Verkehr

Sogar bis nach Bad Schwalbach: Die Citybahn in Mainz und Wiesbaden soll kommen

Lange Jahre war sie wie die Nessi von Wiesbaden. Die Citybahn tauchte auf, und genau so schnell wieder ab. Nun soll die Stadtbahn endlich kommen: Von 2022 an will die Wiesbadener ESWE die ersten Bahnen aufs Gleis setzen – von Mainz aus.

Hermann Zemlin hat einen Traum: „Es muss im Rhein-Main-Gebiet außer Frankfurt eine weitere Metropolregion geben: eine Metropolregion Mainz-Wiesbaden“, sagt Zemlin. Und damit seine Vision Wirklichkeit werden könne, brauche er vor allem eines: die Citybahn. Zemlin ist ein alter Hase, der 76 Jahre alte Ingenieur ist seit dem 1. April 2014 als „Change Manager“ bei den Wiesbadener Verkehrsbetrieben ESWE für die Neuordnung zuständig. Und Wandel will Zemlin wahrhaftig: Nach 16 Jahren will er nun die lange in Wiesbaden diskutierte, aber immer wieder gescheiterte Stadtbahn realisieren.

„Wir wollen 2022 fahren – aber vielleicht noch nicht durchgehend“, sagt Zemlin im Interview mit dieser Zeitung. 1997 wurde das Projekt Stadtbahn in Wiesbaden erstmals angedacht, seither scheiterte es jedes Mal entweder an fehlender Finanzierung oder an der Zustimmung der FDP im Stadtrat. Nun aber scheint alles zu stimmen: Die Finanzierungspläne sind fertig, die Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung ist dafür – sogar die Trasse steht schon.

Von Wiesbaden würde die Citybahn nach Mainz-Kastel und von dort über die Theodor-Heuss-Brücke fahren, im Norden würden die Wiesbadener Hochschule und – später – sogar Bad Schwalbach angebunden. „Damit hoffen wir, eine ganze Reihe von Pendlern zum Umsteigen zu kriegen“, sagt Zemlin. 82 000 Fahrgäste am Tag prophezeiten die derzeitigen Vorhersagen für eine Citybahn, 35 000 davon Autofahrer. „35 000 Autofahrten weniger, das wäre nicht schlecht fürs Klima“, sagt der Ingenieur Hermann Zemlin.

Denn die Landeshauptstadt hat ein Problem: Seit Jahren liegen auch hier die Stickoxidwerte deutlich über dem Erlaubten, die Deutsche Umwelthilfe klagt gegen die Stadt – auch Wiesbaden drohen in naher Zukunft Dieselfahrverbote. Die Citybahn soll deshalb die steigenden Fahrgastzahlen stemmen und gleichzeitig für weniger Schadstoffe sorgen. Schon jetzt ersticke die Wiesbadener Innenstadt im Busverkehr, sagt Zemlin, eine Schienenbahn ersetze drei Gelenkbusse oder fünf normale Busse. 30 Busfahrzeuge könnte die ESWE einsparen, so die Rechnung.

Bis zu 450 Millionen Euro könnte das Gesamtprojekt kosten, der Hauptteil käme von Bund und Land. Für Wiesbaden blieben rund 17 Millionen Euro für den Streckenbau, „das ist ein Schnäppchen“, sagt Zemlin. Ein Trick soll die Citybahn schnell aufs Gleis bringen: „Wir bauen von Mainz aus“, sagt Zemlin, das mache das Projekt billiger – denn die Mainzer müssten ihre Strecke selbst bezahlen. In Mainz herrschte bisher eher vorsichtige Distanz, schließlich wurde hier gerade erst die Mainzelbahn fertiggestellt. „Die Mainzer machen mit“, versichert Zemlin, „wir gründen am 1. Juli eine Planungs- und Baugesellschaft – gemeinsam.“

Die neue Strecke soll von Mainz aus nach Wiesbaden wachsen, sagt Zemlin, „und immer, wenn wir eine Haltestelle gebaut haben, fahren wir schon mal.“ Am Ende könne man dann von Bad Schwalbach bis zur Mainzer Uni in 50 Minuten fahren, oder in 30 Minuten zwischen beiden Hauptbahnhöfen pendeln. Die Mainzer Anfangsschwierigkeiten mit quietschenden Wendeschleifen und rumpelnden Bahnen beobachte man dabei aber genau, versichert Zemlin.

Auch ein paar andere Probleme müsse er noch lösen, räumt der Ingenieur ein, die Gleise in der Innenstadt werden auf Widerstand stoßen. „Wir werden die

Bürgerbeteiligung

sehr ernst nehmen“, verspricht Zemlin. Im Herbst sollen die Ergebnisse der Voruntersuchungen vorliegen und das Projekt ernsthaft starten. „Einfach ist das Unterfangen nicht – aber es macht Spaß“, sagt Zemlin: „Wir müssen die Städte näher zusammenbringen.“

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