Online-Glücksspiel
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Auf einem Smartphone spielt ein Mann ein Online-Spiel.

Suchtexperten in Sorge wegen Online-Glücksspiel

Poker, Roulette und Automatenspiele: Seit knapp drei Monaten ist Glücksspiel im Internet bundesweit legal. Zwar gibt es Regelungen zum Schutz vor Sucht. Aus Sicht von Experten werfen diese aber noch viele Fragen auf.

Frankfurt/Main - Die Legalisierung von Online-Casinos in Deutschland sorgt unter Suchtexperten für viel Kritik. Wegen der ständigen Verfügbarkeit der Online-Glücksspiele bestehe eine hohe Suchtgefahr, erklärt die Hessische Landesstelle für Suchtfragen (HLS). Mit einem Video will die HLS anlässlich des Aktionstags zur Glücksspielsucht an diesem Mittwoch (29.9.) über die Gefahren des Zockens im Internet aufklären. Online-Glücksspiel wurde zum 1. Juli in ganz Deutschland mit der Begründung legalisiert, an illegale Anbieter verlorene Zocker zurückgewinnen zu wollen.

Da das Spielen aber nun jederzeit und auch von zu Hause möglich sei, fehle die soziale Kontrolle, sagte Daniela Senger-Hoffmann, Landeskoordinatorin Glücksspielsucht, der Deutschen Presse-Agentur: „Man kann den ganzen Tag vor dem Computer sitzen und sich finanziell ruinieren, ohne, dass es jemand mitbekommt“. Die HLS fordert ein Werbeverbot für Online-Glücksspiel.

Fraglich sei bislang, wie das vorgeschriebene monatliche Einsatz-Limit von 1000 Euro pro Spieler über alle Anbieter hinweg umgesetzt werden könne. Gleiches gelte für die staatliche Kontrolle der Regelungen. „Wenn dies nicht engmaschig geschieht, haben wir die Sorge, dass die Schutzmaßnahmen nicht greifen“, sagte Senger-Hoffmann. Die Wirkung der Vorschriften zum Schutz von Jugendlichen sowie Spielerinnen und Spielern müssten wissenschaftlich überprüft werden, um nachsteuern zu können.

Auf Kritik stößt zudem, dass sich die geplante Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder, die eine Kontrollfunktion ausüben soll, noch im Aufbau befindet. Als Erfolg wertet die HLS, dass die Anbieter verpflichtet worden sind, an prominenter Stelle einen Link zu den Beratungs- und Aufklärungsangeboten über Spielsucht der Bundesländer setzen zu müssen.

HLS-Geschäftsführerin Susanne Schmitt forderte, dass ein Teil der Mehreinnahmen des Staates aus den neuen Online-Lizenzen in die Prävention und Beratung fließt. „Ich rechne mit mehr Spielsüchtigen“, sagte Schmitt. In den hessischen Fachberatungen für Glücksspielsucht müssten neue Angebote erarbeitet werden, dies führe zu Mehrkosten. Das Land Hessen zahle bisher eine Million Euro pro Jahr für das Projekt Glücksspielsucht der HLS. Die Landesstelle geht derzeit von mehr als 31.000 Betroffenen im Land aus.

Das Aufklärungsvideo „Online-Glücksspiel verstehen“ wurde zusammen mit der Landesstelle aus Niedersachsen und dem von der Berliner Senatsverwaltung geförderten Präventionsprojekt Glücksspiel entwickelt und ist online abrufbar. dpa

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