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Hat Ideen für Hessen von morgen: Thorsten Schäfer-Gümbel.

Wahlkampf

SPD-Chef Schäfer-Gümbel stellt Plan mit seinen Visionen vor

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Wie soll Hessen in Zukunft aussehen? Wie können wir die großen Herausforderungen der Zeit wie Wohnen, Verkehr, Bildung bewältigen? SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel hat sich darüber intensiv Gedanken gemacht und seine persönlichen Vorstellungen entwickelt.

Das StartWerk-A in Wiesbaden-Biebrich firmiert als Zentrum für Gründer und Startup-Unternehmen, als Ort für Aufbruchstimmung und visionären Unternehmensgeist. Klingt jedenfalls zunächst nach einem krassen Kontrast also zu dem, was man zuletzt mit der SPD verband. Dass Thorsten Schäfer-Gümbel dennoch am Donnerstagvormittag dieses Ambiente wählt, hat damit zu tun, dass er etwas verkündet, was weit in die Zukunft reicht.

„Ich habe einen Plan für das Hessen von morgen“, lautet selbstbewusst der erste Satz im „Hessenplan +“, den der SPD-Chef des Bundeslands präsentiert. Es sind die persönlichen Visionen, um das Wort erneut zu bemühen, die Schäfer-Gümbel entworfen hat, um die Herausforderungen des kommenden Jahrzehnts politisch zu gestalten.

TSG, wie der Politiker von vielen Parteifreunden auch genannt wird, bleibt aber bei seinen Zielvorgaben nicht im Ungefähren. Wohnen und bauen, generell eines seiner Kernthemen. „Bezahlbares Wohnen hat absolute Priorität für mich als Ministerpräsident“, sagt er. In den Ballungsräumen müssten in den nächsten zehn Jahren mindestens 60 000 geförderte Wohnungen gebaut werden, daneben 10 000 Wohnungen für Studierende und Auszubildende, fordert er.

Bildung und Ausbildung, Mobilität sind weitere Bereiche, die Schäfer-Gümbel in den Mittelpunkt stellt. Gebühren für Bildung vollständig abschaffen – von der Kita bis zur Meisterprüfung – sei ihm eine Herzenangelegenheit. Auch 50 zusätzliche Ganztagesschulen pro Jahr, nennt er als Ziel. Und beim Verkehr plädiert der SPD-Spitzenkandidat unter anderem dafür aus, Preissteigerungen beim öffentlichen Personenverkehr zu bremse oder einen S-Bahn-Ring im Südwesten des Landes zu bauen.

Sein „Hessenplan +“ solle mehr sein sollen als „ein tagesaktuelles Rezeptebuch für die kommende Legislaturperiode“, sagt Schäfer-Gümbel. Er sei vielmehr auf die nächsten zehn, fünfzehn Jahre ausgelegt. Und damit die Visionen nicht nur auf dem bekanntlich geduldigen Papier stehen, flankiert der 48-Jährige seine Überlegungen mit drei Aktionsprogrammen die konkrete Maßnahmen enthalten.

Der Wandel sei gestaltbar, sagt Schäfer-Gümbel. Ob im Privatleben oder im Beruf – alles verändere sich in einer Geschwindigkeit, die für frühere Generationen nicht vorstellbar gewesen sei. Auch Hessen können sich davon nicht abkoppeln. Der Landesregierung wirft er Realitätsverweigerung vor. „Ich nenne das Bouffier-Biedermeier.“ „Politiker sagen zu selten, wohin sie mit dem Land wollen und was ihre übergeordneten Ziele und Werte sind“, meint Schäfer-Gümbel. „Ich möchte, dass jeder wissen kann, wohin die Reise mit einem Ministerpräsidenten Thorsten Schäfer-Gümbel geht.“

Zugleich schließt der SPD-Chef mit seinen Zukunftsüberlegungen an den legendären Hessenplan des Sozialdemokraten Georg August Zinn an, der von 1950 bis 1969 hessischer Ministerpräsident war. Ein „beeindruckendes Politikmodell“ nennt er dessen Entwicklungsprogramm. Das habe er weiterentwickeln wollen. Von daher lässt sich auch der Zusatz „plus“ bei Schäfer-Gümbels Version erklären.

Die Vorstellung des neuen Hessenplans kommt nicht völlig überraschend. Bereits im Jahr 2011 hatte Schäfer-Gümbel ein solches Projekt angekündigt und später erneut thematisiert. „Wo bleibt der Hessenplan?“, hatten denn auch die Grünen zwischenzeitlich provokativ nachgefragt. Die lange Vorlaufzeit erklärt der SPD-Boss auch mit seinem Buch über die Digitalisierung, das er Anfang des Jahres veröffentlicht hat. „Das hat Zeit und Kraft gekostet“, sagt er. Daher habe er die Arbeiten fast sieben Monate unterbrochen.

Dumm nur, dass Schäfer-Gümbel seine Visionen nicht auf einer eigener Internetpräsenz verkünden kann. Denn unter der Adresse werben nun Bouffier und seine CDU für ihre politischen Ideen.

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