Andrea Leyer (im bunten Kleid in der Mitte) übt mit den Teilnehmern einfache Schritte und Bewegungen im Rhythmus zur Musik. Foto: Kreuzer

Senioren die Angst nehmen

Die mit dem Rollator tanzen: Wer macht noch mit?

Die Seniorennachbarschaftshilfe in Hofheim bietet einen ungewöhnlichen Kurs an. Er soll den Menschen die Furcht vor der Gehhilfe nehmen, denn ein Rollator ist eine segensreiche Erfindung.

Noch stehen sie etwas verschämt im Abseits - die Rollatoren, um die sich gleich alles beziehungsweise alle drehen sollen. Denn Andrea Leyer will bei den Teilnehmern dieses ungewöhnlichen Kurses behutsam Hemmschwellen abbauen: "Jede Altersgruppe soll sich angesprochen fühlen, also sowohl Personen, die bereits einen Rollator nutzen, als auch diejenigen, die sich damit erstmal bekanntmachen wollen und vielleicht selber noch gar keinen haben." Immerhin vier Interessenten - drei weitere hatten wegen der Hitze abgesagt - sind zu der Schnupperstunde "Rollatortanz" ins Kellereigebäude gekommen. Die 77-jährige Edith erzählt, dass ihre Tochter dies für eine gute Idee hielt und ihr den Kurs geschenkt hat. Nun lässt sie sich gemeinsam mit ihrem Mann von der Übungsleiterin an das Thema heranführen.

Schnupperstunde für Rollatorentanz: Senioren mit der Gehhilfe vertraut machen

"Alle wollen alt werden, aber niemand will alt sein", kann Leyer die Berührungsängste nachvollziehen. Sie arbeitet nebenberuflich als Tanzlehrerin und absolvierte 2017 die Ausbildung zur lizensierten Breitensporttrainerin C im Bereich Tanzen. "Dann stieß ich zufällig auf Rollatortanz, der in den Niederlanden entwickelt wurde, und fand dies zukunftsfähig", erklärt sie ihr Interesse. Inzwischen ist sie Fachtanzlehrerin im Rollatortanz im Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband (ADTV), der seit 2011 darin ausbildet: "Jetzt ist es mir ein Anliegen, die Freude an Bewegung und die damit im Zusammenhang stehende höhere Lebensqualität an die Menschen weiterzugeben, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind." Nicht zuletzt möchte sie den Rollator als positives Hilfsmittel näherbringen.

In den Niederlanden entwickelt: Rollatorentanz auch in Deutschland zukunftsfähig

Die 54-Jährige sieht den Rollatortanz, der ergänzend zum Sitztanz eine Lücke schließt, auch als wichtige Präventionsmaßnahme zur Sturzprophylaxe, da sowohl Kondition und Koordination als auch Balance und Gleichgewichtssinn trainiert würden. Gestartet wird mit einem "Warm up" im Sitzen und noch ohne das Hilfsmittel: Die Füße gehen im Takt zur Seite, die Arme über den Kopf und nach vorne, oder es wird im Takt geklatscht. Das eigentliche Tanzen mit dem Rollator dann ist eher ein "Gehen auf Musik". So laufen alle im Uhrzeigersinn zu den Grundschritten von Langsamem Walzer oder Slowfox. "Allerdings gibt es hier Luft nach oben, so dass auch richtige Kreis- oder Linientänze einstudiert werden können, genauso wie Drehungen", weiß Leyer. Je nachdem, wie gut die Teilnehmer zu Fuß sind oder tänzerische Erfahrungen haben, variiert der Schwierigkeitsgrad: "Im Vordergrund steht, dass alle mitkommen und Spaß an der Bewegung haben. Keiner soll das Gefühl haben, immer der Letzte zu sein. Daher achte ich darauf, dass ich jeden abholen kann."

Nutzung eines Rollators soll selbstverständlich werden

Partnerschaftlich abgeholt wurde sie selber von der Seniorennachbarschaftshilfe (SNH), die bereits ein Sicherheitstraining im Programm hatte, um für den Umgang mit dem Hilfsmittel zu schulen. "Als wir dann von Frau Leyers Idee für Rollatortanz hörten, passte das gut zu uns, und so bieten wir das nun als gemeinsames Projekt an", sagt Michael Breitenbach von der SNH. Ihm ist wichtig, dass die Nutzung eines Rollators generell selbstverständlicher wird. "Traurig ist, dass sich viele Senioren schämen, mit Rollator gesehen zu werden, und lieber mit einem - unauffälligeren - Stock rausgehen, obwohl ihr Bewegungsradius damit deutlich kleiner ist", beobachtet er.

Gleiches berichtet Andrea Leyer: "Oft wird der Rollator als ,Feind' betrachtet und ungern benutzt, da man damit nun endgültig ,alt' ist - oder zumindest so wahrgenommen werden könnte." Sie hofft, dass sie nicht zuletzt durch ihren Kurs einigen Leuten nahebringen kann, dass das vierrädrige Ding keine Angst machen muss, sondern etwas Gutes bewirken kann. 

Weitere Teilnehmer sind herzlich willkommen

Start des Rollatortanzkurses ist am 4. Juli und dann sechsmal, jeweils donnerstags von 15 bis 16 Uhr im Kellereigebäude, Burgstraße 28, Schönbornsaal. Die Teilnahme kostet 48 Euro, ein Rollator kann gestellt werden. Informationen und (verbindliche) Anmeldung bei Andrea Leyer, Telefon 01 72/162 48 49 oder andrea_leyer@web.de. 

skr

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