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Der ständig zunehmende Lärmpegel in vielen Gegenden der Welt veranlasst die Menschen sich eine Art Taubheit anzutainieren.

NORAH-Studie

Studie: Fluglärm birgt nur geringe Gesundheitsrisiken

Fluglärm erhöht nicht das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Schlaganfall, kann aber Depressionen verstärken. Das geht aus der NORAH-Studie hervor, die heute offiziell vorgestellt wird.

Von CHRISTIANE WARNECKE

Ausbaugegner haben sich von der NORAH-Studie Munition für eine Verschärfung der Fluglärmschutzgesetze erhofft. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport hingegen hat das Ergebnis mit großer Sorge erwartet, nachdem frühere Untersuchungen Hinweise auf einen Anstieg von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Gebieten mit hohem Fluglärm ergeben hatten.

Dieser Zusammenhang hat sich jedoch nicht bestätigt. Wie die Studie belegt, sind die gesundheitlichen Risiken durch Fluglärm insgesamt geringer, als bisher angenommen wurde. Fluglärm stört die Menschen aber stärker als Straßen- oder Schienenlärm; Autos und Züge bergen dennoch Gesundheitsgefahren. Eine Herzschwäche etwa könne sich durch Verkehrslärm verschlimmern, hat die Untersuchung ergeben.

Anders als in vorangegangenen Studien angegeben, fühlen sich Frankfurter Flughafen-Anwohner stärker von Fluglärm belästigt. Auch im Vergleich zu den Flughäfen Köln/Bonn und Stuttgart fühlen sich die Frankfurter bei gleichem Lärmpegel am stärksten belästigt. Gleichzeitig gaben sie an, seit der Durchsetzung des Nachtflugverbots besser schlafen zu können. Dass ausgerechnet Personen, die gegenüber dem Fluglärm kritisch eingestellt sind, schlechter schlafen als die, die den Flughafen befürworten, mag nicht wenig überraschen.

Das Ergebnis der Teilstudie zur Entwicklung von Kindern ergab, dass Grundschulkinder bei ständigem Fluglärm langsamer Lesen lernen. Mindestens einen Monat länger als andere brauchen Zweitklässler dafür in Grundschulen rund um den Frankfurter Flughafen. Dieses Ergebnis wurde bereits vor einem Jahr veröffentlicht.

Die NORAH-Studie ist die international bislang umfangreichste Untersuchung über die Auswirkungen von Verkehrslärm auf Gesundheit und Lebensqualität der Menschen. NORAH steht für „Noise-Related Annoyance, Cognition, and Health“. Zu Deutsch sollte die Studie die Zusammenhänge zwischen Lärm, Belästigung, Denkprozessen und Gesundheit erforschen. Ziel der Untersuchung im Auftrag des Umwelt- und Nachbarschaftshauses war eine möglichst repräsentative und wissenschaftlich abgesicherte Beschreibung der Auswirkungen des Lärms vom Flug-, Schienen- und Straßenverkehr auf die Gesundheit und Lebensqualität der betroffenen Wohnbevölkerung.

Mehrere Forschungs- und Fachinstitutionen der Medizin, Psychologie, Sozialwissenschaft, Akustik und Physik hatten sich dazu zu einem Forschungskonsortium zusammengeschlossen. Befragt wurden überwiegend Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet, aber auch aus den Regionen um die Flughäfen Berlin-Brandenburg, Köln/Bonn und Stuttgart.

Der Flughafenbetreiber Fraport hält angesichts der "minimalen" Auswirkungen des Fluglärms weitere Regulierungen für überflüssig. Künftig wolle das Unternehmen daran arbeiten, zu einem vertrauensvollen Umgang mit den betroffenen Menschen zurückzufinden, sagte Fraport-Chef Stefan Schulte nach einer Mitteilung.

Fraport hatte darauf gedrängt, neben dem Fluglärm auch die Auswirkungen von Straßen- und Schienenlärm zu berücksichtigen. Gerade die subjektiv empfundene Belästigung durch Fluglärm ist jedoch laut der Studie in den vergangenen Jahren in allen Befragungsgebieten angestiegen. Das Nachtflugverbot in Frankfurt lasse die Menschen aber besser durchschlafen.

 

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