Der Dünsberg ist bei Mountainbikern beliebt. Unbekannte haben dort Drahtfallen gespannt.
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Der Dünsberg ist bei Mountainbikern beliebt. Unbekannte haben dort Drahtfallen gespannt.

Mountainbiker geschockt

Potenzielle Todesfallen für Radfahrer am Dünsberg: Nun äußert sich Fridays for Future Gießen

Am Mittwoch wurden am Dünsberg an mehreren Stellen Drähte entdeckt, die über Mountainbike-Trails gespannt waren. Verletzt wurde niemand. Nun haben sich die angeblichen Täter zu Wort gemeldet. 

  • Auf einem Mountainbike-Trail am Dünsberg wurden Drahtfallen gespannt
  • Nun ist ein vermeintliches Bekennerschreiben aufgetaucht
  • Polizei: Verdachts eines versuchten Tötungsdelikts
  • Fridays for Future und Extinction Rebellion distanzieren sich

Update, 31.01.2020, 10.58 Uhr: Nachdem ein angebliches Bekennerschreiben zu den Drahtfallen am Dünsberg aufgetaucht ist, in dem sich die Verfasser unter anderem mit Fridays for Future solidarisch erklären, hat FFF Gießen reagiert: "Menschenleben zu gefährden ist verwerflich: Fridays for Future Gießen distanziert sich ausdrücklich von jeglicher Gewalt gegen Menschen die im Namen der Umwelt- bzw. Klimabewegung geschieht. Wir sind enttäuscht davon dass man versucht uns in Verbindung mit Gewalt zu setzen", heißt es dort. 

Zum Hintergrund: Mehrere Drahtseile waren in den vergangenen Wochen über Mountainbike-Trails am Dünsberg gespannt worden. Glücklicherweise hatte sie ein Radfahrer bemerkt, bevor es zu gefährlichen Stürzen kam. "In Zukunft nehmen wir auch schwere Verletzungen von Bikern billigend in Kauf. You have been warned! Verpisst Euch aus dem Wald oder es wird Opfer geben", hieß es in dem vermeintlichen Bekennerschreiben. 

Drahtfallen am Dünsberg: FFF distanziert sich von gefährlicher Aktion

Die Polizei Mittelhessen ermittelt wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdelikts und der versuchten gefährlichen Körperverletzung. Fridays for Future verurteilt die Drahtfallen: "Wir sehen auch keinen Zusammenhang mit Fahrradfahrverboten und Umweltschutz oder Klimaschutz. Außerdem ist Mountainbiking einiges klimafreundlicher als beispielsweise Wintersport."

Update, 30.01.2020, 16.10 Uhr: Vor gut einer Woche machte die hässliche Nachricht von Drähten quer über Mountainbike-Strecken am Dünsberg die Runde – jetzt ist ein angebliches Bekennerschreiben aufgetaucht. "Aktivisten für einen Mountainbike-freien Dünsberg (MfD)" kündigen darin weitere Drahtfallen an, mit denen Moutainbiker zu Fall gebracht werden sollen. 

Die Begründung in den Schreiben: Der Schutz der Tierwelt am Biotop Dünsberg, das durch "rücksichtlose Rüpel-Radler" gefährdet sei. Deshalb wolle man diese "dekadenten Umweltschweine" für immer aus dem Wald vertreiben". "In Zukunft nehmen wir auch schwere Verletzungen von Bikern billigend in Kauf. You have been warned! Verpisst Euch aus dem Wald oder es wird Opfer geben", wird mit weiteren Fallen gedroht. 

Drahtfallen auf Mountainbike-Trail: Ermittlungen wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdelikts am Dünsberg

Für die Biebertaler Bürgermeisterin und die Polizei hat der Spaß schon lange aufgehört. Patricia Ortmann spricht von einem möglichen Tötungsdelikt. Nicht vorstellbar, was passiert, wenn ein Biker in ein Drahtseil rast, das in Kopfhöhe gespannt ist. Die Polizei ermittelt seit acht Tagen deshalb wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdelikts und der versuchten gefährlichen Körperverletzung. Die Gemeinde hat in den vergangenen Monaten zusammen mit dem Forst und den Mountainbikern vom AMC Rodheim-Bieber eigens Strecken für die Radler ausgewiesen, um im Rahmen einer "Entmischung" der Nutzung, Konflikte der unterschiedlichen Besuchergruppen am Berg zu mindern. Just über diese Trails waren vor anderthalb Wochen mindestens vier Drähte gespannt worden, teils in Kniehöhe, teils in Brusthöhe. Ein Radler hatte die Fallen entdeckt und den Wirt der Gipfel-Raststätte informiert. 

