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Grau-gelbliche Formulare, Anlage- und Erklärungs-Blätter ? dieser Papierwust bei der jährlichen Steuererklärung soll künftig der Vergangenheit angehören. Die elektronische Datenvermittlung an das Finanzamt soll ausgeweitet werden und es gibt noch mehr Erleichterungen.

Es soll einiges leichter werden, Experten sind skeptisch

Steuerklärung 2017: "Keine erhebliche Vereinfachung"

Bis 2022 soll die Steuererklärung modernisiert und damit der Bürger entlastet werden. Das versprach zuletzt der hessische Finanzminister Thomas Schäfer. Die Vereinfachungen sind aber nach Ansicht von Experten nicht sonderlich groß. Und Vorsicht: Es drohen sogar Fußangeln.

Die Bundesregierung will die Steuerklärungen durch den Einsatz automatisierter Systeme in den Finanzämtern vereinfachen. Ziel der Regierung ist es, bis 2022 ein vollautomatisches, elektronisches Steuerverfahren aufzubauen, das sowohl Bürger als auch Finanzämter entlasten soll. So sollen etwa Belege wie Spendenquittungen künftig nur noch auf Verlangen ans Finanzamt geschickt werden müssen. Steuerpflichtige sollen ihre Daten über Elster beim Finanzamt abrufen, prüfen und in ihre digitale Steuererklärung übernehmen können. Daten Dritter wie des Arbeitgebers, der Krankenkasse oder über Kapitaleinkünfte sollen ebenfalls elektronisch eingefügt werden. Diese Felder mussten bisher noch von Hand ausgefüllt werden. Ab 2019 gelten zudem längere Abgabefristen. Wer seine Steuererklärung für 2018 selbst ausfüllt, muss sie erst bis Ende Juli einreichen und nicht wie bisher bis Ende Mai.

Die Vereinfachung für die Finanzämter ist offensichtlich – alle Daten liegen künftig einheitlich elektronisch vor, gehen durch ein Analyse-Programm, und damit ist die erste grobe Überprüfung erledigt. In einzelnen Fällen schauen die Sachbearbeiter allerdings auch noch einmal genauer drauf.

Doch ist das wirklich eine Erleichterung für den Bürger – oder eher für die Finanzämter? Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Neuen Verbands der Lohnsteuerhilfevereine (NVL), ist skeptisch: „Wenn wir zunächst über den Stichtag 1. Januar sprechen, also über das kommende Jahr, kann ich aus fachlicher Sicht keine wesentlichen Änderungen erkennen, die die Steuererklärung für den Bürger vereinfachen.“

Der Belegverzicht, der für 2017 angekündigt ist, sei keine Garantie, dass am Ende nicht doch noch Nachweise verlangt würden – also muss man die Belege unbedingt aufheben. „Das ist keine entscheidende Vereinfachung, eher eine Verlagerung der Verantwortung auf den Bürger. Man muss außerdem abwarten, es kann sein, dass die Belege nachgefordert oder für einen Einspruch benötigt werden.“ Wer seine Erklärung voreilig losschickt, muss am Ende also doch noch für seine Angaben und mögliche Fehler geradestehen.

Auch die neue Regelung der Abgabefristen „vereinfacht nicht die Steuererklärung“, so Rauhöft. „Sie ist trotzdem sinnvoll, und wir vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine haben sie schon länger gefordert. Viele Unterlagen liegen in den ersten beiden Monaten noch nicht vor, daher war es notwendig, zwei weitere Monate hinten draufzupacken.“

Positiv sieht der Steuerexperte den Ausbau des bereits bestehenden „Elster“-Verfahrens. „Dass die elektronische Kommunikation ausgebaut wird, führt tatsächlich zur Vereinfachung – nicht nur beim Finanzamt, sondern auch beim Bürger.“ So könnten etwa Belege künftig elektronisch als PDF auf verschlüsseltem Wege verschickt werden – „man muss also keinen Brief mehr verschicken, sondern kann alles elektronisch einreichen.“

So soll die Bearbeitungszeit insgesamt verkürzt werden. Zudem sollen die Steuerzahler über Elster auch schneller an ihren Steuerbescheid kommen und Rückzahlungen zügiger einfordern können. Tatjana Siebert, Beratungsstellenleiterin eines Darmstädter Lohnsteuerhilfevereins, bearbeitet jährlich 300 Steuererklärungen. „Viele Leute verstehen überhaupt nichts, besonders junge Leute, die neu im Beruf sind, und ältere Menschen.“ Das werde sich auch mit den angekündigten Neuerungen nicht ändern, ist die Steuerexpertin überzeugt.

Tatsächlich bereitet die Steuererklärung fast einem Viertel der Deutschen Kopfzerbrechen, wie aus einer repräsentativen Umfrage des evangelischen Monatsmagazins „Chrismon“ (Januar-Ausgabe) hervorgeht: 23 Prozent gaben hier an, überhaupt nichts zu verstehen.

„Eine Steuererklärung ist und bleibt eine komplexe Sache“, konstatiert Siebert. Die studierte Physikerin zitiert von Albert Einstein: „Um eine Einkommensteuererklärung abgeben zu können, muss man Philosoph sein; Es ist zu schwierig für einen Mathematiker.“

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