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Otto mit Kuh.

Otto Walkes in Mainz

Der unbekannte Otto

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Wer an Otto denkt, der meint den Komiker, den Blödelbarden, den Mann mit den breiten Grimassen. Doch das ist nicht alles, was Otto Waalkes, den Künstler, ausmacht. Eine einmalige Ausstellung gewährt nun in Mainz Einblicke in Otto, den Maler.

Der kleine, etwa ältere Herr mit der Baseball-Mütze auf den gelblichen Haaren steht ziemlich verlegen im Raum. „Ich bin selbst noch völlig überwältigt“, sagt der 66-Jährige ganz leise, „so eine Ausstellung habe ich noch nie gehabt.“ Dabei kennen ihn hier alle, vor der Tür des Alten Postlagers in Mainz, drinnen beim Pressetermin sowieso. „Otto“, nennt ihn schlicht der Wirtschaftsdezernent, bevor ihm einfällt zu fragen: „Oh, sollte ich nicht lieber Herr Waalkes sagen?“ – „Otto ist schon ok“, sagt der trocken.

„Otto kommt nach Mainz“ ist der Titel einer höchst ungewöhnlichen Ausstellung, die gleich hinter dem Hauptbahnhof in einem alten Lagergebäude zu sehen ist. Zum ersten Mal überhaupt wird hier ein Querschnitt des gesamten Lebenswerks von Otto Waalkes präsentiert: Zeichnungen, Zeitungstitel, Bühnensets für seine Band, Reminiszenzen an seine Filme.

Da steht etwa das Cabrio aus dem Film „Otto, der Außerfriesische“ vor einer Deichkulisse. „Damit bin ich durch Schafe gefahren“, erinnert sich Otto, und setzt sich für die Fotografen gerne hinein, eine Gitarre im Arm natürlich. Und auf Knopfdruck ist es da: das typische Otto-Grinsen, die aufgerissenen Augen, das breite kindliche Strahlen.

Otto, der Komiker, so kennen und lieben ihn Millionen von Fernsehzuschauern. 1973 hat Otto seine erste eigene Fernsehshow im WDR, bis Anfang der 1980er Jahre ist der „Blödelbarde“ ständig im Fernsehen präsent. 1976 gibt’s dafür den Zuschauerpreis Bambi, 1984 sogar den Grimme-Preis in Silber.

Doch nebenbei ist Otto immer auch Musiker gewesen, seine Schallplatten verkaufen sich millionenfach. 1995 spielt er sogar bei Rock am Ring und bei Rock im Park in Nürnberg vor 120 000 Zuschauern. Mit Freund Udo Lindenberg tritt er 1989 zusammen beim Konzert anlässlich des Mauerfalls in Berlin auf.

1986 beginnt eine neue Ära, die der Filme. „Otto – der Film“ wird ein Megaerfolg und gebiert mehrere Kinder, 2004 landet Waalkes mit „7 Zwerge – Männer allein im Wald“ erneut einen Kracher. Der typische Otto-Humor, er wird hier mit einer liebevoll umgestrickten Schneewittchen-Handlung abgefedert. Und natürlich darf Syd, das Faultier aus dem Film „Ice Age“ nicht fehlen, dem Otto seine so unverwechselbar lispelnde Stimme gab. Synchronsprecher in aller Welt wollen seither von Otto lernen.

„Von der bildenden Kunst zur darstellenden Kunst“, nennt Waalkes selbst seinen Schritt zum Film. Denn da sind ja auch noch die bildende Kunst und der Ottifant, Waalkes eigene Erfindung eines blauen Rüsseltiers. Der sei eigentlich aus einem Selbstbildnis entstanden, erzählt Otto: „Die Nase wurde immer länger . . .“ Inzwischen ist der Ottifant aus Ottos Leben ebenso wenig wegzudenken wie aus der Gegenwartskunst – Otto hat den Ottifanten nämlich nicht nur gezeichnet, sondern auch in Acryl und Öl gemalt.

„Der Ottifant ist in der abendländischen Kunst zu kurz gekommen“, doziert Otto ganz ernst. Und so hat er den Ottifanten als Mona Lisa gemalt, als Turm der blauen Ottifanten à la Picasso, als Spielobjekt von zwei Frauen auf Tahiti nach Paul Gauguin. „Ich versuche, die Stile alter Maler zu übernehmen“, sagt Otto, und dann fachsimpelt Otto, der Maler, über die Acrylmalerei, schwärmt vom sanften Pinselstrich der Ölmalerei und verrät, dass er seine Leinwände mit Tee als Grundierung tränkt – ganz der Ostfriese.

„Schau mal, hier habe ich gegenschraffiert“, sagt Otto später, als alle schon wieder weg sind zu seinem Kurator, „kann man das so machen?“ Denn Otto, der Maler, studierte einst Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, nur den Abschluss, den machte er nicht mehr.

„Meine Bilder werden ja immer sofort verkauft“, sagt Otto, und sein Kurator Dirk Greuer verrät, dass von den 300 Ausstellungsstücken viele aus Privatsammlungen stammen. „Millionen“ von Ottifanten habe er schon gemalt, sagt Waalkes noch, und verrät auf die Frage, wie man zu seinem persönlichen Ottifanten kommt: „Dann ruft man mich an, und dann mache ich das.“

Und so zeigt die Mainzer Ausstellung auch einen unbekannten Otto, einen sehr ernsthaften Maler, der seine Gemälde mit Otto-Humor spickt. Wie die kleinen Ottifanten, die der Marilyn Monroe unters gelupfte Kleid gucken. Otto legt davor auf Kommando den typischen Ottogang hin: Hände und Knie hochgezogen, die typische Grimasse dazu. Doch Otto, der Komiker – er ist nur eine von vielen Seiten eines Mulitalents. Zu sehen in Mainz noch bis zum 30. August.

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