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Das langsame Internet ist geschäftsschädigend, sagen die Hersteller der Königswälder Stracke, Jutta und Günter Andres. Ein Update ließ sich der Metzger per CD zuschicken. Das Herunterladen – zum Beispiel mit dem Tablet, das seine Frau in der Hand hält – über die Internetverbindung dauert teils mehrere Tage.

"Von der Telekom enttäuscht"

Brief schneller als Internet-Download: Ein Metzger aus Königswald lässt sich Update per Post schicken

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Im kleinsten Ortsteil von Cornberg im nordhessischen Hersfeld-Rotenburg ist das Internet sehr langsam - da führte ein Update per Post schneller zum Ziel, als ein Download.

Günter Andres ist einer von mehreren Unternehmern im kleinsten Cornberger Ortsteil, die auf das Internet angewiesen sind. Der Hersteller der Königswälder Stracke muss unter anderem seine Bankgeschäfte mithilfe des Internets erledigen. 

Als er dafür zuletzt ein Update von rund 300 Megabyte herunterladen musste, zeigte der Computer eine Ladezeit von sage und schreibe mehr als zwei Tagen an. Und dann brach der Download nach ein paar Minuten ab. Ein alltägliches Problem in Königswald – doch der Metzger wusste sich zu helfen.

Sohn in Berlin brannte das Update auf CD und versendete es per Post

Er rief seinen Sohn in Berlin an, der innerhalb von fünf Minuten das Update herunterlud und die Datei auf eine CD brannte. Und dann per Post nach Königswald schickte. Nicht etwa per Eilbrief, sondern mit einem gewöhnlichen Standardbrief. Am nächsten Tag hatte Andres die CD im Briefkasten. So konnte er das Update deutlich früher installieren, als wenn er es selbst heruntergeladen hätte.

Probleme kamen mit IP-Telefonie

Andres kann darüber lachen, ist aber auch frustriert. „Ich bin Telekom-Kunde, seitdem ich das erste Mal einen Telefonanschluss gebucht habe. Aber mit unseren Problemen werden wir jetzt alleine gelassen. Wenn man viermal bei der Service-Nummer anruft, bekommt man vier verschiedene Auskünfte“, sagt er. 

Massive Probleme mit dem Internet gebe es, seitdem die Telekom ihre Anschlüsse auf IP-Telefonie umgestellt hat. „Wenn mein Mann ein berufliches Telefongespräch führt, kann ich nicht gleichzeitig das andere Telefon benutzen“, sagt Jutta Andres. 

Gleichzeitig im Internet surfen - in Königswald undenkbar

Sonst gebe es immer wieder Unterbrechungen in der Leitung. An gleichzeitige Internetnutzung sei sowieso nicht zu denken. „Wenn ich eine Überweisung mache, muss ich es oft drei- oder viermal probieren, weil das so lange dauert, dass der Computer irgendwann wegen Zeitüberschreitung abbricht“, sagt Günter Andres. „Für Kleinbetriebe ist das geschäftsschädigend. Die kleinen Dörfer werden abgehängt. Dabei leben wir mitten in der Mitte Deutschlands“, sagt der Metzger.

Breitband in Königswald ab Februar 2020

Als sein Sohn das erste Mal wegen der Probleme mit dem Kundenservice der Telekom telefonierte, sagte man ihm: „Wir wissen um die Probleme auf den Dörfern, aber dafür leben Ihre Eltern sehr idyllisch.“ Das ist bei der Familie Andres nun zum geflügelten Wort geworden. Kommen die Kinder zu Besuch, schwärmen sie schon beim Aussteigen aus dem Auto von der herrlichen Idylle.

Doch damit, bei aller Idylle, auch Königswald endlich im 21. Jahrhundert ankommt, muss dort erst das Glasfasernetz der Breitband Nordhessen GmbH ans Netz gehen - mit der Netcom als Betreiber.

Breitband-Ausbau: Derzeit ist der 17. Februar als Starttermin geplant

Zu diesem Datum können die Dorfbewohner den Anbieter wechseln – werden aber aller Voraussicht nach ihre bestehenden Verträge bei anderen Anbietern bis zum Vertragsende bezahlen müssen. Laut Netcom laufen derzeit noch Gespräche mit verschiedenen Telekommunikationsanbietern darüber, ob diese auch das Netz von Betreiber Netcom verwenden dürfen. Weil das Breitbandausbauprojekt öffentlich gefördert wird, sei man dazu rechtlich verpflichtet, so eine Netcom-Sprecherin. Konkret sei aber bislang noch nichts.

Und der Mobilfunk in Königswald? „Vodafone geht auf dem Bürgersteig, O2 hinten auf der Wiese und Telekom am Gülleloch“

Der Fall erinnert an Machtlos, wo das Problem dank des geballten Engagements der Dorfbevölkerung gelöst wurde*. Dafür funktioniert aber das Mobilfunknetz – oder? „Vodafone geht drüben auf dem Bürgersteig, O2 hinten auf der Wiese und Telekom am Gülleloch“, sagt Günter Andres. So viel dazu. Aber zumindest haben sie es in Königswald idyllisch.

Telekom bietet in Königswald maximal 50 Kilobyte pro Sekunde

Wenn viele Königswälder das Internet benutzen, betrage die Download-Übertragungsrate oft 15 Kilobyte pro Sekunde oder weniger, sagt Günter Andres. Nach Verträgen, die auf solch widrige Umstände wie in Königswald angepasst sind, muss man bei der Telekom extra nachfragen. Beworben werden sie im Internet nicht. 

DSL „light“ oder DSL 384 wird das genannt. 384 Kilobit pro Sekunde entsprechen rund 50 Kilobyte pro Sekunde – das ist die maximale Geschwindigkeit, mit der man in Königswald Daten herunterladen kann. Zum Vergleich: Angaben in Kilobit und Kilobyte sind im Internetgeschäft eigentlich längst verschwunden, gerechnet wird in der nächst größeren Einheit Megabit und Megabyte (1 Megabyte entspricht 1000 Kilobyte).

Etwas schnelleres Internet gibt es in Königswald nur nachts

Der günstigste Telekom-Tarif verspricht bis zu 16 Megabit pro Sekunde beim Download. Also 2 Megabyte pro Sekunde und damit 40 mal so viel, wie in Königswald maximal möglich ist – was meist nur mitten in der Nacht erreicht wird, wenn niemand sonst im Dorf das Internet nutzt.

Das sagt die Telekom zum Internet in Königswald

Telekom-Kunden können laut Pressesprecher George-Stephen McKinney nicht damit rechnen, im Februar vorzeitig aus ihren Verträgen herauszukommen. „Die Verträge sind gültig. Es ist schön, wenn andere Wettbewerber sich im Breitbandausbau engagieren. 

Aber das darf nicht zulasten der Telekom gehen.“ Es gebe keinen Grund für Kulanz. Telekom-Verträge für Festnetz und Internet laufen grundsätzlich 24 Monate. Monatlich kündbare Verträge gibt es nur für einen reinen Telefonanschluss.

Hier liegt Königswald

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