1. Startseite
  2. Hessen

„Stimmung durchwachsen“: Hessens Clubs dürfen wieder öffnen

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Victor Oswalt von der Initiative „Clubs am Main“
Victor Oswalt, Vorstands Referent „Verband Clubs am Main e.V.“, steht im Club „Dora Brilliant“. © Andreas Arnold/dpa/Archivbild

Nach langer Durststrecke dürfen die hessischen Clubs und Diskotheken am Wochenende wieder öffnen - wenn auch mit Einschränkungen. Die Branche bemüht sich um Optimismus.

Frankfurt/Wiesbaden/Gießen - Verwaiste Clubs, leere Tanzflächen, kein Gedränge an der Bar. Das Nachtleben hat die Corona-Pandemie besonders hart zu spüren bekommen. „Wir waren bei den ersten, die schließen mussten und gehören zu den letzten, die wieder aufmachen dürfen“, hieß es immer wieder in der Branche. Nach einer kurzen Öffnungsphase im vergangenen Jahr mussten die Locations wegen rasant steigender Infektionszahlen direkt wieder dicht machen. Doch jetzt ist es soweit: Ab diesem Freitag dürfen die hessischen Clubs und Discos am Wochenende wieder öffnen - wenn auch mit Auflagen.

„Die Stimmung ist durchwachsen“, sagt Victor Oswalt, Sprecher der Initiative „Clubs am Main“. „Natürlich ist eine gewisse Erleichterung da, dass es wieder losgeht.“ Dennoch fehle eine langfristige Perspektive. „Es ist völlig unklar, wie es im nächsten Herbst und Winter weitergeht.“ Derzeit dürfen die Clubs mit einer Auslastung von 60 Prozent öffnen, zudem gilt die 2G-plus-Regelung. Wegen der eingeschränkten Kapazität sei ein wirtschaftliches Arbeiten für viele nicht möglich, sagt Oswalt. Zudem komme auch nicht dieselbe Stimmung auf wie in einem ganz vollen Club.

Der Schlachthof in Wiesbaden bleibt aufgrund der geltenden Auflagen noch bis voraussichtlich 20. März geschlossen. „Wir warten aktuell auf die neue Verordnung und hoffen, dass wir dann ohne große Auflagen wieder aufmachen können“, erklärt „Schlachthof“-Sprecher Hendrik Seipel-Rotter. Für viele Veranstaltungen im Kalender seien weitere Öffnungsschritte notwendig, sonst müssten diese erneut verschoben werden. Grade bei Konzerten sei das schwierig, da sie einen langen Vorlauf benötigten.

„Wir sind ganz vorsichtig optimistisch“, sagt Ralf Scheffler, der seit über 40 Jahren die Frankfurter „Batschkapp“ betreibt. „Wir hatten das ja schon mal. Und dann hat es Klatsch gemacht, und alles war wieder zu.“ In der Batschkapp gehe es am Samstag mit einer 90er-Jahre-Party wieder los. Mit den Konzerten dauert es aber noch etwas: Diese seien wegen der ungewissen Lage geschoben worden und erforderten natürlich eine gewisse Vorbereitung, sagt auch Scheffler.

Die Betreiber des Gießener Clubs „Ulenspiegel“, Britte und Tobias Bach, wollen am Freitag wieder öffnen. Die Freude sei da und das Team ebenfalls, erzählt Tobias Bach. Der Tanzkeller, zentral gelegen in der mittelhessischen Uni-Stadt, hatte demnach in den vergangenen zwei Pandemie-Jahren nur zwei Monate geöffnet. „Das ist schon ziemlich bitter“, sagt Bach gerade mit Blick auf die finanzielle Durststrecke. Aber: „Wir müssen optimistisch in die Zukunft blicken. Wir sind alle fertig mit den Nerven.“ Er setze darauf, dass es mit weiter rückläufigen Corona-Zahlen weitere Lockerungen geben werde.

Die wirtschaftliche Lage sei angespannt, sagt auch Oswalt von „Clubs am Main“. „Die Ressourcen sind aufgebraucht, es gibt keinen Puffer mehr.“ Wenn die nächsten Monate nicht ertragreich seien, sei es für viele vorbei.

Probleme gibt es zudem mit dem Personal. „Viele sind abgewandert aufgrund der fehlenden Perspektive“, sagt Oswalt. Jetzt sei es schwierig, die früheren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von sicheren Jobs zurückzuholen in eine unsichere Branche. Die Initiative „Clubs am Main“ vertritt 15 Clubs aus dem Großraum Frankfurt, darunter das Tanzhaus West, die Batschkapp und das Robert Johnson.

Der Betreiber der traditionsreichen Wetterauer Musik-Kneipe „Black Inn“, Martin Raudies, plant zwar eine Wiedereröffnung, will aber erst noch weitere Lockerungsschritte abwarten. Eine Öffnung nach der 2G-Plus-Regel sei bei etwa 100 Gästen pro Abend kaum umsetzbar, dafür fehlten die Kontroll-Kapazitäten, sagt er. „Es ist auch nicht so, dass wir einfach hingehen, den Schlüssel umdrehen und sagen können, wir machen wieder auf, das muss alles organisiert werden“ - angefangen beim Wareneinkauf bis hin zum Personal, denn viele Mitarbeiter hätten sich während der Pandemie andere Jobs gesucht.

Im „Kulturbahnhof Lokschuppen“, den Raudies ebenfalls betreibt, gibt es hingegen einen festen Termin: Am 2. April soll dort wieder eine Band spielen. dpa

Auch interessant

Kommentare