffnete sie ihren ersten Anja Gockel-Shop in Mainz, 2015 kam der Flagship Store in Köln hinzu, der prompt zu einem der 50 schönsten Stores weltweit gekürt wurde. – Vier Kinder hat sie heute mit ihrem Mann, dem Kulturredakteur, „zwei eigene und zwei geschenkte“ ihres Mannes, sagt sie. Beruf und Kinder, das sei nie ein Widerspruch gewesen: „Es ergänzt sich.“ Ihre Kollektionen benennt sie immer nach starken Frauen, dieses Mal ist es die afro-amerikanische Bürgerrechtlerin und Lyrikerin Maya Angelou. „Hübsche Frauen wundern sich, wo mein Geheimnis liegt“, heißt es in deren Gedicht: „Ich bin eine Frau, phänomenal. Phänomenale Frau, das bin ich.“

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