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Sorgen um Schulunterricht ohne Maske

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Von: Christiane Warnecke

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Eltern und Lehrer kritisieren den Wegfall der Mund-Nasen-Schutz-Pflicht, die Schülerschaft ist bei dem Thema gespalten

Frankfurt -Seit Montag dürfen auch an Hessens Schulen die Masken fallen. Eltern und Lehrervertreter kritisieren die Entscheidung der Bundesregierung als leichtsinnig. Die Schülerschaft hingegen zeigt sich in der Frage der Maskenpflicht gespalten. Während sich einige über die neue Freiheit freuen, sind andere besorgt über das höhere Ansteckungsrisiko.

"Die Lockerungen der Coronaschutzmaßnahmen an Hessens Schulen sind kritisch und kontraproduktiv im Sinne der Bekämpfung der Pandemie", heißt es in einer Erklärung des Landeselternbeirats. "Corona ist weder harmlos noch vorbei", begründet der Vorstand der Elternvertretung seine Position.

Der Verweis von Kultusminister Alexander Lorz (CDU) auf die Möglichkeit der Schüler, weiterhin freiwillig eine Maske zu tragen, stößt bei den Elternvertretern auf Unverständnis: "Das ist nicht nur ein falsches Argument, es verlagert zudem die Verantwortung und die Folgen des erhöhten Risikos an Schulen, Eltern und Schüler." Denn die Masken schützten nicht nur einen selbst, sie schützten auch immer die Menschen um einen herum. Und "wenn nur ein Bruchteil der Menschen eine Maske trägt, besteht auch nur ein Bruchteil des Schutzes", bemängelt Volkmar Heitmann, Vorsitzender des Landeselternbeirats. Noch dazu fehlten FFP2-Masken, die für Kinder zugelassen seien.

"Mit voller Kraft

in den Nebel"

Die Folgen der Aufhebung der Maskenpflicht an den Schulen seien derzeit noch schwer abzusehen. So schimpft Heitmann: "Wir fahren mit voller Kraft in den dichten Nebel hinein. Das ist nicht mutig, das ist dumm."

"Uns ist bewusst, dass es auch viele Schülerinnen und Schüler sowie Eltern gibt, die die nun kommenden Lockerungen herbeisehnen", schränkt der stellvertretende Vorsitzende des Landeselternbeirats, Thorsten Sprenger, ein. Spätestens zum kommenden Winter würden die Inzidenzen aber mit großer Wahrscheinlichkeit wieder ansteigen.

Die Landesschülervertretung bestätigt Sprengers Einschätzung. "Es gibt einige Schüler, die sich über den Wegfall der Maskenpflicht freuen", sagt Landesschulsprecher Mika Schatz im Gespräch mit dieser Zeitung. Es gebe aber auch Schüler, die im Unterricht weiter Masken tragen, berichtet er. Das Bild sei sehr "heterogen". Auch in der Oberstufe des beruflichen Gymnasiums, das er besuche, gebe es unterschiedliche Haltungen: "Die eine Hälfte der Schüler sitzt mit Maske im Unterricht, die andere ohne", erzählt der Landesschulsprecher. "Deshalb stellen wir uns nicht klar gegen den Wegfall der Maskenpflicht", räumt Schatz ein, "wir überlassen die Einschätzung der Gefahr lieber den Virologen."

Der hessische Philologenverbandes hält die Änderung des Bundesinfektionsschutzgesetzes "aus politischer Perspektive" für "nachvollziehbar". Die Lockerungen bescherten den Schulen jedoch noch zu oft brisante Situationen und riskierten leichtfertig den Schutz sowohl der Schülerschaft als auch der Lehrkräfte. "Die Politik darf jetzt nicht das Signal senden, die Corona-Welle sei vorbei; im Gegenteil ist weiterhin Vorsicht angebracht", betont der Landesvorsitzende des Hessischen Philologenverbandes, Reinhard Schwab. Eine dringende Empfehlung für das Maskentragen in schulischen Innenräumen sei erforderlich, zum Eigenschutz und zum Schutz aller.

Die Omikron-Untervariante reiße große personelle Lücken in den Klassen und Kollegien, aber auch im Bildungsgehalt der Schülerschaft, gibt Schwab zu bedenken. Die Lehrer seien deshalb oft gezwungen, die Mängel zu kompensieren und Vertretungen zu übernehmen, um den Schulbetrieb einigermaßen reibungslos zu halten. Zudem stehe an den Gymnasien nach Ostern das Landesabitur an, betont der Vorsitzende des Lehrerverbands.

Den Landeselternbeirat beschäftigt unterdessen noch ein weites Thema: Wenn der Herbst kommt, werde an Hessens Schulen wieder "buchstäblich zum Fenster hinaus geheizt". Das sei im Hinblick auf den Krieg in der Ukraine und das Erreichen der Klimaziele nicht zu verantworten. Deshalb müsse jetzt die Aufrüstung der Schulen mit Luftfiltern und mit energiesparender Technik gestartet werden.

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