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So wie auf dieser Simulation könnten die Radschnellwege im Rhein-Main-Gebiet auch einmal aussehen: Vier Meter breit, Mittelstreifen, Straßenasphalt.

Verkehr

Radschnellwege: Baubeginn noch in diesem Jahr

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Die Vorbereitungen laufen bereits beim Regionalverband: Noch in diesem Jahr soll der Bau des Radschnellwegs zwischen Frankfurt und Darmstadt beginne. Das Projekt hat Modellcharakter für die gesamte Region.

In Darmstadt fällt der Startschuss. Die Wissenschaftsstadt beginnt als erste Kommune mit dem Ausbau des seit mehreren Jahren geplanten ersten Radschnellwegs in Hessen. Der Darmstädter Magistrat hat der Streckenführung durch das Stadtgebiet kürzlich zugestimmt und die finanziellen Mittel zur Realisierung des ersten Abschnitts der Autobahn für Radler freigegeben. Noch in diesem Jahr soll gebaut werden, fertiggestellt werden soll die Expressverbindung mit einer Länge von gut 30 Kilometern 2022. Sie wird dann sieben Kommunen miteinander verbinden – Frankfurt, Neu-Isenburg, Dreieich, Langen, Egelsbach, Erzhausen, Darmstadt.

Für Birgit Simon, Erste Beigeordnete des Regionalverbands Frankfurt Rhein-Main hat das Projekt gleich aus mehreren Gründen Modellcharakter. „Nicht nur wird das der erste Radschnellweg Hessens. Dahinter steht eine neue Form der Planung, das ist wegweisend“, so Simon. Im Regionalverband laufen die Fäden der Vorbereitungen für das Projekt zusammen – ohne dass die einzelnen Kommunen dabei ihre jeweiligen Hoheitsrechte aufgeben. Und auch Fördergelder können gemeinsam beantragt werden.“ Im Fall der neuen Rad-Direktverbindung zwischen Wissenschaftsstadt und Finanzmetropole sollen dies etwa 80 Prozent der Baukosten in Höhe von 8,5 Millionen Euro sein. Das hessische Wirtschafts- und Verkehrsministerium bezuschusst das Projekt.

Der Radschnellweg zwischen Frankfurt und Darmstadt soll – so die Vision – nur einer erster Schritt in Richtung einer neuen Mobilitätsstrategie für den Ballungsraum sein. Ziel ist es, möglichst viele Pendler zum Umstieg von öffentlichem Nahverkehr oder Auto auf das Rad zu überzeugen. „Das sind jetzt schon hoch belastete Systeme“, sagt Simon. Alle Prognosen gehen davon aus, dass der Ballungsraum weiter wachsen wird, die Einwohnerzahlen weiter steigen.

Wohl rund etwa zehn Prozent der Pendler sind in Frankfurt und dem Umland derzeit mit dem Rad unterwegs. Alleine entlang des Schnellradwegs zwischen Frankfurt und Darmstadt könnten nach den Zahlen des Regionalverbands rund 44 000 Pendler künftig auf den Drahtesel steigen, anstatt sich hinter Lenkrad oder in eine Bahn zu setzen.

Darüber hinaus wolle der Regionalverband aber auch ein anderes Bewusstsein in Sachen Mobilität schaffen. „Wir erhoffen uns, dass auch dank der Radschnellwege künftig mehr Kinder und Jugendliche mit dem Rad unterwegs sein werden.“ Schließlich gelte auf den Strecken ein hoher Sicherheitsstandard. Bleiben soll es bei der einen Verbindung im Rhein-Main-Gebiet nicht. „Wir haben vorausschauend geprüft, welche Korridore sich noch anbieten, welche im Hinblick auf die Pendlerströme besonders interessant sind“, erklärt Simon.

Neben der Verbindung Frankfurt–Darmstadt ist das etwa die Achse Hanau–Frankfurt. 2016 wurde von den beteiligten Kommunen eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet, Mitte vergangenen Jahres wurde die Bevölkerung in die weiteren Planungen mittels einer Online-Plattform eingebunden. „Da sind wir bei den Prüfungen im Schlussspurt“, sagt Simon. Konkret in Planung ist darüber hinaus eine schnelle Radverbindung von Frankfurt zum Flughafen. Und auch im Vordertaunus gibt es konkrete Überlegungen für eine Radroute in die Mainmetropole. In Frankfurter Ortsbeiräten gab es sogar bereits Anträge zur Streckenführung.

Die langfristigen Überlegungen legen weitere Radschnellwege nahe, die einzelne Kommunen miteinander verbinden könnten. „Eine Verbindung nach Mainz wäre zum Beispiel auch sehr interessant. Und der Regionalverband Rhein-Neckar ist schon an uns herangetreten, um über eine mögliche Verlängerung der Achse Frankfurt-Darmstadt in Richtung Heidelberg und Mannheim zu sprechen“, berichtet Simon. Doch erst einmal soll das Pilotprojekt zwischen Darmstadt und Frankfurt richtig anlaufen. „Das ist ein lernendes System. Wir werden mit jedem Radweg schneller“, sagt Simon. Die konkrete Umsetzung der Ideen wird von der Regionalpark RheinMain Südwest gGmbH verantwortet. Deren Geschäftsführer ist der Kelsterbacher Bürgermeister Manfred Ockel (SPD). „Die grundsätzlichen Absprachen wurden inzwischen mit allen Kommunen getroffen, das ist vom Tisch“, sagt Ockel. – In Frankfurt gab und gibt es allerdings durchaus noch Klärungsbedarf, was Detailfragen angeht. Kritik wurde zuletzt etwa an der Wegeführung durch den Frankfurter Stadtwald laut, auch in Sachen Belag des Radschnellwegs und Beleuchtung waren noch Absprachen zu treffen. Bei der Beleuchtung will Ockel neue Wege gehen. Laternen seien nicht überall sinnvoll und machbar, deshalb werden Alternativen ausprobiert. „Wir wollen noch in diesem Frühjahr eine Teststrecke mit unterschiedlichen Fahrbahnbelägen und Markierungen ausstatten, die im Dunkeln leuchten. Dann können die Radler es ausprobieren und wir bekommen ein Bild der Vor- und Nachteile.“ Etwas Zeit bleibt noch, bis die letzten Details geklärt sein müssen und vor allem, bis in Frankfurt die Bagger rollen. Schließlich geht es im kommenden Herbst nun erst einmal zwischen Egelsbach und Wixhausen los.

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