Gewerbepark in Bad Vilbel

Wie sieht das Arbeiten von morgen aus?

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Ein bisher einmaliges Projekt im Rhein-Main-Gebiet soll in den kommenden Jahren verwirklicht werden. Was unter dem Namen „Silicon Vilbel“ noch eher belächelt wurde, scheint nun unter dem Titel „SmartCity Springpark Valley“ Realität zu werden.

Zugegeben, das Projekt „SmartCity Springpark Valley“ hat mit 90 000 Quadratmetern Größe nur einen Bruchteil der Fläche, die das legendäre Silicon Valley – die kalifornische Ideenschmiede – mit 70 mal 30 Kilometern aufweist. Doch die Idee ist die gleiche: Vor den nördlichen Toren Frankfurts soll ein futuristischer Firmenpark entstehen. Nach ersten Schätzungen belaufen sich die Investitionen dafür auf rund 500 bis 700 Millionen Euro.

Als das Projekt am Dienstag im Bauausschuss der Stadt Bad Vilbel vorgestellt wurde, sorgte es allenthalben für Begeisterung. Bereits im Mai vergangenen Jahres stimmten die Stadtverordneten dem Verkauf der Fläche zu. Nun muss der Bebauungsplan geändert werden.

Der Gewerbepark wird nach Fertigstellung bereits von der Bundesstraße 3 anhand von zwei Häusern mit 13 Stockwerken und einer Höhe von 45 Metern zu sehen sein. Insgesamt handelt es sich um 16 Gebäude, die vom Architektenbüro „Planquadrat“ aus Darmstadt mit gewagter Linienführung entworfen wurden. 2013 scheiterte der Plan, auf diesen Flächen, auf dem nun zum Teil das „Silicon Valley“ entstehen soll, ein großes chinesisches Handelszentrum zu etablieren.

Auf rund 200 000 Quadratmetern – das entspricht der Nutzfläche von vier Frankfurter Wolkenkratzern – sollen hier bei Vollauslastung 8000 Menschen Arbeit finden, ein Teil davon könnte im gerade entstehenden neuen Bad Vilbeler Stadtteil Quellenpark mit rund 3000 Einwohnern leben. Hinzu sollen ein Hotel, eine Kita und gastronomische Betriebe sowie Einzelhandelsgeschäfte kommen.

Jörg-Peter Schultheis, der Ideengeber aus Bad Homburg, kann damit nach jahrelangem Ringen seine Vision des „open space“ auf Bad Vilbeler Grund und Boden bringen. Demnach sollen die Arbeitnehmer vor Ort nicht an Büros und Firmenschilder gebunden sein. Vielmehr entsteht ein Campus, der es spontan möglich macht, irgendein freies Büro aufzusuchen und dort per Cloud alle benötigten Daten für die weitere Arbeit heranzuziehen. Eine Daten-Geschwindigkeit vom 5G soll dabei Standard sein.

Versorgt wird die „SmartCity“ von einem eigenen Kraftwerk, das mit Brennstoffzellen arbeiten und den Gewerbepark autark machen soll. Das wird von Bosch entwickelt, der einzigen Firma, die bislang als Interessent genannt werden darf. „Das Interesse aber ist gigantisch“, beteuert Schultheis, zumal auch universitäre Einrichtungen Platz auf dem Campus finden sollen.

Autos werden in Tiefgaragen und einem Parkhaus am Rand des Areals abgestellt. Von dort aus geht es mit selbstfahrenden Elektroautos oder gar mit Volocoptern, einem in Karlsruhe entwickelten und gerade in Dubai erfolgreich getesteten personentragenden Elektro-Hubschrauber weiter. Ansonsten bleibt das Zentrum des Parks nur Fußgängern und Radfahrern vorbehalten. Die erreichen die „SmartCity“ über einen Grüngürtel, der das neue Wohngebiet von dem Gewerbepark trennt.

Die dort arbeitenden Menschen sollen sich aus bisher bekannten Arbeitsstrukturen lösen, sagt Schultheis weiter. So soll die tägliche Arbeit unterbrochen werden vom Mittagessen mit Sohn oder Tochter, einem Besuch im Fitnessstudio oder dem Kaffee auf einer der begrünten Dachterrassen.

Ursprünglich wollte Schultheis sogar noch viel größer bauen. In einem früheren Entwurf hatte er eine deutlich größere Fläche von 280 000 Quadratmetern vorgesehen. Doch nicht nur bei der Stadtverwaltung wurde das Vorhaben kritisch beäugt, auch fand Schultheis keine Investoren. Jetzt aber soll er sie haben. Finanziell getragen werde das Projekt von CESA Investment aus Berlin, einem Unternehmen, das die Vermögen wirtschaftlich führender Familien vorrangig in Immobilien-Projekte steckt.

Schultheiß ist nach eigenen Angaben inzwischen Partner des Unternehmens geworden. Und das hat den Vorvertrag mit Bad Vilbel erfüllt, rund 27 Millionen Euro für die Flächen werden in die Bad Vilbeler Stadtkasse fließen. Abgewickelt wird das Geschäft über die örtlichen Stadtwerke, federführend an der Vermarktung des gesamten Quellenparks mit Wohn- und Gewerbeflächen ist Betriebsleiter Klaus Minkel. Ein Jahr soll nun vergehen, bis der Bebauungsplan den Anforderungen angepasst ist und der Bauantrag gestellt werden kann. Nach etwa einem weiteren Jahr soll das erste Gebäude stehen.

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