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Schüler in der Bildungsmaschinerie

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Schule ist der Ort, an dem die Kinder das Rüstzeug für das spätere Leben erhalten sollen. Doch sie ist viel mehr. Schule ist ein hochkomplexes System, in dem viele Akteure mit eigenen Vorstellungen aufeinanderprallen. Wir skizzieren das Gerangel um Konzepte, Geld und Deutungshoheit in unserer Serie „Schule besser machen“ und stellen dafür wichtige Protagonisten vor.

Es war ein ambitioniertes Vorhaben, als Kultusminister Alexander Lorz (CDU) zum hessischen Bildungsgipfel einlud. Zwischen 2014 und 2015 trafen sich dort die wichtigsten Akteure aus dem Bildungsbereich, um einen Konsens über die Zukunft der Schulen zu erreichen. Das Ergebnis war umstritten, was sich daran zeigte, dass sich Schüler- und Elternvertreter, Gewerkschaften, Verbände aus Schule und Wirtschaft, Parteien und weitere Experten nicht auf ein gemeinsames Abschlusspapier einigen konnten.

Überraschend war dies nicht, denn Schule und Bildung sind beileibe keine Harmonieveranstaltung. Nicht nur dass im Landtag regelmäßig die Fetzen fliegen, auch außerhalb des Plenums tun sich Gräben auf. Eckhard Klieme, Bildungsforscher und Professor für Erziehungswissenschaft an der Goethe-Uni Frankfurt, glaubt, dass solche Auseinandersetzungen zu unserem Schulsystem dazugehören. „Dass alle Beteiligten dieselbe Meinung haben, ist in einer Demokratie gar nicht zu erwarten“, sagt er. „Wichtig ist, dass es einen Austausch gibt.“

Und der findet auf den verschiedensten Ebenen statt. Natürlich sind Bildungsbehörden wie Ministerium, Schulträger und auch Schulen eng verzahnt. Aber auch die anderen Beteiligten wie Landesschülervertretung und Landeselternbeirat sind in das Netz eingebunden, stehen im Austausch mit Ministerium sowie Landtagsfraktionen, arbeiten in Gremien mit. Die Elternvertretung hat dabei das Recht, Wünsche und Kritik zu formulieren, kann Landesverordnungen ablehnen, wenn auch nicht stoppen. Letzteres kommt aber selten vor, sagt Landeselternbeirats-Chef Reiner Pilz. Zwar gebe es immer wieder Reibungen, generell lege man aber Wert auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Dennoch: Es knirscht immer wieder im Räderwerk der Bildungspolitik. Zu erleben ist dies bei Aufregern wie Lehrermangel, Unterrichtsausfall oder Chancengleichheit an den Schulen. Dann ziehen Schüler, Eltern, Lehrergewerkschaft, Oppositionsparteien sowie Kultusminister nicht an einem Strang.

Schule sei ein sehr komplexes System, in dem die Beteiligten unterschiedliche Wahrnehmungen und Interessen haben“, sagt Bildungsforscher Klieme. Er sieht die Probleme noch auf einer anderen Ebene: Es gebe Schwierigkeiten, ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen. Vor allem fehle es am Vertrauen, dass Schule gut sei. „Das hängt auch damit zusammen, dass zu schnell experimentiert wurde: von G9 zu G8 und zurück, erst mit und dann wieder ohne Schulinspektion, und so weiter“, sagt Klieme. Das Schulsystem müsse systematisch, nachhaltig und mit langem Atem verbessert werden. „Daran fehlt es in Deutschland.“

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