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Drei Windräder in der Abendsonne.

Ökostrom in Hessen

Wo sollen Windräder hin?

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Hessen setzt in Zukunft ganz auf Öko-Strom. So sieht es das Gesetz vor. Wo überall im Rhein-Main-Gebiet Windräder stehen könnten, hat ein Plan des Regionalverbands jetzt präzisiert.

Es gleicht der Quadratur des Kreises, sagt der Beigeordnete des Regionalverbandes, Thomas Horn (CDU). Ob die Aufgabe jedoch ähnlich unlösbar sein wird, wie das gleichnamige mathematische Problem, ist eher unwahrscheinlich. Immerhin ist der Regionalverband jetzt einen großen Schritt weitergekommen, um in seiner Region, die sich vom Hochtaunuskreis bis nach Offenbach und von der Wetterau bis an die Grenzen zu Mainz und Wiesbaden erstreckt, Windräder aufzustellen.

Wo solch ein Großprojekt umgesetzt werden soll, gibt es natürlich etliche Hürden zu überwinden. Einige davon scheinen jetzt beseitigt. Seit seinem ersten Entwurf im Jahr 2014 hat der Regionalverband rund 2800 Stellungnahmen eingearbeitet, die weitaus meisten stammen von Privatpersonen, erst dann von Naturschutzbehörden oder Städten und Gemeinden.  

Die ursprünglich vorgesehene Fläche für Windräder von über 2000 Hektar ist danach nicht wesentlich kleiner geworden, hat sich aber durch die erhobenen Einsprüche in einigen Gebieten deutlich verschoben, wie der aktuelle Entwurf zeigt, der gestern vom Regionalverband Frankfurt-Rhein-Main vorgestellt wurde.

Mit 13 möglichen Standorten liegen die meisten von den insgesamt 29 vorgesehenen „Windvorranggebiete“ nach wie vor im Hochtaunuskreis, gefolgt vom Wetteraukreis (10). Die meiste Kritik wurde an zwei Flächen bei Butzbach geübt. Bürger haben auf einen Rotmilan hingewiesen, der dort sein Nest hat. Ein anderes Mal gab es Einwände wegen der Nähe zu einer Wochenendhaussiedlung. Gleichzeitig wurde die Fläche aber an dieser Stelle für Windräder erweitert. Ähnlich argumentierten Tier- und Naturschützer in Neu-Anspach, die dort ebenfalls auf einen Rotmilan aufmerksam gemacht hatten.

Viele Einwendungen zog auch das vorgesehene Gebiet am Winterstein bei Friedberg nach sich. Hier wurde der Standort für Windräder Richtung Westen verschoben.

Größere Flächen wurden dagegen bei Rockenberg, Bad Nauheim und Wölfersheim gleich komplett gestrichen, weil die großen Rotoren dort das „Landschaftsbild“ stark verändert, sprich die Sicht auf die Burg Münzenberg verstellt hätten. Dieses Kriterium war im ersten Entwurf gar nicht berücksichtigt worden. Auch der Abstand zu Wohngebäuden (1000 Meter laut Vorgabe des Landes Hessen) wurde vielfach moniert. 136 Hektar mussten deshalb aus dem ursprünglichen Entwurf wieder herausgenommen werden. In der Bilanz wurden 1005 Hektar an neuen „Windvorranggebieten“ gefunden, 1145 Hektar fielen dem Rotstift zum Opfer.

„Ein guter Kompromiss“, wie Beigeordneter Horn findet, zwischen Wünschen und Anregungen der Bürger, von Verbänden und vielen Fachleuten. Der Entwurf verhindere eine „Verspargelung“ der Landschaft. Die Zahlen zeigten, dass es eben nicht nur Kritik an den Windvorrangflächen gehagelt habe. Gleichzeitig seien eben auch neue Gutachten pro Windkraft eingegangen, durch die es möglich war, neue „Windvorranggebiete“ einzuzeichnen.

Rein rechnerisch könnten laut dem neuen Entwurf im Gebiet des Regionalverbands, das 2500 Quadratkilometer umfasst, bis zu 600 Windräder stehen. So viele werden es aber wohl nicht werden. Für realistisch hält der Verband 200 Windräder im Rhein-Main-Gebiet. Mit einer Gesamtfläche von 0,8 Prozent für die Windkraft in der Region bleibt der Entwurf deutlich unter den für ganz Hessen gemachten Vorgaben der Landesregierung.

Hessen will auf rund zwei Prozent seiner Fläche Windräder bauen. In Südhessen liegt die für Windkraft ausgewiesene Fläche bei 1,7 Prozent. Im weit weniger dicht besiedelten Nord- und Mittelhessen sehen die Entwürfe 2,2 beziehungsweise 2,3 Prozent der Gesamtfläche für Windräder vor. Bis es soweit ist, werden aber vermutlich noch weitere Jahre ins Land gehen. Die Mitglieder der Verbandskammer, in der 75 Kommunen vertreten sind, sollen nun in zwei Schritten Ende Juni und Mitte Oktober den Entwurf beschließen, bevor Ende des Jahres eine zweite Offenlage mit der Möglichkeit von Einsprüchen vorgesehen ist. Im nächsten Jahr sollen die neuen Stellungnahmen dann ausgewertet, Ende 2017 der abschließende Beschluss von der Kammer gefasst werden. Nach Genehmigung durch die Hessische Landesregierung könnte der „Sachliche Teilplan Erneuerbare Energien“ 2018 in den regionalen Flächennutzungsplan eingebettet werden.

Noch nicht abschließend berücksichtigt sind auch die Abstände zu den Funkfeueranlagen der Deutschen Flugsicherung. Fast die Hälfte der ausgewiesenen 2040 Hektar liegt in einem 15-Kilometer-Radius um Funkfeueranlagen (in der Grafik blau schraffiert). Für diesen Umkreis hat die DFS grundsätzlich Vorbehalte gegen Windräder angemeldet. Deshalb haben zum Beispiel Bad Homburg und Karben eine komplett fertige Planung für einen gemeinsamen Windpark zwischen beiden Städten auf Eis gelegt. Sie müssen erst ein höchstrichterliches Urteil abwarten.

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