Wenn nicht mal Minister in die USA dürfen

Trumps Einreiseverbot betrifft offenbar auch Tarek Al-Wazir

  • vonGerhard Kneier
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Von dem Einreiseverbot in die USA ist offenbar auch der hessische Wirtschaftsminister Al-Wazir betroffen. Wichtiger sind dem Grünen-Politiker aber die Auswirkungen auf Wirtschaft und Flüchtlinge.

Auf die Frage, ob er jetzt die jemenitische Staatsbürgerschaft abgeben wolle, muss Tarek Al-Wazir nicht lange überlegen. „Sonst noch was?“, fragt der hessische Wirtschaftsminister und Grünen-Politiker am Montag zurück. Sein Vater stammt aus dem Jemen, und somit bekam der in Offenbach geborene Al-Wazir seinerzeit neben der deutschen automatisch auch die jemenitische Staatsangehörigkeit.

Er ist also allem Anschein nach auch von dem Einreiseverbot des US-Präsidenten Donald Trump betroffen, denn der Jemen steht ebenfalls auf dessen schwarzer Liste. Da hilft Al-Wazir auch sein Diplomatenpass nichts, denn Diplomatenstatus hat er auch damit nicht. Einziger Trost: Eine Reise in die USA hat der Minister derzeit ohnehin nicht geplant.

Viel wichtiger als sein eigenes Schicksal sind dem Grünen-Politiker indes die Auswirkungen des Verbots auf die Wirtschaft und auch auf die Flüchtlinge. „Hessen ist ja wirtschaftlich sehr mit den USA verflochten, sie sind auch unser wichtigster Handelspartner“, betont er. „Und Verunsicherung ist, was wir wirtschaftlich überhaupt nicht brauchen.“

Al-Wazir verweist darauf, dass viele internationale Firmen hierzulande eben auch internationale Mitarbeiter haben natürlich auch aus den von Trumps Bann betroffenen Ländern. Wie aber sollten diese Unternehmen Handel betreiben, wenn ihre Beschäftigten nicht wüssten, ob sie ein Flugzeug besteigen dürften?

Der Minister ist im Übrigen davon überzeugt, dass das Einreiseverbot auch der amerikanischen Wirtschaft selbst schaden wird. Kritik von Unternehmen in den USA sei ja schon laut geworden. Darauf stützt sich auch Al-Wazirs einzige Hoffnung: Sie könnten ihrem Präsidenten klarmachen, dass Abschottung die Welt weder besser noch sicherer macht.

Und Hass, der letztlich zu Terrorismus führt, werde so eher noch genährt. Zudem seien die meisten Terrorakte in den USA gar nicht von Menschen aus diesen Ländern begangen worden.

Aber auch aus ethischen Gründen darf Trumps Schritt nach Al-Wazirs Überzeugung niemanden kalt lassen. Schließlich seien die USA jahrhundertelang Einwanderungslands und Zufluchtsort gewesen. Mit der Tradition der Freiheitsstatue aber habe das Verbot nichts mehr zu tun. Schließlich müsse man auch an die Flüchtlinge denken, deren Angehörige schon in den USA seien, und jetzt nicht zu ihnen kommen könnten.

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