Parteien

Protest in Büdingen bei Bundeskongress der AfD-Jugend

Als „enthemmt autoritär und offen rassistisch“ bezeichnete ein Demo-Redner am Samstagmittag vor der Stadthalle die darin tagenden Nachwuchsleute der AfD. Draußen standen 125 Protestierer des Büdinger Bündnisses für Demokratie und Vielfalt. Drinnen kürten 365 Delegierte einen neuen Bundesvorsitzenden – der gleich vom Leder zog.

Die „Bunt-statt-braun“- Demonstranten des Büdinger Bündnisses drehten beide Megafone auf volle Lautstärke. So konnten die 50 Meter entfernten Teilnehmer des sechsten Bundeskongresses der „Jungen Alternative“ (JA) deutlich die „Nazis raus“- Rufe hören. Amüsiert hielten die meist in Anzügen gekleideten jungen Männer eine Deutschlandfahne hoch und zeigten den Antifa-Leuten, den Grünen, Sozialdemokraten und den vor einem Rechtsruck warnenden Bürgern die Stinkefinger. „Ihr könnt nach Hause gehen!“ grölte man von der Halle her. Und sang die Nationalhymne.

Die Verharmlosung von NS-Gräueltaten dürfe man nicht hinnehmen, sagte draußen die Erste Stadträtin Henrike Strauch. Nach Ansicht des Grünen-Landratskandidaten Thomas Zebunke liebäugelt die AfD offen mit der NPD. Menschen, die keine „deutschen“ Merkmale zeigten, würden systematisch abgewertet. Gegen Hetze und Verächter des demokratischen Pluralismus müsse man klare Kante zeigen, sagte die SPD-Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl.

Im Saal ging die AfD-Jugend derweil zur Sache. Sie wählte einen neuen Bundesvorsitzenden für die rund 1700 Mitglieder zählende Organisation. Am Ende wurde der 24-jährige Mainzer Wirtschaftsstudent Damian Lohr zu Alexander Gaulands Ansprechpartner für die Parteijugend. Er ist schon Landtagsabgeordneter und Vorsitzender der „Jungen Alternative“ in Rheinland-Pfalz. Im Bund habe sie Probleme, sagte Lohr in einer Bewerbungsrede. „Wir brauchen eine Geschäftsstelle und eine schlagkräftige Verwaltung“. Und: „Es kann nicht sein, dass es keine Mitgliedsausweise gibt. Und dass Antragsteller sechs Monate warten müssen, bis ihr Aufnahmeantrag entschieden ist.“ Die „Junge Alternative“ habe nicht mal ein computerisiertes Inkasso-System für die jährlichen Mitgliedsbeiträge in Höhe von 18 Euro.

Politisch blies er zum Angriff: „Klein Kevin und seine Rasselbande können sich warm anziehen“, rief Lohr mit Blick auf die Jungsozialisten. Die „Junge Alternative“ müsse mit ihrer Selbstbeschäftigung aufhören und zum „Alptraum der Altparteien“ werden. „Wir müssen mit klugen Provokationen auf die Straße gehen – laut brüllen reicht nicht aus.“ [...]

Das wirkte noch gemäßigt, wenn man zuvor der Bewerbungsrede seines Konkurrenten Raimond Hoffmann zuhörte. „Ich wollte eigentlich immer Deutschland retten“, sagte der mit Anzug, Glatzkopf und Vollbart auftretende Politikberater der baden-württembergischen AfD-Landtagsfraktion. Er werde mit Crowdfunding Geld beschaffen, mit Drohnen-Videos von Paintball (einem Ballerspiel mit Farbkugeln) und tollen Aktionen die „Junge Alternative“ als „coole Jungs und Mädels“ darstellen. Zehntausend Mitglieder wolle er versammeln und mit libertären und nationalkonservativen Kräften zu einer „schlagkräftigen Truppe“ formen.“ Sie brauche einen „gemeinsamen Geist“, so Hoffmann. Denn noch seien „zu viele von uns an Positionen und Fortkommen interessiert“. Also der eigenen Karriere in einer aufstrebenden Partei verpflichtet.

Anmerkung der Redaktion:

Dieser Artikel wurde am 26.2.2018 aktualisiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare