Hinweise nach "Aktenzeichen XY"

Stand Annika am Grab?

Die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ hat gestern vielen Menschen aus der Region eine Gänsehaut beschert. Angeblich soll das vor 20 Jahren in Kelkheim verschwundene Mädchen Annika Seidel kürzlich am Grab seiner Mutter gesehen worden sein.

Von CHRISTIANE WARNECKE UND FRANK WEINER

Es ist ein Horror-Szenario für alle Eltern: Die Mutter schickt ihre elfjährige Tochter in die nur 500 Meter entfernte Zoohandlung, um ein Flohspray für Familienhund „Tabs“ zu besorgen, doch das Kind kommt nie dort an. Dieser Alptraum ist am 10. September 1996 für Familie Seidel im beschaulichen Vordertaunusstädtchen Kelkheim bittere Realität geworden. Die ganze Region war damals in Aufruhr: Die Polizei hat eine groß angelegte Suchaktion gestartet und in alle Richtungen ermittelt, doch das Mädchen blieb verschwunden – bis heute. Oder doch nicht?

Am Mittwochabend hat das ZDF in seiner Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ über den lange zurückliegenden Fall berichtet und eine erstaunliche Beobachtung vermeldet. Ein Bekannter der Familie will die inzwischen erwachsene Annika im Jahr 2008 am Grab ihrer Mutter gesehen haben, wo sie mehrmals das Grablicht ausgetauscht haben soll. In der Sendung wurde die Frau mit einem Kopftuch und Sonnenbrille dargestellt.

Kann das sein? Die Polizei nimmt den Hinweis ernst. Doch weil sie damals nur eine männliche DNA-Spur an dem Grablicht gefunden hatte, war der Hinweis 2008 nicht veröffentlicht worden, hieß es gestern aus Polizeikreisen.

Dennoch haben die Ermittler nun ein sogenanntes „Aging-Foto“ erstellen lassen, das antizipiert, wie die heute 31 Jahre alte Annika aussehen könnte. Als Basis dafür wurden Kinderfotos und das Aussehen ihrer Verwandten herangezogen.

Schon 1996 gingen die Ermittler von einer Entführung aus, denn Annika wurde auf dem Weg zur Zoohandlung von einer Bekannten in der Nähe eines Kaufhauses beobachtet, wie sie vor der geöffneten Beifahrertür eines weißen Autos mit kroatischem Kennzeichen stand. Auch in der näheren Umgebung wollten Zeugen das Mädchen in den folgenden Tagen noch gesehen haben, zum Beispiel am Gimbacher Hof. Doch die kleine Annika blieb verschwunden.

Mit Hilfe des neu erstellten Fotos hofft die Kriminalpolizei Hofheim nun auf weitere Anhaltspunkte. Bis gestern Nachmittag waren schon 40 neue Hinweise zum Fall Annika Seidel bei der Polizei eingegangen.

Da das Verschwinden des Mädchens schon 20 Jahre her ist, sei dies ein hohes Aufkommen, sagte gestern Florian Meerheim, Sprecher des Polizeipräsidiums Westhessen, im Gespräch mit dieser Zeitung.

„Wir überprüfen die Sachen und bewerten sie“, erklärte er. Eine heiße Spur scheine aber nicht dabei zu sein. Dennoch betonte er: „Der Fall ist nicht abgehakt.“ Es gehe weiter, „bis wir Gewissheit haben“. Große TV-Fahndungen – wie in diesem spektakulären Fall – seien auch 20 Jahre danach noch absolut sinnvoll.

Die Kriminalpolizei Hofheim bittet um Hinweise unter (0 61 92) 2 07 90.  

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