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Sparkassen nach Gewinnsteigerung mit verhaltener Zuversicht

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Bilanz-Pk Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen
Der Schriftzug "Sparkasse" steht am Hauptgebäude der Sparkasse Gera-Greiz. © Bodo Schackow/dpa-zentralbild/dpa

Steigende Einnahmen und sinkende Ausgaben haben den Sparkassen in Hessen und Thüringen eine bessere Jahresbilanz beschert. Noch sind nicht alle Belastungen verarbeitet. Mit Blick nach vorne zeigt sich der neue Verbandspräsident dennoch vorsichtig optimistisch.

Frankfurt/Main - Bei den Sparkassen in Hessen und Thüringen keimt nach einem Gewinnplus 2021 trotz des schwierigen Umfelds Zuversicht. „Auch wenn noch vieles unsicher ist und ein weiter Weg vor uns liegt, ist der allmähliche Anstieg der Zinsen doch Ausdruck einer zunehmenden Normalisierung, die irgendwann auch bei den Sparern und in der Gewinn- und Verlust-Rechnung der Banken und Sparkassen ankommen wird“, sagte der seit Jahresbeginn amtierende geschäftsführende Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen, Stefan Reuß, am Dienstag in Frankfurt.

Im vergangenen Jahr verdienten die unverändert 49 Sparkassen in Hessen (33) und Thüringen (16) entgegen eigener Erwartung in Summe mehr als im von hohen Rückstellungen für Corona-Risiken geprägten Jahr 2020. Das operative Ergebnis lag vorläufigen Zahlen zufolge mit rund 980 Millionen Euro um 9,4 Prozent über dem Vorjahreswert. Der Zinsüberschuss als wichtigste Ertragssäule der öffentlich-rechtlichen Institute drehte zum ersten Mal seit 2013 ins Plus.

Nach Steuern wiesen die Institute 259,1 Millionen Euro Gewinn aus und damit 51,3 Prozent mehr als 2020. Nicht berücksichtigt sind darin allerdings Rückstellungsforderungen im Zuge der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) zu Prämiensparverträgen. „Sie werden das Ergebnis noch belasten“, teilte der Verband mit. Viele dieser in den 1990er und 2000er Jahren abgeschlossenen Sparverträge enthielten unzulässige Klauseln. Der BGH hatte im vergangenen Oktober genauere Vorgaben für Zinsnachzahlungen an Prämiensparer gemacht.

Zur Belastung sind für die Institute die hohen Sparsummen ihrer Kundinnen und Kunden geworden. Die Einlagen stiegen 2021 weiter um gut 4,5 Milliarden Euro auf rund 117,5 Milliarden Euro. Dies sei „ein Vertrauensbeweis“ der Kundschaft, sagte Reuß, er koste die Institute aber Geld. Wegen des Zinstiefs fällt es Banken und Sparkassen schwer, Einlagen mit Gewinn anzulegen. Parken sie Gelder bei der Europäischen Zentralbank (EZB), müssen sie darauf Zinsen zahlen.

Sparkassen-Kunden, die eine Immobilie finanzieren wollen, müssen sich auf schlechtere Konditionen einstellen. „Wir müssen damit rechnen, dass die Baufinanzierung tendenziell teurer wird“, sagte Reuß. Die Finanzaufsicht Bafin will zum 1. April einen neuen Kapitalpuffer einführen, der spezifisch Wohnimmobilien-Kredite absichert.

Ihr Filialnetz dünnten die regional verankerten Sparkassen weiter aus: In Hessen gab es zum Jahresende noch 663 (Vorjahr: 699) mit Personal besetzte Standorte, in Thüringen 188 (212). Auch die Zahl der SB-Standorte sank. Der SPD-Politiker Reuß, der zuvor Landrat des Werra-Meißner-Kreises war, rechnet mit einem weiteren Rückgang. dpa

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