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Das Kaufhaus Joh vor der Schließung 2013: So viele Menschen sind in der Gelnhäuser Einkaufsstraße heute nicht mehr unterwegs

Stadt schreibt Areal neu aus

Shopping-Träume zerplatzt: Pläne für erstes City-Outlet Hessens vorerst gescheitert

Die Pläne für das erste hessische City-Outlet in Gelnhausen werden vorerst auf Eis gelegt. Die für das Projekt vorgesehene Immobilie, ein ehemaliges Kaufhaus, soll neu ausgeschrieben werden. Eine neue Lösung für das seit Jahren leerstehende Gebäude wird bis Ende 2019 erwartet.

Die Pläne für Hessens erstes innerstädtisches Outlet in Gelnhausen müssen vorerst ruhen. Das ursprünglich dafür vorgesehene Gebäude und das angrenzende Areal würden neu ausgeschrieben, sagte Bürgermeister Daniel Glöckner (FDP) gestern. „Wir gehen davon aus, dass wir Ende des Jahres 2019 ein entsprechendes Ergebnis haben.“ Die Stadtverordnetenversammlung habe mit großer Mehrheit am Mittwochabend für die Neuausschreibung gestimmt. Es habe nur zwei Gegenstimmen seitens der Grünen-Fraktion gegeben.

Eigentlich hatte sich die Stadt bereits für einen Investor des 30-Millionen-Euro-Projekts entschieden. Allerdings habe die CDU-Fraktion Bedenken angemeldet, dass damit gegen Vergaberechte verstoßen worden sei, erklärte Glöckner. Deshalb habe man sich nun für die neue Ausschreibung entschieden. Dabei könne sich der ursprüngliche Investor ebenso bewerben wie neue Interessenten. An dem Standort sei zwar immer noch ein Outlet möglich. Es gebe aber noch andere Ideen – beispielsweise für Verwaltungsräume oder ein Medienzentrum. In Outlets werden Artikel zu Schnäppchenpreisen angeboten. Die Hersteller bieten B-Ware, Auslaufmodelle oder Artikel aus alten Kollektionen an.

Das Outlet sollte in ein ehemaliges Kaufhaus ziehen. Laut Glöckner gehört zu dem Gebäude ein rund 10 000 Quadratmeter großes Areal. Dieses solle „jetzt über den Wettbewerb stärker in den Fokus gerückt werden“. Bürgermeister Glöckner sagte zur Hängepartie: „Das Outlet ist nicht mehr das, was die Menschen hören wollen. Wir haben die letzten fünf Jahre versemmelt. Jetzt fangen wir neu an.“

Das ehemalige Kaufhaus Joh hatte im September 2013 nach Insolvenz geschlossen. Seitdem steht die Immobilie in der Gelnhäuser Innenstadt leer. 2015 hatte die Stadt das Gebäude mit einer Verkaufsfläche von 16 000 Quadratmetern samt umliegendem Areal für 2,147 Millionen Euro erworben. Der Weiterverkauf an einen bereits ausgewählten Investor scheiterte. Viele Stadtverordneten sprachen sich aufgrund juristischer Bedenken gegen ihn aus – er war 2014 wegen Untreue zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Von Marah Naumann (mit Material von lhe)

Kommentar:

Es klang alles zu schön, um wahr zu sein: Die ehemalige Joh-Immobilie sollte die Gelnhäuser Innenstadt als erstes City-Outlet Hessens endlich wiederbeleben. Denn nach der Schließung des einzigen Kaufhauses im September 2013 verwaiste die Innenstadt nach und nach. Die Rathausspitze der Barbarossastadt kündigte an, einen langfristigen Leerstand des Gebäudes zu verhindern. Das ist jetzt fünf Jahre her – das Gebäude steht immer noch leer. Seitdem folgte eine Panne nach der anderen.

Marah Naumann

Nachdem die Immobilie von der Stadt gekauft wurde, sollte sie an einen wegen Untreue vorbestraften Investor weiterverkauft werden. Falls diese brisante Information der Stadt lange unbekannt war, ist das in Zeiten des allwissenden Internets peinlich. Falls sie es doch wusste, ist die Entscheidung umso unverständlicher.

Dass die Stadtverordneten nun endlich die Reißleine gezogen haben, scheint angesichts der jahrelangen Dramas in der Kreisstadt mehr als überfällig zu sein. Ob dieser radikale Neuanfang mit wieder neuen Ideen für die Nutzung der Immobilie aber schlussendlich für die erwünschte Wiederbelebung ausreicht, ist fraglich. Den Gelnhäusern ist die Sache einfach nur noch peinlich.

Das City Outlet sollte Besucher auch in die Altstadt ziehen. Doch das war ohnehin ein falscher Ansatz. Eine wunderschöne Altstadt, die jährlich zahllose Touristen anlockt, braucht vielmehr genügend Parkmöglichkeiten. Dafür könnte nach dem Abriss der Immobilie endlich mehr Platz sein. Oder die Stadtverwaltung zieht aus dem viel zu kleinen Rathaus aus. Egal, was letztlich passiert: Alles ist besser, als das Areal noch länger seinem Verfall zu überlassen.

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