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Ralf Giese und Martin Daume werden Montag (02.10.) in Frankfurt heiraten.

Ehe für alle

Reiner Zufall: Frankfurter Paar schließt Hessens erste Homo-Ehe

Der Termin für die "Verpartnerung" war schon bestellt, dann beschloss der Bundestag die "Ehe für all". Ein "schöner Zufall" sorgte dafür, dass Martin Daume und Ralf Giese sich am Montag als erstes schwules Paar im Frankfurter Römer das Ja-Wort geben können.

Es gibt schwule und lesbische Paare, die haben Jahre oder Jahrzehnte gekämpft, um mit der "Ehe für alle" endlich Gleichberechtigung mit Hetero-Paaren zu erhalten. So ein Paar sind Martin Daume und Ralf Giese nicht. Doch am Montag sind die beiden Männer aus Frankfurt wohl das erste homosexuelle Paar, das sich in Hessen nach Inkrafttreten der Ehe für alle im Frankfurter Römer das Ja-Wort geben wird.

"Wir hatten uns schon Anfang Juni zur Verpartnerung angemeldet", erzählt Daume. Aus familiären Gründen musste der Termin vom ursprünglich geplanten 29. September auf den 2. Oktober verschoben werden – und dann war es plötzlich da, das Ergebnis der Bundestagsabstimmung über die Ehe für alle.

"Für uns ein wunderschöner Zufall", strahlt Giese. Denn da das Aufgebot für die Verpartnerung bereits für Montagmorgen bestellt war, befand sich das Paar plötzlich auf Platz eins der Liste homosexueller Paare, die nun auch vor dem Gesetz gleichberechtigt heiraten dürfen.

Ein bisschen Nervosität angesichts der Geschichtsträchtigkeit des Moments ist durchaus spürbar. Als Galionsfiguren der Schwulenbewegung haben sich der Psychologe und der Fachkrankenpfleger bisher ja eher nicht gesehen. "Wir sind eigentlich total unpolitisch und wollten gar keinen großen Medienzirkus um unsere Hochzeit", betont Giese. "Aber Freunde haben uns ins Gewissen geredet und gesagt: Wenn ihr das macht, steht auch dafür. Ihr steht für die politische Arbeit aus 25 Jahren."

"Endlich Ja!", schrieb auch der Lesben- und Schwulenverband Deutschlands am Freitag zur Ehe für alle über den anstehenden historischen Tag "sowohl für Lesben und Schwule als auch für ein gerechteres und demokratischeres Deutschland."

Wird am Montag demonstrativ die Regenbogenflagge am Römer gehisst? "Hoffentlich nicht!" murmelt Daume. Sollte die Standesbeamtin versehentlich die beiden zu "Mann und Frau" erklären, werde darüber lachend hinweggegangen – das sei halt für alle Beteiligten noch neu. Die Software der Personenstandregister sei schließlich auch noch nicht auf die Heirat von zwei Männern oder zwei Frauen eingestellt – da würden vorläufig noch immer Ehemann und Ehefrau eingetragen.

Auch wenn Daume und Giese zunächst davon ausgegangen waren, dass sie sich "nur" verpartnern können, hätten sie "immer nur von Hochzeit gesprochen und vom Heiraten", betont Giese. "An den Gefühlen ändert der Begriff ja nichts, in keinster Weise."

"Es ist natürlich ein schönes Gefühl, dass man jetzt ganz gleichgestellt ist, nicht nur irgendwie angeglichen an die Ehe zwischen Mann und Frau", fügt Daume hinzu. Romantischer sei es auf jeden Fall: "Es sagt doch kein Mensch: willst du mich verpartnern?" Da klinge "Willst Du mich heiraten?" einfach viel schöner.

Ein rauschendes Fest ist nach der standesamtlichen Trauung am Montag nicht geplant. Ein gemeinsames Frühstück mit knapp 40 Freunden soll es geben, erzählt Daume, der für seinen Mann blonde Strähnchen aufgab und nun zu natürlichem Grau steht. Ein besonderer und einmaliger Tag sei der Montag aber auf jeden Fall. "Das liegt natürlich vor allem an dem Mann", lächelt Giese und blickt seinem Verlobten tief in die Augen. "Der ist ja der Anlass dafür."

Verlieben, verloben, heiraten – bei Daume und Giese ging das ganz schnell. "Wir kennen uns seit Mai und haben nach einer Woche beschlossen, dass wir heiraten", sagt Daume. Dieses Gefühl des Zusammengehörens hätten beide in vorherigen Beziehungen auch nach Jahren nicht gehabt. "Das ist für den Rest des Lebens", ist Daume überzeugt, und Giese sagt: "Fünf Minuten haben ausgereicht, um zu wissen, dass wir gemeinsam eine Zukunft haben."

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