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Mit dem Testversuch "RMVsmart" sollen Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr fairer berechnet werden.

Nahverkehr in der Region

RMV startet neuen Test-Tarif

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Wer sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch verschiedene Tarifgebiete bewegt, dem dürfte das Problem bekannt sein: Obwohl die zurückgelegte Strecke nicht unbedingt länger ist, berechnet der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) für das Überqueren einer Tarifgrenze oft happige Zuschläge. So kostet etwa die vergleichsweise kurze Fahrt vom Frankfurter Südbahnhof bis zum Offenbacher Ledermuseum 4,65 Euro. Ginge es lediglich nach der gefahrenen Strecke, dürfte der Preis keinesfalls teurer sein als 2,80 Euro. So viel kostet beispielsweise ein Ticket, das einen von der Schwanheimer Rheinlandstraße bis nach Alt-Fechenheim am anderen Ende der Main-Metropole bringt.

Diese gefühlte Ungerechtigkeit will der RMV nun mit einem bereits im vergangenen Dezember angekündigten Pilotversuch beheben. Ab dieser Woche können sich Smartphone-Nutzer auf der Website

für die dreijährige Testphase von „RMVsmart“ anmelden. Insgesamt sollen bis zu 20 000 Smartphone-Nutzer aus dem gesamten RMV-Tarifgebiet in den Genuss der neuen Tarif-Berechnung kommen. „So ein Modell gibt es in ganz Deutschland bisher noch nicht. Für uns ist das ein ergebnisoffener Versuch“, erklärt RMV-Sprecher Sven Hirschler.

Statt bisher lediglich zwischen innerstädtischen Einzelfahrten und den zurückgelegten Waben verschiedener Tarifgebiete zu unterscheiden, arbeitet „RMVsmart“ ähnlich wie ein Taxameter mit einer Mischung aus Grundpreis, Kilometerpreis und Pauschalen. Und jetzt wird es doch ein wenig kompliziert: Zum Grundpreis von 1,69 Euro für Fahrten mit S-, U- oder Regionalbahnen kommt künftig eine Kilometerpauschale von 21,8 Cent pro Kilometer im RMV-Kernnetz sowie von 10,9 Cent innerhalb des RMV-Regionalnetzes hinzu. Zudem wird für innerstädtische Fahrten mit Bus und Straßenbahn in Orten mit weniger als 50 000 Einwohnern eine Pauschale von 35 Cent berechnet.

In Städten mit bis zu 200 000 Einwohnern beträgt die auf den Grundpreis aufgerechnete Pauschale 47 Cent. Ausgenommen sind Frankfurt, Mainz und Wiesbaden. Hier berechnet der RMV pauschal 67 Cent pro Fahrt. Sogenannte Überlandfahrten kosten zusätzlich zum Grundpreis weitere 1,13 Euro beziehungsweise 2,35 Euro, wenn die Strecke über Frankfurt, Mainz und Wiesbaden führt.

Was erst einmal ziemlich abstrakt klingt, lässt sich anhand einiger Beispiele weitaus besser verdeutlichen: Die Strecke vom Frankfurter zum Wiesbadener Hauptbahnhof kostet derzeit 8,25 Euro, mit „RMVsmart“ sinkt der Preis auf 8,02 Euro. Richtig lohnt sich die Umstellung für all jene, die von Frankfurt nach Hanau wollen: Hier werden für die Fahrt künftig 5,40 statt der bisherigen 8,25 Euro fällig. Und wer aus der Mainmetropole nach Darmstadt reist, muss demnächst nur noch 6,49 Euro berappen. Auch die eingangs erwähnte Fahrt vom Frankfurt Südbahnhof nach Offenbach birgt ein spürbares Sparpotenzial: Hier sinkt dank „RMVsmart“ der Preis von 4,65 auf 3,33 Euro.

Doch nicht überall fahren RMV-Nutzer mit dem neuen Tarif besser: Innerstädtische S- und U-Bahn-Strecken wie von der Frankfurter Galluswarte bis nach Bonames-Mitte kosten statt der üblichen 2,80 Euro – je nach Verbindung –  3,67 bis  5,19 Euro. Bei der langen Straßenbahn-Reise von der Schwanheimer Rheinlandstraße bis nach Alt-Fechenheim kommt die neue Bus- und Trampauschale zum Tragen, so dass sich der Ticketpreis von 2,80 auf 2,36 Euro verringert.

Richtig üppig fällt der Zuschlag für die Fahrt vom Frankfurter Hauptbahnhof nach Höchst aus: Von 2,80 Euro steigt der Preis im „Smart“-Tarif auf stolze 4,20 Euro. Doch: Wer sich an der dreijährigen „RMVsmart“-Testphase beteiligt, ist nicht gezwungen, auf die teureren Tarife zurückzugreifen. „Wir versuchen nicht, durch die Hintertür einen neuen Tarif einzuführen“, versichert RMV-Sprecher Hirschler. So können Nutzer der RMV-App stattdessen auch wie gewohnt Einzelfahrten buchen, wenn diese günstiger sind als die neuen „Smart“-Tarife. Nachdem sich die ersten Test-Nuzter registriert haben, soll „RMVsmart“ voraussichtlich Mitte April an den Start gehen. (mov)

 

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