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Sozialminister Klose: „Familie ist Heimat“

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Von: Christiane Warnecke

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„Familienleben heute“ ist unsere Herbstserie, die alles aufgreift, was Kinder, Eltern und Großeltern bewegt. Heute erklärt Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne), wie die Politik den Rahmen setzt für das Familienleben.

Ihr Titel lautet Minister für Soziales und Integration. In den vergangenen beiden Jahren standen Sie aber vor allem als Gesundheitsminister im Zentrum der Corona-Krisenbewältigung. Blieb da überhaupt noch Zeit für Familienpolitik?

Familienpolitik war und ist zu jeder Zeit ein sehr relevantes Thema für uns - besonders auch während Corona. Denn die Pandemie bedeutete eine besondere Belastung für Familien - für Kinder und Jugendliche, aber auch für Eltern, zum Beispiel was die Kinderbetreuung angeht.

In der Kinderbetreuung gibt es nicht erst seit der Corona-Krise Defizite. Was unternimmt die Landesregierung dagegen?

Wir bringen in dieser Legislaturperiode besonders die Qualität und den Ausbau der Kinderbetreuung voran, nachdem zuvor das Thema Gebührenfreiheit im Vordergrund stand. Zur Finanzierung der Familienförderung sind wir als Land intensiv mit dem Bund im Gespräch, unterstützen die Einführung einer Kindergrundsicherung. Hessen investiert eine Milliarde Euro für die Kinderbetreuung, die ja kommunale Verantwortung ist.

Was bedeutet Familie für die Gesellschaft?

Familien in ihrer Entwicklung zu stärken, ist zentrale staatliche Aufgabe, weil sie grundlegend für den Zusammenhalt der Gesellschaft sind. Deshalb ist es uns wichtig, Familien zu unterstützen - übrigens ganz egal in welcher Konstellation: Wir kümmern uns genauso um Alleinerziehende und Patchwork- oder Regenbogenfamilien wie um die klassische Familie. Familien haben sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert, sie sind vielfältiger geworden und die gesellschaftliche Akzeptanz ist erfreulich gewachsen.

Wie wird die Politik diesem Wandel gerecht?

Zeitgemäße Familienpolitik setzt an Lebensphasen an: Kindergeld, Elterngeld, Unterhaltsvorschuss - das alles sind Maßnahmen, die in den letzten Jahren richtigerweise vorangetrieben wurden. Aktuell werben wir für die Teilzeit-Ausbildung, weil wir sehen, dass hier ein Bedarf besteht, um Familie und Ausbildung besser vereinbaren zu können. Familienförderung kümmert sich aber nicht nur um Kindheit und Jugend, sondern auch um die Pflege. Dafür setzt ebenfalls der Staat die Rahmenbedingungen.

Die sind aber in der Pflege verbesserungswürdig ...

Wir haben mit der neuen Pflegeunterstützungsverordnung und anderen Maßnahmen auch die Bedingungen für die Pflege durch Angehörige verbessert, so weit uns das als Land möglich war. Natürlich besteht hier noch Handlungsbedarf, den aber nur der Bund befriedigen kann. Eine größere Pflegereform auf Bundesebene ist notwendig. Denn nicht nur die Vereinbarkeit von Kindern und Beruf muss besser werden, sondern auch die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege.

Die niedrige Geburtenrate in Deutschland im europäischen Vergleich lässt aber darauf schließen, dass gerade die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht optimal ist, oder?

Die Geburtenrate entwickelt sich schon seit längerer Zeit in die richtige Richtung. Das Elterngeld hat hier durchaus eine Veränderung bewirkt. Aber natürlich könnte sie noch höher liegen. Gerade im Hinblick auf die demografische Entwicklung wäre das notwendig.

Alleinerziehende habe es besonders schwer, warum bekommen sie nicht mehr Unterstützung aus der Politik?

Die Zahl der Ein-Eltern-Familien nimmt kontinuierlich zu und wir wissen, dass sie das höchste Armutsrisiko tragen. Das müssen wir ändern, weil alle Kinder die gleichen Teilhabechancen haben sollen. Deshalb sind sie Schwerpunkt unseres nächsten Landessozialberichts, der in diesem Herbst vorgelegt wird. Auf der anderen Seite gibt es zunehmend Doppelverdiener-Familien - aus eigenem Anspruch heraus oder schlicht, weil es finanziell notwendig ist. Hier müssen wir als Staat Rahmenbedingungen schaffen, die erleichtern, dass beide Partner arbeiten gehen können. Nicht zuletzt sind wir mit Blick auf den Fachkräftemangel darauf angewiesen, möglichst viel Potenzial für den Arbeitsmarkt zu heben. Das betrifft vor allem soziale Berufe, in denen besonders viele Frauen tätig sind.

Der Krieg in der Ukraine und die Energiekrise stellen Familien vor zusätzliche Herausforderungen. Wie kann man Kindern die Probleme vermitteln?

Wir stecken in einer Situation großer Ungewissheit. Viele Menschen haben existenzielle Ängste. Und Kinder merken, wenn ihre Eltern verunsichert sind. Ein kindgerechter offener Umgang mit den eigenen Sorgen ist wahrscheinlich ratsamer, als Kinder mit diffusen Ängsten alleinzulassen.

Was bedeutet Familie für Sie persönlich?

Familie ist der Ort, an dem ich mich geborgen fühle. Familie ist Heimat - unabhängig davon, wie groß man seine Familie definiert. Ich beziehe hier ausdrücklich auch Wahl-Verwandtschaften mit ein. interview: christiane warnecke

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