Drahtfallem am Dünsberg: Extinction Rebellion distanziert sich von angeblichem Bekennerschreiben

Der wiederum hatte die Revierförsterin hinzugezogen und darüber hinaus seine Gäste informiert. Die Polizei hat am Donnerstag versucht, die Kontaktdaten auf dem Bekennerschreiben zurückzuverfolgen, doch ohne Erfolg. Sowohl die Handy-Nummer als auch die Mail-Adresse waren falsch, sagt Polizeisprecher Jörg Reinemer. Insofern sei es schwer zu verifizieren, ob es sich um ein echtes Bekennerschreiben des oder der Täter handelt oder um die Aktion einen Trittbrettfahrers, Dessen ungeachtet bittet der Polizeisprecher, etwaige Drahtfallen am Dünsberg nicht einfach zu beseitigen oder nur etwa in Radlerkreisen im Internet zu teilen, sondern sofort bei der Polizei anzuzeigen. Nur so habe man noch eine Chance, den oder die Täter zu ermitteln. Des weiteren sucht die Polizei noch immer nach dem Zeugen, der die ersten Drahtfallen gefunden hatte. Die Aktivistengruppe hatte sich in ihrem Schreiben unter anderem mit Extinction Rebellion und Fridays for future solidarisch erklärt. 

Die Ortsgruppe Gießen von Extinction Rebellion hat sich nun ausdrücklich davon distanziert. Man habe die Nachricht zur Aktion "Drahtfalle am Dünsberg mit Erschrecken wahrgenommen", heißt es. Man sei ein gewaltfreies Netzwerk. Entsprechend könne "die Aktion Drahtfalle nicht in unserem Sinne sein", denn sie widerspreche den Prinzipien und Werten von Extinction Rebellion: "Wir sind froh, dass in diesem Fall niemand zu Schaden gekommen ist".

Update, 24.01.2020, 12.15 Uhr: Die Gießener Polizei hat Ermittlungen wegen des Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzung und eines versuchten Tötungsdeliktes aufgenommen. Auf dem Mountainbike-Trail am Dünsberg haben Unbekannte Drahtfallen installiert. In diesem Zusammenhang sucht die Polizei Zeugen, unter anderem einen Mountainbike-Fahrer, der offenbar auf dem Mountain-Bike-Trail gespannte Drähte am vergangenen Samstag (18. Januar) und Mittwoch (22. Januar) aufgefunden hat. Er wird gebeten, sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen. Auch sucht die Polizei weitere Zeugen, die Hinweise zu den Vorfällen oder Tätern geben können. Bei den Ermittlungen soll auch festgestellt werden, ob es zu weiteren Vorfällen kam. Hinweise bitte an die Polizeistation Gießen Nord unter Tel.: 06 41/70 06 37 55.

Bereits vor den ersten Ermittlungen der Polizei am Donnerstag stellte es sich heraus, dass die bekannt gewordenen Vorfälle offenbar schon einige Tage zurückliegen und bereits auf verschiedenen Plattformen weitergetragen wurden. Die Polizei bittet daher darum, solche Vorfälle direkt bei der Polizei anzuzeigen.

Drahtfallen auf Mountainbike-Trail: Drähte rechtzeitig bemerkt

Bei den bisherigen Ermittlungen wurde bekannt, dass offenbar am Samstag und am Mittwoch jeweils ein Draht auf einem ausgewiesenen Mountainbike-Trail in der Nähe des Dünsberges gespannt wurde. Im ersten Fall befand sich der gespannte Draht offenbar in Kniehöhe; im zweiten Fall wurde der Draht in Kopfhöhe gespannt. Glücklicherweise wurden die Drähte jeweils durch einen Zeugen rechtzeitig bemerkt und entfernt.

Erstmeldung, 23.01.2020, 15 Uhr: Eine Horrorvorstellung für jeden Mountain-Biker: ungebremst in eine Drahtfalle rasen, die über einen Trail gespannt ist. Am Dünsberg, einem bei Mountainbikern überaus beliebten Revier, sind am Mittwoch gleich mehrere solcher Fallen gefunden und entfernt worden. Teils waren sie in Kniehöhe, teils in Brusthöhe gespannt. Dünsbergwirt Thorsten Scherer hatte einen solchen Draht entdeckt und umgehend Revierförsterin Ulrike Henrich hinzugerufen. In Folge wurden mehrere gespannte Drähte entdeckt. Das bestätigt Forstamtsleiter Ralf Jäkel. Das gemeindliche Ordnungsamt ist ebenso eingeschaltet wie die Polizei.

In Mountainbiker-Kreisen verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Da wird darum gebeten, etwaige weitere Fallen nicht zu entfernen, sondern zu sichern und die Behörden zu informieren.

so/red

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