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Ausgestopfte Raubtierköpfe, die beschlagnahmt wurden, liegen in der Asservatenkammer des Regierungspräsidiums Darmstadt.

Asservatenkammer

Regierungspräsidium lässt 500 Kilo aus Beschlagnahmungen vernichten

Wenn die Herkunft der Elfenbeinskulptur oder der Kroko-Geldbörse nicht belegt werden kann, dürfen sie auch nicht verkauft werden. Sie werden beschlagnahmt – und vernichtet.

Die Krokodilhaut ist mindestens 2,50 Meter lang und so schwer, dass sie zwei Erwachsene kaum tragen können. Sie gehört zu den Asservaten aus illegalem Handel mit geschützten Tierarten, die seit Jahren in der „Kammer des Schreckens“ im Regierungspräsidium (RP) in Darmstadt lagern. In dem Kellerraum finden sich zahlreiche Elfenbeinschnitzereien, Elefantenstoßzähne, ausgestopfte Krokodile, Pelze, Elefantenfüße, Schildkrötenpanzer sowie Kroko- und Schlangenledertaschen. Rund 500 Kilogramm solcher Gegenstände sind gestern zur Müllverbrennungsanlage gebracht worden.

Die öffentlichkeitswirksame Zerstörung der alten Bestände aus illegalem Handel solle zeigen, dass die Verstöße gegen den internationalen Artenschutz geahndet würden, sagte Umweltministerin Priska Hinz (Grüne). Schätzungen gingen davon aus, dass derzeit in Afrika mehr Elefanten getötet als geboren würden, und der Internet-Handel mit Elfenbein boome. Dabei könne ähnlich viel Geld verdient werden wie mit Waffen, sagen Fachleute.

„Tonnenweise beschlagnahmtes Elfenbein lagert weltweit in staatlichen Archiven“, sagte Daniela Freyer von der Artenschutzorganisation Pro Wildlife. „Die Lagerbestände wecken Begehrlichkeiten, halten die Nachfrage am Leben, befeuern Diebstähle, Korruption und Spekulation.“ Viele Regierungen setzten deshalb mit öffentlichen Zerstörungen ein Zeichen gegen Elfenbeinhandel und Wilderei – die Bundesregierung allerdings noch nicht, kritisierte Freyer.

Geschätzt beschlagnahme das RP Darmstadt jedes Jahr 20 Kilo solcher Gegenstände, sagte der zuständige Sachbearbeiter Volker Geißler. Die Menge sei seit Jahren mehr oder weniger gleichbleibend. Die Elfenbeinbüsten, Krokogürtel und Waranhäute stammen aber nicht vom Flughafen. „Schmuggel ist Sache des Zolls“, sagte Geißler. Das Hauptzollamt am Flughafen leitet die beschlagnahmten Gegenstände an eine zentrale Verwertungsstelle in Bad Hersfeld weiter. 13 339 Exemplare aus Verstößen gegen den Artenschutz wurden am Flughafen 2017 sichergestellt, darunter auch fast 1700 lebende Tiere und gut 2000 lebende Pflanzen.

Die RP-Mitarbeiter stoßen dagegen durch Recherche im Internet und Anzeigen, auf Flohmärkten und gelegentlich auch in Antiquariaten auf Menschen, die solche Produkte ohne Genehmigung und Papiere verkaufen wollen. Manchmal meldet sich auch ein Nachbar oder eine enttäuschte Liebe und gibt einen Hinweis. Gewerberäume dürften die RP-Mitarbeiter betreten, bei Privaträumen bräuchten sie einen Durchsuchungsbeschluss, sagt Geißler. Und: „Die Erbengeneration findet so was auch mal auf dem Wohnzimmerschrank.“ Wer nicht genau belegen kann, woher der Gegenstand stammt, darf ihn auch nicht verkaufen. Das Krokodil etwa sei ein Ausstellungsstück eines Reptilienlederverkäufers gewesen. Woher er dies hatte, habe er aber nicht belegen können.

Bei den Regierungspräsidien in Gießen und Kassel lagern auch solche sichergestellte Produkte. Allerdings seien es längst nicht so viele wie im dicht besiedelten Ballungsraum Rhein-Main mit dem internationalen Flughafen. Die Nähe zur Elfenbeinverarbeitung im Odenwald, zur Lederwarenindustrie in Offenbach und den Pelzwaren in Frankfurt begünstige das Aufkommen im Ballungsraum wohl ebenfalls, heißt es in Gießen.

„Diese Gegenstände dienen gelegentlich als Anschauungsmaterial bei Ausstellungen“, sagt der Sprecher des RP Gießen, Oliver Kessler. „Wir haben vor einiger Zeit auch Gegenstände ausgesondert, die in einem schlechten Zustand waren und haben diese vernichtet. Regelmäßige Vernichtungsaktionen gibt es bei uns nicht.“ Das RP Kassel hat auch eine Asservatenkammer. „Sie ist aber noch nicht voll“, sagte RP-Sprecher Harald Merz.

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