Laut einer neuen Umfrage könnten die Zahlen des RKI bezüglich der Impfungen gegen Corona erheblich falsch sein.
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Laut einer neuen Umfrage könnten die Zahlen des RKI bezüglich der Impfungen gegen Corona erheblich falsch sein.

Falsche Impfquote

Hat das RKI geschlampt? Zweifel an Zahlen bei Erstimpfungen

  • Teresa Toth
    VonTeresa Toth
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Das RKI gilt als eine der wichtigsten Datenquellen, um die Corona-Lage in Deutschland einzuschätzen. Laut einer neuen Umfrage könnten Werte bezüglich des Impfstatus jedoch gravierend falsch sein.

Frankfurt – Auf den Daten des RKI beruhen wichtige politische Entscheidungen zur Bekämpfung des Coronavirus. Doch die Hinweise verdichten sich, dass Zahlen des Instituts nicht so zuverlässig sind, wie zunächst angenommen. So zeigt eine neue Umfrage von Infratest dimap in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), dass die RKI-Statistik über Erstimpfungen gegen das Virus falsch sein muss.

Das RKI erfasst den Impfstatus mittels eine Impfquotenmonitorings. Das bedeutet, dass sie Daten über durchgeführte Impfungen von Impfzentren, Kliniken und mobilen Impfteams erhalten. Um diese Daten zu überprüfen, befragten Infratest dimap und das DIW 1820 über 18-jährigen Wahlberechtigten in Deutschland, ob sie bereits eine Impfung erhielten. Der daraus ermittelte Wert der Impfrate liegt 16 Prozentpunkte höher, als die Statistik des RKI.

Impfung gegen Corona: „Corona Compass“ ermittelt deutlich höhere Zahl als RKI

Laut dieser liegt die aktuelle Erstimpfungsquote der betreffenden Altersgruppe nur bei 59 Prozent. Bei der Auswertung des so genannten „Corona Compass“ konnte jedoch festgestellt werden, dass 75 Prozent angaben, bis zum 13. Juli erstgeimpft zu sein. Das RKI scheint die Impfrate somit deutlich zu unterschätzen. Um die eigenen zahlen des Impfquotenmonitorings gegenzuprüfen, führte am Mittwoch (11.08.2021) auch das RKI selbst eine Umfrage durch.

Hier gaben sogar 79 Prozent an, dass sie bereits die Impfung gegen Covid-19 erhielten. „Dies weist darauf hin, dass die tatsächliche Impfquote deutlich höher liegt, als die Statistik ausweist“, so der DIW-Forscher Mathias Huebener gegenüber dem Spiegel. Das würde bedeuten, dass rund fünf Millionen Menschen mehr erstimmunisiert sind, als derzeit angenommen wird. Große Verzerrungen durch Falschangaben bei der Umfrage „Corona Compass“ hält der Forscher für unwahrscheinlich.

RKI: Falsche Angaben zur Impfung bei Umfrage „Corona Compass“ unwahrscheinlich

Dadurch, dass die Befragung anonym und online durchgeführt wurde, gäbe es kaum Anlass zu lügen. Wie aus der Umfrage Infratest dimap und DIW ebenfalls entnommen werden konnte, hängt die Zahl der Erstimpfungen mit dem Bildungsgrad zusammen: Mitte Juli waren 81 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Abiturienten geimpft und nur 62 Prozent mit Volks- oder Hauptschulabschluss. Wie viele ungeimpfte Personen sich doch noch umentscheiden, ist nicht sicher. In der Umfrage erklärten 44 Prozent von ihnen, sie würden sich auf keinen Fall impfen lassen.

Auch Kinder ab 12 Jahren können sich inzwischen gegen Covid-19 impfen lassen – das haben die Gesundheitsminister von Bund und Ländern beschlossen. Die Entscheidung gilt als umstritten.* (tt) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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