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Im Fall eines mutmaßlichen Serienmörders, des im Jahr 2014 gestorbenen Rentners Manfred S., ermittelt die Polizei wegen zehn ungeklärter Tötungsdelikte.

Interview

Serienmörder Manfred S.: Ermittlungen laufen weiter

Manfred S. war in seinem Heimatort Schwalbach als unbescholtener Familienvater bekannt. Seit rund eineinhalb Jahren gilt der gestorbene Rentner als mutmaßlicher Serienmörder. Chef-Ermittler Herrmann spricht über neue Erkenntnisse.

Der Fall des mutmaßlichen Serienmörders Manfred S. aus dem Taunus erschütterte vor rund eineinhalb Jahren die Öffentlichkeit. Es geht um etwa zehn ungeklärte Mordfälle, die meisten an Prostituierten vom Frankfurter Drogenstrich. Den Verdächtigen können die Ermittler nicht mehr befragen, er starb 2014. Seine Angehörigen fanden in der Garage des 67-Jährigen eine zerstückelte Frauenleiche und brachten so die Ermittlungen ins Rollen. Chef-Ermittler Frank Herrmann schildert im Interview der Deutschen Presse-Agentur den Stand der Untersuchungen.

Haben die Ermittlungen die Hypothese Serienmord erhärtet? Es ging ja um bis zu zehn Fälle.

FRANK HERRMANN: Wir haben weiterhin die begründete Annahme, dass unsere Hypothese Serienmord stimmt. Es sind in jedem Fall viele kleinste Puzzleteile gefunden worden, die belegen, dass S. damit in Zusammenhang stehen könnte. Objektive Beweise fehlen aber nach wie vor.

Ein außergewöhnlicher Fall in der Serie könnte der Mord an dem Frankfurter Schüler Tristan 1998 gewesen sein. Dafür haben sie aber keine Belege gefunden, oder?

HERRMANN: Im Fall Tristan hat sich der Verdacht am wenigsten weiter erhärten lassen. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass es doch eine Verbindung zu S. gibt. Wir konnten zwar auf der Klarinette des Beschuldigten nur Spuren von drei Fingern finden. Das heißt aber noch nicht, dass die anderen sieben nicht doch gepasst hätten. Die in den Medien oftmals thematisierte Klarinette war denkbar ungeeignet, um Fingerspuren zu sichern. Sie war in einen Flanelllappen eingewickelt und gut gereinigt worden. Alle Knöpfe und Bedienelemente waren abgewischt.

Was ist aus dem Verdacht geworden, dass Manfred S. auch außerhalb des Frankfurter Raums gemordet hat?

HERRMANN: Wir haben nichts gefunden, was es wahrscheinlich erscheinen lässt, dass S. außerhalb des Rhein-Main-Gebiets tätig gewesen ist. Es gibt in den Einzelheiten keine vergleichbaren Fälle im Bundesgebiet oder in Europa. Und außer mit seiner Familie war S. auch nie länger verreist oder weg von zu Hause.

Es wurde ja auch über einen möglichen Mittäter spekuliert. Haben Sie dafür Belege gefunden?

HERRMANN: Ein Mittäter ist nach wie vor möglich. Das war auch der Grund dafür, dass wir so tief in die Ermittlungen eingestiegen sind. Denn gegen einen Toten ermitteln wir ja nicht mehr. Wir haben aber bisher nichts gefunden. Wenn es einen Mittäter gab, so ist dieser möglicherweise auch schon tot.

Rund 260 Hinweise aus der Bevölkerung sind nach ihrem Zeugenaufruf im Mai 2016 eingegangen. Kommen immer noch neue Hinweise dazu? Und haben Sie schon alle abgearbeitet?

HERRMANN: Allen Hinweisen wurde nachgegangen, die Bearbeitung ist aber noch nicht bei allen Spuren abgeschlossen. Neue kommen nur noch selten und sind eher allgemein.

Womit befassen sich die Ermittler jetzt noch?

HERRMANN: Die kriminaltechnischen Untersuchungen laufen weiter und sind sehr zeitintensiv. Einige Spurenträger sind schwierig, weil sie schon aus den frühen 1970er Jahren stammen. Vielleicht kommt da aber doch noch mal ein Knaller ans Licht.

Wie intensiv ermitteln Sie noch?

HERRMANN: Ein Ende ist nicht abzusehen. Die Arbeitsgruppe wurde zwar aufgelöst, es ermittelt aber die Mordkommission weiter. Fast alle Kollegen vom Anfang sind noch dabei. Die Ermittlungen im Fall S. treten allerdings natürlich immer wieder wegen aktueller Delikte in den Hintergrund. Sie laufen aber kontinuierlich weiter.

Zur Person: Frank Herrmann leitet eine von vier Frankfurter Mordkommissionen. Er war auch Leiter der Ermittlungen der Soko Alaska, die zu dem Fall gebildet worden war. Herrmann ist seit 27 Jahren Kriminalbeamter.

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