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Ukraine-Krieg: Preissprünge und Engpässe am Bau

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Die Baupreise in Hessen sind im vergangenen Jahr bereits gestiegen. Mit den Folgen des Ukraine-Konflikts drohen Bauherren nun neue Belastungen.

Wiesbaden - Hessens Bauunternehmer sind nach Angaben ihres Verbandes stark von wirtschaftlichen Folgen des Kriegs in der Ukraine betroffen. Es drohten unter anderem Lieferengpässe bei Stahl und Aluminium, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Hessen-Thüringen, Burkhard Siebert, am Donnerstag. Rund 30 Prozent des Baustahls kämen aus Russland, der Ukraine und Weißrussland. Der Verband fürchtet, dass sich wegen des Krieges wichtige Baustellen, etwa an Autobahnbrücken und neuen Schienenwegen, aber auch für Wohnungen verzögern.

Deutliche Preissteigerungen seien bereits spürbar. Beispielsweise seien die Preise für eine Tonne Stahl binnen eines Tages um die Hälfte nach oben geklettert - von 800 Euro auf 1200 Euro.

Auch die Dieselpreise belasteten die Unternehmen enorm, betonte Siebert. Ein mittelständisches Unternehmen mit rund 90 Millionen Euro Jahresumsatz verbrauche etwa 1,4 Millionen Liter Diesel im Jahr. Im bundesweiten Tagesschnitt des Mittwochs kostete dieser Kraftstoff laut ADAC fast 2,27 Euro pro Liter. Siebert gab zu Bedenken, dass derzeit die Einnahmen des Staates an der prozentual bemessenen Mineralölsteuer ebenfalls kletterten, er quasi an den steigenden Preisen mitverdiene. Die Mineralölsteuer sollte daher auf Vor-Krisen-Niveau gedeckelt werden, schlug er vor.

„Für Bauunternehmen liegt das Problem von unerwarteten Preissteigerungen darin, dass diese bei langlaufenden Projekten nicht oder bisher nur in Ausnahmefällen an die Auftraggeber weitergegeben werden können“, sagte Siebert. Dieses Risiko müsste über spezielle Klauseln in Verträgen abgeschwächt werden. Der Bauindustrieverband Hessen-Thüringen vertritt über 200 mittelständische und große Unternehmen mit rund 20 000 Beschäftigten.

Auch der Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen erwartet wegen des Ukraine-Krieges steigende Baupreise. Die Branche sei vom teuren Diesel, aber auch von Problemen bei der Materialbeschaffung betroffen - etwa bei Stahl, Roheisen, Nickel und Titan. „Die Lieferanten unserer Bauunternehmer bieten Ihre Waren aktuell auch nur zu Tagespreisen an, da sie jeden Tag mit einer weiteren Preissteigerung rechnen“, sagte eine Sprecherin.

Zudem beobachte der Verband unterbrochene Lieferketten. Viele Lastwagen-Fahrer seien aus der Ukraine. Außerdem seien zahlreiche wichtige Transportwege nicht mehr nutzbar oder sicher. Einige Unternehmen müssten schon Aufträge ablehnen. Die Preise für den Bau von Wohngebäuden in Hessen waren 2021 mit über acht Prozent bereits so stark gestiegen wie seit 41 Jahren nicht mehr. dpa

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