Pierre Vogel in Dietzenbach

Salafisten-Treffen sorgt für Misstrauen und Hysterie

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Am Wochenende traf sich der salafistische Hassprediger Pierre Vogel mit seinen Jüngern in Dietzenbach. Seither herrscht dort eine Mischung aus Misstrauen und Verunsicherung. Dabei deutet vieles darauf hin, dass Vogel das private Treffen bewusst inszenierte, um den aufkeimenden Dialog der Religionen zurückzuwerfen.

Seit der zum Islam konvertierte Hassprediger Pierre Vogel am Freitag mit einer Schar seiner Mitstreiter eine private Zusammenkunft in Dietzenbach abhielt, wird die Kreisstadt von Gerüchten und gegenseitigen Verdächtigungen erschüttert. Zunächst wurde gemutmaßt, Vogel habe die Räume der marokkanischen Tawhid-Moschee genutzt. Wenig später kamen Zweifel auf, ob die „Dawa“-Aktivisten überhaupt in Dietzenbach tagten (wir berichteten).

Diese Zweifel scheinen ausgeräumt, seit auf Vogels offizieller Facebook-Seite am Dienstag um 21 Uhr folgender Eintrag erschien: „Am Freitag war Pierre Vogel im privaten Dawa-Zentrum in Dietzenbach. Er hielt einige Vorträge und gab den Brüdern Ratschläge.“ Zudem seien weit mehr als die kolportierten 20 Teilnehmer zugegen gewesen: „Die Räumlichkeit platzte schon ohne Werbung aus allen Nähten (übrigens waren dort mehr als 20 Leute).“

Nach den Anschlägen auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ ist die Angst groß, dass sich nun auch in Dietzenbach ein radikalislamisches Netzwerk formiert. Der CDU-Stadtverordnete Guido Kaupat verfolgt die islamistische Szene seit Jahren mit großem Unbehagen. Im Internet entdeckte er vor gut einem Jahr ein Video, das den vermeintlichen belgischen Hassprediger Tarik Ibn Ali zeigt, wie er die marokkanische Moschee in Dietzenbach besucht und dort in einem Berber-Dialekt predigt. Er habe das Video an die Arbeitsgemeinschaft der Religionen in Dietzenbach weitergeleitet. Nachdem der interkonfessionelle Arbeitskreis die marokkanische Gemeinde damit konfrontierte, habe diese den Kontakt abgebrochen, „Ich denke, das Problem sind nicht die Muslime in Dietzenbach, sondern diejenigen, die ihren Verstand vergiften“, sagt Kaupat. Er glaube zwar nicht, dass Pierre Vogel die marokkanische Moschee besucht habe, vermutet dessen Unterstützer aber in deren Umfeld.

Auch Mohamed Oiadlizi, der Vorsitzende des Trägervereins der Tawhid-Moschee, ist entsetzt über Vogels Dietzenbach-Visite und das daraus resultierende mediale Echo: „Wir sind keine Radikalen. Pierre Vogel kann machen, was er will, aber nicht bei uns“, sagt Oiadlizi. Dass Tarik Ibn Ali die Moschee besuchte, sei korrekt. Dieser habe dort aber lediglich Parfüm verkauft. Gleichwohl komme ihm auch Ibn Ali nicht mehr ins Haus, weil er einen schlechten Ruf habe.

Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Religionen, Horst Schäfer, macht einen geknickten Eindruck. In Dietzenbach werde nicht das Abendland verteidigt, sagt der pensionierte Richter in Anspielung auf die Pegida-Demos in Dresden. „Pierre Vogel wollte mit seinem Besuch den Austausch zwischen Muslimen und Christen unterbrechen und die muslimischen Gemeinden in Dietzenbach spalten.“ Schäfer mutmaßt, dass Vogel Dietzenbach lediglich als Rückzugsort für sich und seine Getreuen nutze und die Mehrheit der Dietzenbacher Muslime damit in Misskredit bringe.

Die marokkanische Gemeinde habe nichts mit dem Hassprediger zu tun, sagt Schäfer. Deren missliche Außendarstellung sei vielmehr auf einen Streit mit der Stadt über die untersagte gewerbliche Nutzung eines neuen Gemeindezentrums zurückzuführen. Zudem sei Tarik Ibn Ali kein Hassprediger, sondern vielmehr ein durch die Lande ziehender Geistlicher, den kaum einer für voll nehme.

So unterschiedlich sie Pierre Vogels Besuch in Dietzenbach auch interpretieren: In einem sind sich Guido Kaupat, Mohamed Oiadlizi und Horst Schäfer einig: Vogel sei ein gefährlicher Spalter, den man von der Jugend fernhalten müsse.

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