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Schneeglätte-Warnschild an einer Straße

Vorbereitungen

Mit sauberen Schienen und vollen Salzlagern in den Winter

Der erste Frost ist da, auch geschneit hat es hier und da etwas. Gut, dass Bahn, Straßenmeistereien und Frankfurter Flughafen längst mit den Vorbereitungen auf die kalte Jahreszeit begonnen haben.

Die Reinigungsaktion bei der Deutschen Bahn beginnt mit einem Zischen und einer großen Dampfwolke. Unter dem gelben Waggon mit der Aufschrift "Schienenpflegesystem" spritzt ein Hochdruckreiniger Wasser auf das Gleis, um es vom Schmierfilm zu befreien, der sich jedes Jahr im Herbst bildet und die Züge bremst. An Bord ist Bahn-Mitarbeiter Frank Melzow. Über zwei Bildschirme überprüft er von seinem Führerstand aus die Arbeit des Hochdruckreinigers. Besonders im Visier hat er Waldgebiete und Steigungsstrecken, wie er berichtet.

Der Schmierfilm besteht aus Feinstaub, Laubresten und Abrieb, der beim Bremsen entstehe, erzählt Markus Schubert von der DB Netz AG. Mehr als 300 Kilometer Schiene schafft einer der bundesweit insgesamt sechs Reinigungs-Kurzzüge in 24 Stunden. 60 Tage dauert die Aktion. Das Ziel: ein stabiler Verkehr und Fahrpläne, die eingehalten werden.

Um dies auch trotz etwaiger Herbststürme und Schneemassen zu gewährleisten, laufen bei der Bahn seit Monaten zahlreiche weitere Vorbereitungen: Bereitschaftspläne wurden geschrieben, Verträge mit Räumfirmen geschlossen, Streugut wurde angeschafft. Umsturzgefährdete Bäume neben den Gleisen wurden identifiziert und entfernt - im Januar musste erstmals seit 2007 bundesweit der Fernverkehr eingestellt werden, weil Orkantief "Friederike" reihenweise Bäume umknicken ließ.

Das Wetter sei ein Stück weit unberechenbarer geworden, sagt Schubert. Mithilfe immer regionalerer Vorhersagen versuche die Bahn, darauf zu reagieren. Nach jedem Winter gebe es eine Nachbetrachtung, um Konsequenzen zu ziehen. Auch frühzeitige Planung soll beitragen. Derzeit werde bereits der voraussichtliche Personaleinsatz für den Winter 2019/2020 vorbereitet. Rund 33 500 Kilometer umfasst das Schienennetz in Deutschland. Da könnten die Bemühungen je nach Wettersituation allerdings auch an Grenzen stoßen, sagt Schubert.

Am Frankfurter Flughafen haben die Vorbereitungen im August begonnen - bei 25 Grad Celsius und strahlendem Sonnenschein. Rund 1300 Mitarbeiter hat der größte deutsche Flughafen für den Winterdienst eingespannt. Neben theoretischen Schulungen standen auch das Fahren in der Kolonne und vor allem Kommunikation und Planung an. Die 381 Räumfahrzeuge müssen in den dicht getakteten Flugplan eingebaut werden. "Bei Schnee und Nebel müssen wir quasi blind fahren", erklärt Einsatzleiter Klaus Margsko. "Das muss dann sitzen".

Flugzeuge können nicht wie Autos auf verschneiten Straßen einfach ein bisschen langsamer fahren, die Bahnen müssen also wirklich schnee- und eisfrei sein. Sie sind jeweils 60 Meter breit, in etwa wie eine achtspurige Autobahn, und vier Kilometer lang. Um sie in einem Rutsch zu räumen, ist eine Flotte aus 21 Fahrzeugen nötig: 14 orangene Pistenbullies fahren versetzt über die Bahn und schippen Schnee. Ihnen folgen Kehrblasgeräte und Streufahrzeuge. Vorne und hinten fahren VW-Busse, aus denen der Einsatz gesteuert wird.

Der Winterdienst am Flughafen sieht aus wie eine übergroße Version des Straßendienstes. Einen "Abenteuerspielplatz für Erwachsene", nennt es Margsko. Ein Streufahrzeug ist 32 Meter breit und transportiert 10 000 Liter Flüssiggranulat, "ein Riese" also. Das reiche bei normalem Schneefall für zwei Bahnen.

"Fünf Millimeter Schnee: das ist zuhause in fünf Minuten weg und kein großes Problem", sagt Kehrfahrer Detlef Tauchnitz. "Hier auf dem Vorfeld ergibt das am Rand aber 60 bis 70 Zentimeter hohe Schneeberge." Auf Lager sind 2,2 Millionen Liter Enteisungsmittel, 200 Tonnen Granulat, 160 Tonnen Sand und 750 Tonnen Salz: ein Vorrat für zwei Wochen Dauerschnee. Insgesamt investiert Fraport 21 Millionen Euro in den Winterdienst.

Trotz Trainings und jährlicher Aufrüstungen gerät der Flughafenbetrieb jedes Jahr beim ersten Schneefall mächtig ins Straucheln. Das wolle man dieses Jahr besser im Griff haben, sagt Winterdienst-Leiter Daniel Lütscher. "Wir sind gut vorbereitet", meint auch Fraport-Chef Stefan Schulte. Schon diese Woche sollen die Temperaturen so weit sinken, dass die ersten Flugzeuge enteist werden müssen. Meistens habe das Team im hessischen Winter mit Kälte und Nässe zu kämpfen, erklärt Margsko. Aber "es gibt keinen Tag, der gleich ist im Winterdienst".

Auf der Straße hat die Saison für den Winterdienst schon begonnen, wie die Straßenbehörde Hessen Mobil vergangene Woche mitteilte. Die Salzlager seien gut gefüllt - man sei gerüstet für einen mittleren Winter, hieß es.

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