+
Ein Mitarbeiter von Hessen Mobil kalibriert in Bad Arolsen die Streuanlage eines Winterdienstfahrzeugs. foto: dpa

Winterdienst

Wetter: Umweltschützer warnen nach Trockenheit vor Streuen

Für Winterdienste in Hessen beginnt offiziell die Saison. Die ersten Einsätze haben die Straßenmeistereien bereits hinter sich. Umweltverbände warnen aber vor üppigem Salzen: Infolge des trockenen Sommers seien Pflanzen besonders anfällig.

Bei Hessen Mobil sind die Berge schon weiß – allerdings nicht vom Schnee, sondern weil sie aus Salz bestehen. Die Lagerhallen der hessischen Straßenbaubehörde sind gut gefüllt – wie sich im nordhessischen Bad Arolsen zeigt. Vor dem Salzberg in einer geöffneten Lagerhalle fällt der Startschuss für die Winterdienstsaison. „Was wir eingelagert haben, reicht für einen mittleren Winter“, sagt Hessen-Mobil-Dezernent Rupert Pfeiffer. 120 000 Tonnen sind es im ganzen Bundesland. Das entspreche 4900 Lastzügen, die sich auf einer Strecke 100 Kilometer aneinanderreihten. Den ersten Salzeinsatz hat Hessen Mobil bereits hinter sich: 46 Tonnen wurden ausgebracht. Damit reagierten die Straßenmeistereien auf Glättegefahr bei einem Kälteeinbruch Anfang November und in Höhenlagen. Auf einem Salzticker im Internet zeigt die Straßenverwaltung den kompletten bisherigen Salzeinsatz der Saison an. Im Laufe eines regulären Winters steigt er, schwankt aber je nach Jahr: 170 000 Tonnen waren vor vier Jahren nötig. In einem warmen Winter reichten unter Umständen auch mehrere Zehntausend Tonnen.

Sicher befahrbar

Für die Straßenbaubehörde ist die Wahl der richtigen Salzmenge ein Spagat: „Hessen Mobil hat besonders auch im Winter im Blick, dass die Straßen von den Verkehrsteilnehmern sicher zu befahren sind. Gleichzeitig denken wir auch an den Umweltschutz“, erklärt Burkhard Vieth, Präsident von Hessen Mobil. Um möglichst wenig Salz zu verbrauchen, nutze man eine computergesteuerte Streutechnik sowie Feuchtsalz, das sich gleichmäßig verteile und schon bei kleiner Menge große Tauwirkung erziele. Pro Quadratmeter genüge rechnerisch ein Teelöffel.

Doch während sich Autofahrer über den Salzeinsatz in der Regel freuen, bereitet er Umweltschützern in diesem Jahr besonders Kopfzerbrechen: Das Salz schade den Pflanzen und Bäumen, die durch den trockenen Sommer ohnehin gestresst seien. „Salz zieht das Wasser aus den Pflanzen“, sagt Berthold Langenhorst, Sprecher des Naturschutzbundes Hessen. Wasser wandere dorthin, wo die Salzkonzentration am höchsten sei – normalerweise in die Pflanze. Der Salzeinsatz auf Straßen dreht diesen Mechanismus um.

Das Ergebnis könne fatal sein, „auch für die Standfestigkeit der Bäume“, sagt Langenhorst. Er appelliert daher an Streudienste, „so wenig wie nötig zu salzen“. Leider werde im Alltag oft sehr viel Salz ausgebracht. Ganz auf dieses Mittel verzichten sollten Privathaushalte: „Es gibt umweltfreundliche Alternativen. Mit Sand ist man auf der sicheren Seite.“

„Der Sommer hat Spätfolgen“, sagt auch Thomas Norgall, Naturschutzreferent des BUND. Die Trockenheit habe dafür gesorgt, dass die Bäume geschwächt in den Winter gingen. Wenn sie jetzt mit Salz in Berührung kämen, würden sie noch mehr leiden als sonst. „Besonders wenn der Winter knackig wird, treffen diese zwei Faktoren aufeinander.“ Der Appell sei daher, Salz möglichst zu reduzieren und von den Bäumen fernzuhalten.

Wetterumschwung

Aus meteorologischer Sicht startet der Winterdienst zum richtigen Zeitpunkt: Während Anfang der Woche noch mancherorts 21 Grad plus gemessen wurden, stelle sich die Wetterlage nun um, sagte Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Er rechnete für die Nacht zu Freitag mit den ersten Frösten und Glättewarnungen. Schnee sei vorerst nicht in Sicht.

Damit die Räumfahrzeuge nicht durch sich querstellende Laster blockiert werden, will Hessen Mobil in diesem Jahr einen Pilotversuch fortsetzen, bei dem Lkws bei Schneefall und Glätte die Benutzung der linken Fahrstreifen verboten wird. Angeordnet wird dies bei Bedarf übers Radio. Im vergangenen Winter trat diese Regelung siebenmal in Kraft.

von GÖRAN GEHLEN

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare