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Die Temperaturen nähern sich erneut der 40-Grad-Marke.

Sommerwetter

Super-Hitze und Trockenheit: Gewinner und Verlierer in Hessen

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Trockenheit seit April, Hitze seit Mai: Wir erleben einen Ausnahmesommer. Und wie immer jammern die einen, und die anderen freuen sich. Wir haben uns mal umgehört, bei Gewinnern und Verlierern des Super-Sommers.

  Es profitieren eindeutig die Hersteller von kleinen, mobilen Klimageräten. Diese sind ausverkauft. „Nicht einmal bei Amazon gibt es noch welche“, sagt Günther Mertz, Geschäftsführer des Fachverbands Gebäude Klima. Allerdings sitzt keiner dieser Hersteller in Deutschland oder in Europa.

  Als Profiteure des Hitze-Sommers sehen sich Unternehmen, die mit Klimatechnik zu tun haben. Auch wenn sie gar nicht mit der Arbeit nachkommen. Wie man bei Rhein-Main-Klima in Maintal feststellt: „Wir haben zurzeit die drei- bis vierfache Nachfrage nach Kälteanlagen für die Industrie. Wir können gar nicht so viel abarbeiten“, erzählt Günther Mertz. „Viele Bauherren entscheiden sich in einem solchen Sommer doch noch, eine Klimaanlage mitzuplanen.“

  Profiteure sind auch die Bierbrauer. Besonders der Absatz von alkoholfreiem Bier und alkoholfreien Biermischgetränken hat in den vergangenen Wochen bundesweit zweistellig zugelegt. „In der veröffentlichten amtlichen Statistik des Bundesamtes sind alkoholfreie Biere und Mischgetränke nicht enthalten, obwohl mittlerweile jeder 15. in Deutschland gebraute Liter Bier alkoholfrei ist“, sagte Achim Nieroda vom Deutschen Brauerbund.

  Bei diesen Temperaturen steigt natürlich – wie in jedem Jahr – die Nachfrage nach Eisprodukten. Langnese beispielsweise produziert auf Hochtouren. Die Eisproduktion und Verteilung beginnt bereits im Februar. Doch angesichts der derzeitigen Hitze laufen die Eismaschinen im Werk in Heppenheim auch jetzt rund um die Uhr, an allen Linien. Täglich verlassen 80 Lastwagen mit 10,5 Millionen Portionen das Werk. In der Minute laufen rund 2200 Stück Magnum über das Band, und das rund um die Uhr. Trotzdem kann die Nachfrage kaum bedient werden, sind viele Eissorten in den Kühltruhen der Supermärkte vergriffen.

  Auch Deutschland als Reiseland profitiert: „Um die fünf Prozent sind die Buchungen innerhalb Deutschlands hochgegangen“, sagt Thorsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reiseverbands. Vor allem für spontane Kurzurlaube an die Nord- oder Ostsee bietet das Sonnenwetter alle Argumente.

  Landwirte teilen sich in Gewinner und Verlierer. Während die Winzer zu den Siegern des Sommers gehören – mit hohen Oechsle-Graden in den sonnenverwöhnten Beeren – klagen nahezu alle anderen Landwirte über die Trockenheit und hohe Ernteverluste.

  Zu den Verlierern gehört auch der Supermarkt Penny in Niederrad. Dort kapitulierte der Kühlschrank auch vor der Hitze. Kühlwaren wurden ins Lager zurückgebracht, damit sie nicht verderben, Servicetechniker angefordert. Aber die sind angesichts der vielen an der Belastungsgrenze laufenden Kühlgeräte mit Defekten überfordert.

  Zu den Leidtragenden gehören in den Kommunen auch die Mitarbeiter der Grünflächenämter, die wie in Frankfurt regelmäßig die jungen Bäume mit Brauchwasser gießen. 150 Liter pro Woche für 5000 junge Bäume, und das schon seit Wochen – da fallen Überstunden an, entstehen Kosten, wenn externe Dienstleister beauftragt werden. Doch andere Kommunen trifft es noch schlimmer.

  So wird die Gemeinde Ulrichstein im Vogelsberg seit Wochen von Tankwagen mit Wasser versorgt. Das Wasser wird in den kommunalen Hochbehälter gepumpt. Die eigenen Quellen geben nicht mehr genug her, die Trockenheit schlägt zu.   In Krankenhäusern häufen sich die Hitzepatienten. Am Montag wurden im Klinikum Höchst zwei Patienten mit Hitzschlag eingeliefert. Es mehren sich Austrocknungen bei älteren Patienten. Aber auch Freizeitsportler, die die Hitze nicht richtig einschätzen und nach Schwächeanfällen Stürze mit dem Rad oder dem Skateboard verursachen, kommen in die Notaufnahme. Die Gesamtzahl der Hitzepatienten schätzt Petra Fleischer, Sprecherin des Klinikums, auf zehn pro Woche.

  Verlierer sind auch die Pflegekräfte, die Patienten und Bewohner zusätzlich mit Wasser versorgen müssen, Räume abzudunkeln haben und ähnliches. Ute Byschofski, Fachbereichsleiterin Stationäre Pflege (sieben Heime, drei Tagespflegeeinrichtungen): „Wir haben 900 Mitarbeiter, viele auf Teilzeitbasis, aber wir haben bei Zeitarbeitsunternehmen Aushilfskräfte bestellt.“

Die Bewohner müssen ständig zum Trinken angehalten werden. Ute Byschofski zufolge ist derzeit die dreifache Menge an Sprudelwasser nötig wie sonst.

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