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Sprengstoff im Boden: Bau von umstrittener A49 gestoppt

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Baustelle
Ein Schild weist auf eine Baustelle hin. © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Der Bau der A49 gehört in Hessen zu den umstrittensten Verkehrsprojekten. Erst begleiteten heftige Proteste die Rodungsarbeiten. Nun gibt es einen ungewöhnlichen Fund im Boden.

Gießen/Stadtallendorf - Nach dem Fund von Sprengstoffspuren im Boden sind die Bauarbeiten für die umstrittene Autobahn 49 in Mittelhessen stellenweise gestoppt worden. Am Montag habe das Regierungspräsidium eine entsprechende Bürgerinformation hinsichtlich möglicherweise verunreinigten Bodens am Ortsrand von Stadtallendorf (Landkreis Marburg-Biedenkopf) erhalten, erklärte das Regierungspräsidium Gießen am Freitag auf Anfrage. Ein anschließender Schnelltest sei positiv auf sprengstofftypische Verbindungen gewesen. Die Bauarbeiten seien an der Stelle eingestellt worden.

Aufgrund unterschiedlicher Indizien gehe man derzeit von dem Stoff Hexyl aus, erklärte ein Sprecher. Man gehe aber nicht von wesentlichen Bauverzögerungen durch den Fund aus. Zuvor hatte der „Gießener Anzeige“ über den Stopp berichtet.

Nach Ansicht der Initiative „Danni lebt“ stammen die Sprengstoffe aus einem unsanierten Bereich des ehemaligen Sprengstoffwerks der Westfälisch-Anhaltischen Sprengstoff-Actien-Gesellschaft (WASAG). Während des Zweiten Weltkrieges gehörte die WASAG sowie das Werk Dynamit AG (DAG) in Stadtallendorf zu den größten TNT-Produktionsstätten der deutschen Rüstungsindustrie. Nach Kriegsende wurden die Anlagen zerstört. Dabei sei das Gelände beider Werke mit sprengstofftypischen Verbindungen kontaminiert worden, heißt es auf der Webseite des Regierungspräsidiums Gießen. Eine Bodensanierung im Jahr 2005 wurde demnach abgeschlossen, es gebe aber noch Sanierungsbedarf in den Außenbereichen.

Die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES) hatte für die A49 den Boden der WASAG-Flächen noch vor dem Beginn des Autobahnbaus saniert. Dort seien Boden und Bauwerke mit sprengstofftypischen Verbindungen und giftigen Kohlenwasserstoffen belastet gewesen. Der Austausch des Bodens sei behördlich kontrolliert und erfolgreich beendet worden, erklärte die DEGES.

Das Regierungspräsidium Gießen konnte zunächst keine Angaben machen, ob die Sprengstoffspuren tatsächlich von der WASAG stammen. Labortechnische Untersuchungen müssten den Verdacht noch bestätigen. Wenn dies geklärt sei, müsse der Entsorgungsweg festgelegt werden. Bis dahin müsse der Erdaushub zwischengelagert werden.

Man nehme die Angelegenheit sehr ernst, fügte ein Sprecher des Regierungspräsidiums hinzu. Der Autobahnbau ist umstritten, es hatte massive Proteste von Umweltschützern gegeben, unter anderem im Dannenröder Forst.

Die Autobahn 49 zwischen der Anschlussstelle Fritzlar und dem künftigen Ohmtal-Dreieck gliedert sich in vier Teilstrecken: Der erste Abschnitt bis zur Anschlussstelle Neuental ist bereits seit 1992 unter Verkehr, der Abschnitt von Neuental bis Schwalmstadt soll noch 2022 von der Autobahn GmbH des Bundes für den Verkehr freigegeben werden. Seit vergangenem Jahr werden die Neubauabschnitte drei und vier von Schwalmstadt über die Anschlussstelle Stadtallendorf-Nord bis zum Dreieck Ohmtal gebaut. dpa

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