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Tourismus-Regionen erhoffen sich Zulauf durch 9-Euro-Tickets

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Fahrgäste steigen am Frankfurter Hauptbahnhof aus einem Zug
Fahrgäste steigen am Frankfurter Hauptbahnhof aus einem Zug. © Arne Dedert/dpa

Mit Bahnen und Bussen an den Edersee und in den Rheingau - das 9-Euro-Ticket könnte in den Sommermonaten für einen Ansturm in Hessens Tourismus-Regionen sorgen. Doch was kommt danach?

Wiesbaden - Das 9-Euro-Ticket ist nun gültig - und der Start in Hessen lief am Mittwoch offenbar weitgehend problemlos. Es habe keine besondere Auffälligkeiten gegeben, erklärten die Verkehrsunternehmen im Land. Insgesamt waren laut der Deutschen Bahn 2,7 Millionen dieser Tickets verkauft worden. Laut Medienberichten hatte es beim Kauf mit der App des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) zwar Probleme gegeben, der Vorgang sei kompliziert und verwirrend. Das Unternehmen äußerte hierzu, im Tagesverlauf werde eine neue App-Version folgen, „in der das 9-Euro-Ticket noch prominenter dargestellt wird“. Der RMV erwartet ebenso wie der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) für das kommende Pfingstwochenende eine spürbar höhere Nachfrage nach dem Ticket in touristischen Regionen.

Die günstigen Fahrscheine könnten in den kommenden Monaten für einen kleinen Boom in den hessischen Freizeit- und Tourismus-Regionen sorgen. Vor allem viele Tagesausflügler dürften die billigen Tickets im Sommer für Fahrten mit Bussen und Bahnen zu beliebten Zielen nutzen, erwartet Hartmut Reiße, Geschäftsführer des Hessischen Tourismusverbands. Für die gebeutelte Tourismusbranche seien die billigen Tickets ein Lichtblick. Die gut zwei Jahre Corona-Pandemie hätten nicht nur den Hotels und Gastronomiebetrieben, sondern auch Museen, Beförderungsunternehmen und der Veranstaltungswirtschaft schwer zu schaffen gemacht.

Zugleich kam ein Wandel in Gang: Weil viele Menschen ihren Urlaub in den vergangenen beiden Jahren zuhause verbrachten, hat der Wander- und Radwandertourismus einen enormen Zulauf erfahren, der sich dank des 9-Euro-Tickets jetzt noch ausbauen lassen könnte - vorausgesetzt die Fahrradmitnahme bleibe möglichst umfassend erlaubt, mahnte Reiße. „Ansonsten wäre das kontraproduktiv.“

Beim RMV bleibt es auch mit dem 9-Euro-Ticket grundsätzlich weiter beim Angebot der kostenlosen Mitnahme von Fahrrädern, wie es auf der RMV-Homepage heißt. Doch weist der Verkehrsverbund darauf hin, dass die Mitnahme von den einzelnen Verkehrsunternehmen zeitlich begrenzt werden kann. Fahrgäste sollten sich vorab über die Regelungen informieren. Falls es eng wird, habe das Fahrpersonal das letzte Wort, ob Fahrräder mit in die Bahn oder den Bus dürfen.

Reiße vom Tourismusverband erwartet vor allem auf Routen wie von Marburg über den Edersee, Korbach und Willingen bis ins Sauerland, von Frankfurt in den Taunus und bis in den Odenwald sowie im Rheingau eine große Nachfrage nach tagestouristischen Fahrten mit dem öffentlichen Personennahverkehr.

Der RMV hatte die Fahrgäste bereits auf teils volle Busse und Bahnen eingestimmt. Alleine an seinen Fahrkartenautomaten und Vertriebsstellen waren in der ersten Woche mehr als 300.000 der Billig-Tickets verkauft worden. RMV-Geschäftsführer Knut Ringat zeigte sich erfreut über zahlreiche Neukundinnen und -kunden, stimmte aber zugleich darauf ein, dass es vor allem im Freizeit- und Ausflugsverkehr im Sommer auf einigen Fahrten eng werden dürfte.

Die Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft hat bereits vorgesorgt und stockt angesichts der großen Nachfrage nach dem 9-Euro-Ticket ihr Angebot auf städtischen Bahn- und Buslinien auf, darunter auf den U-Bahn-Linien U2 bis U4, U6, U7 und U9 sowie bei den Metrobuslinien M32 und der Buslinie 61. So werden teils Gelenkbusse mit mehr Platz eingesetzt, Züge verlängert oder sie verkehren an bestimmten Tagen durchgehend mit mehr Wagen. Abhängig von der jeweiligen Linie gilt die Erweiterung der Kapazitäten insbesondere für Wochenend- und Feiertage sowie Ferientage.

Die ESWE Verkehrsgesellschaft in Wiesbaden zeigte sich mit dem Start „sehr zufrieden“. Rund 45.000 der 9-Euro-Tickets seien bis kurz vor Beginn des ersten Monats verkauft worden, teilte die ESWE mit. „Wir waren gut vorbereitet und hatten trotz eines leicht erhöhten Fahrgastaufkommens in unseren Bussen und an den Haltestellen zu jeder Zeit ausreichend Platz.“

Aus Sicht des Hessischen Tourismusverbands verdeutlicht der Ansturm auf die 9-Euro-Tickets den Nachholbedarf beim Ausbau der ÖPNV-Angebote vor allem im ländlichen Raum in Hessen. Nur wenn es hier vorangehe, habe der Tourismus in diesen Regionen eine Chance, sagte Verbandsgeschäftsführer Reiße. Er geht davon aus, dass nicht nur Senioren, sondern auch viele junge Menschen die Tickets auch in ihrer Freizeit nutzen werden. „Da hat schon ein Umdenken über die Nutzung von Pkws eingesetzt“, so der Verbandsgeschäftsführer. dpa

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