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Landtagswahl

Das sind die AfD-Köpfe in Hessen

Umfragen zufolge wird die AfD bei der Landtagswahl erstmals den Sprung in das hessische Parlament schaffen. Viele ihrer Kandidaten sind bislang noch ein unbeschriebenes Blatt. Wir stellen einige von ihnen vor.

Bei der letzten Landtagssitzung vor der Wahl haben die AfD-Kandidaten zur Landtagswahl schonmal geschnuppert. Sie verfolgten von der Besuchertribüne aus das Geschehen in Wiesbaden und kommentierten es teils mit Kopfschütteln. Etwa die Regierungserklärung von und seine teils heftigen Seitenhiebe gegen die AfD. Als Provokation hatte Bouffier unter anderem einen Facebook-Eintrag aus dem AfD-Kreisverband Hochtaunuskreis kritisiert, in dem Journalisten indirekt bedroht wurden.

Jüngste Umfragen sehen die Partei in Hessen zwischen 11 und 14 Prozent der Wählerstimmen - damit würden sie voraussichtlich mit mehr als zehn Abgeordneten in den Landtag einziehen. Erklärtes Ziel der Partei ist ein Ergebnis von "15 Prozent plus X" bei deram 28. Oktober. Doch wer wäre das dann? dpa stellt einige Kandidaten der Landesliste vor:

Rainer Rahn ist der Spitzenkandidat der hessischen AfD. Der 66 Jahre alte Vize-Landeschef ist langjähriger Kommunalpolitiker, sitzt seit über zwölf Jahren in unterschiedlichen Funktionen im Frankfurter Stadtparlament und ist auch im Präsidium des Hessischen Städtetags vertreten. Bei seiner Bewerbungsrede für den Spitzenposten im Landtagswahlkampf mixte der aus Karlsruhe stammende promovierter Arzt und studierte Rechtswissenschaftler Goethe-Zitate mit deutlichen Attacken gegen die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): "Wir, die Bürger dieses Landes, wollen es nicht länger hinnehmen, dass die Bundeskanzlerin die Grundlagen unserer Demokratie zerstört... Wir müssen es nicht hinnehmen, ständig mit Regeln fremder konfrontiert zu werden ... Wir erheben den Anspruch, nach unseren Regeln zu leben."

Robert Lambrouist das Gesicht der hessischen AfD in der Öffentlichkeit. Wenn es etwas zu kommentieren gibt, ist der 51-jährige Parteisprecher, der auf kandidiert, fast immer dabei - und damit deutlich präsenter als Spitzenkandidat Rahn. Diplom-Kaufmann Lambrou stammt aus Nordrhein-Westfalen, war nach eigenen Angaben kurzzeitig SPD-Mitglied und ist derzeit Fraktionsgeschäftsführer im Wiesbadener Stadtparlament. Seine Forderungen lauten: "Es muss ein grundsätzlicher Paradigmenwechsel im Bereich der Migration stattfinden". Dazu sollte es deutlich mehr und schnellere Abschiebungen geben. "Wer absehbar zurückkehren muss, für den müssen keinerlei Integrationsmaßnahmen ergriffen und bezahlt werden."

Unter den ersten 15 Kandidaten auf der Landesliste zur Landtagswahl sind zwei Frauen - eine davon ist Claudia Papst-Dippel. Die 55-Jährige betreibt nach eigener Aussage seit 25 Jahren eine Naturheilpraxis im nordhessischen Volkmarsen. In ihrer Bewerbungsrede für die Landesliste zählte sie "Familie, Kinder und Gesundheit" zu ihren Kernthemen. Papst-Dippel sagte: "Nicht eine der Beliebigkeit preisgegebene Ehe für alle, Kinderkrippe und Ganztagsschule, oder ein Christopher Street Day sind sinn- und identitätsstiftend. Sondern Familie, Werteorientierung oder Glaube sind die Basis unserer Kultur." Die Heilpraktikerin sitzt seit 2016 für die AfD im Kreistag und im Landeswohlfahrtsverband. Sie ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Auf der Landesliste rangiert sie auf Platz 13.

Andreas Lichert (Listenplatz 5) ist nach eigenen Worten seit 15 Jahren Unternehmer und war von 1998 bis 2002 FDP-Mitglied. Der 43-Jährige wehrte sich in seiner Bewerbungsrede auf dem Listenparteitag gegen Vorwürfe, die AfD verbreite Hass und Hetze. "Uns treibt nicht der Hass, uns treibt die Liebe", rief er den Delegierten zu. "Die Liebe zum Eigenen, die Liebe zu unserer Herkunft und noch mehr die Liebe zu der Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder." Die Landtagswahl sollte eine "Volksabstimmung" zur Zukunft von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werden, forderte Lichert. "Lasst uns nicht aufhören, bis wir diese Geißel für Deutschland und Europa aus dem Kanzleramt gescheucht haben." Lichert wird dem rechten Flügel der Partei zugerechnet. Er ist für den umstrittenen Verein "Institut für Staatspolitik" aktiv, der als Denkfabrik der Neuen Rechten in Deutschland gilt.

Der frühere Landesvorsitzende Rolf Kahnt (73) hat auf Listenplatz 15 noch Chancen, womöglich in den Landtag einzuziehen. Der pensionierte Lehrer von der Bergstraße forderte auf dem Nominierungsparteitag eine "Bildungswende" in Hessen. Wegen mangelnder Leistungsanforderungen machten immer mehr Schüler Abitur - hohe Abbrecherquoten bei den Studiengängen seien die Folge. Kahnt kritisierte den Sexualkundeunterricht an Grundschule: "Schutzbedürftige Erstklässler" würden Opfer von "staatlich verordneter Frühsexualisierung".

dpa

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