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Schadenssummen bei Telefonbetrug in die Höhe geschnellt

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Telefonbetrug
Eine ältere Dame nimmt ein Telefongespräch an. © Roland Weihrauch/dpa/Symbolbild

Ob beim Betrug mit bestellten Waren, verlockenden Geldanlagen oder falschen Gewinnversprechen: Kriminelle haben mit Telefonbetrug 2021 in Hessen Millionen in ihre Taschen gesteckt. Besonders perfide sind der Enkeltrick oder Schockanrufe - denn meist werden Ältere zum Opfer.

Wiesbaden - Es kommen neue betrügerische Geschichten hinzu, aber die Masche ist immer ähnlich: Mit dem Enkeltrick oder als falsche Polizisten, angebliche Rechtsanwälte oder Klinikmitarbeiter gelingt es Kriminellen nach wie vor, überwiegend ältere Menschen um ihr Erspartes zu bringen. In vielen vorgegaukelten Geschichten sind enge Verwandte in Not und brauchen angeblich dringend Geld. Oder in der Nachbarschaft wurde nach Aussagen der Betrüger eingebrochen und Wertgegenstände müssen vermeintlich in Sicherheit gebracht werden.

„Betroffene berichten mir, ihnen sei der Enkeltrick bekannt gewesen, aber sie seien trotzdem darauf reingefallen“, sagt die Kriminalpolizeiliche Beraterin im Polizeipräsidium Mittelhessen, Sylvia Jacob, in Bad Nauheim. Die Betrüger seien einfach sehr gewieft und überzeugend. „Mir hat ein ältere Dame erzählt, sie sei wie in einem Tunnel gewesen, habe nur noch ihre Enkelin und deren angebliches Schicksal im Kopf gehabt“, sagt Jacob und betont, kein Opfer müsse sich schämen oder dumm fühlen.

Die Opferschutzorganisation Weißer Ring in Hessen sorgt sich wegen der Zunahme von Betrügereien am Telefon. „Wir haben viele Beratungen für diesen Bereich im Weißen Ring - aber natürlich lange nicht so viele, wie es wirklich Taten gibt“, sagt der Präventionsbeauftragte des Landesverbands, Ulrich Warncke. Die Opfer empfänden eine riesige Scham, dass sie auf die Telefonbetrügereien reingefallen sind. Deshalb meldeten sich nicht alle Betroffenen.

Gerade in der Corona-Zeit seien die Leute vielfach zuhause. Außerdem würden die Methoden der Betrüger „immer ausgefeilter und fantasiebegabter“, erklärte Warncke. „Das ist schon ein großes Problem.“ Die Täter gingen gezielt vor. „Sie schauen in den Telefonverzeichnissen nach älteren Vornamen wie etwa Adelheid oder Wilhelmine.“ Nach Einschätzung des Präventionsbeauftragten gehen die professionellen Betrügereien auf organisierte Gruppen und Banden zurück, die vor allem aus dem Ausland operieren. „Das sind intelligente Leute in diesen Call-Centern und hoch professionell. Diese Gruppen lernen auch“, sagt Warncke.

Die Schadenssummen bei registrierten Fällen von Telefonbetrug wie etwa Enkeltrick oder Anlagebetrug sind 2021 in Hessen in die Höhe geschnellt. Nach Zahlen des Landeskriminalamtes (LKA) in Wiesbaden brachten Kriminelle ihre Opfer im vergangenen Jahr um insgesamt mehr als 21,74 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch rund 8,5 Millionen Euro gewesen. Die Summe der erfassten vollendeten Fälle kletterte den LKA-Angaben zufolge von 2601 (2020) auf 3709 (2021). Allein beim Anlagebetrug entstand 2021 ein Schaden von rund 5,6 Millionen Euro.

Unter dem Begriff „Telefonbetrug“ werden alle Arten von Betrugsdelikten erfasst - von Waren- und Warenkreditbetrug, über Anlagebetrug bis hin zu falschen Gewinnversprechen, Schockanrufen oder Anrufen von falschen Polizeibeamten. Zum Enkeltrickbetrug zählte die Polizei im vergangenen Jahr 247 Fälle, in dieser Sparte kam eine Schadenssumme von mehr als 2 Millionen Euro zusammen, ein Jahr zuvor waren es noch gut 1,2 Millionen Euro gewesen.

Bei der Prävention arbeitet die hessische Polizei unter anderem mit den Banken zusammen und schult deren Mitarbeiter. „Sie sollten hellhörig werden, wenn ältere Menschen ohne nachvollziehbare Erklärung plötzlich hohe Geldsummen abheben“, erklärt die Kriminalhauptkommissarin Jacob. Durch aufmerksame Bankmitarbeiter seien schon viele Taten verhindert worden.

In einem Fall habe aber auch ein Taxifahrer Schlimmes verhindert. Er hatte ein älteres Paar zur Bank gefahren und durch die Gespräche im Auto einen Betrug vermutet. „Er konnte die beiden davon überzeugen, direkt zur Polizei zu fahren“, berichtet Jacob. Zu den Tipps der Expertin für ältere Menschen zählt unter anderem, sich niemals auf ein Gespräch mit Fremden einzulassen, wenn es darum geht, Geld oder Wertgegenstände zu übergeben. „Legen Sie einfach auf und rufen Sie die Polizei an“, rät Jacob. Auch ein Anruf bei Freunden oder Verwandten kann helfen, aber nur über bereits bekannte Nummern.

Aber auch die Familie kann helfen, dass die Senioren keine Opfer von Betrügern werden. „Wenn Sie Ihren Vater oder die Oma anrufen, melden Sie sich nicht mit „Ich bin's“ oder „Rate mal wer dran ist“. Nennen Sie immer ihren Namen“, sagt Jacob. dpa

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