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Unis sollen mehr Lehrer ausbilden

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Alexander Lorz verteidigt sich im Landtag.
Alexander Lorz verteidigt sich im Landtag. © Susann Prautsch (dpa)

Der Landtag streitet darüber, ob die Landesregierung früher auf den sich abzeichnenden Lehrermangel hätte reagieren müssen. Während die SPD für die Zukunft noch mehr fehlende Lehrer prognostiziert, stellt Minister Alexander Lorz eine Hochschulinitiative vor.

Die Mitteilung von Kultusminister Alexander Lorz (CDU) kam 13 Minuten vor Beginn der Debatte des Wiesbadener Landtags über Lehrermangel: In seinem Gespräch mit den hessischen Hochschulpräsidenten hätten diese „grundsätzliche Bereitschaft“ erklärt, mehr Studienplätze für das Lehramt an Grundschulen wie auch das an Förderschulen zu schaffen.

Doch selbst wenn diese, wie von Lorz erhofft, schon im kommenden Wintersemester zur Verfügung stehen, wird es natürlich noch ein paar Jahre dauern, bis die Studenten als ausgebildete Lehrkräfte an den Schulen eingesetzt werden können. Und so blieb dem Minister trotz der positiven Nachricht denn auch eine heftige Debatte zum Thema Lehrermangel nicht erspart.

Zwei Prozent

Der zeichnet sich vor allem an den Grundschulen sowie bei den Förderschullehrern in Hessen ab. Und dafür macht die Opposition aus SPD, Linken und FDP die schwarz-grüne Landesregierung verantwortlich. Kultusminister Lorz habe eine rechtzeitige und angemessene Bedarfsplanung „leider verschlafen“, sagte der SPD-Bildungspolitiker Christoph Degen. Schon jetzt hätten manche Klassen nicht einmal einen eigenen Klassenlehrer, sondern müssten ihn sich mit anderen Klassen teilen. Und dass landesweit „nur“ zwei Prozent Lehrerstellen fehlten, sei den Schulen, wo es mindestens 30 Prozent seien, ziemlich egal.

Jahrelanger Rückgang

Die Debattenredner von CDU und Grünen ließen das natürlich nicht auf sich sitzen. Dass die Schülerzahl nach jahrelangem Rückgang jetzt doch wieder ansteige, habe schließlich niemand voraussehen könne, argumentierte der Kultusminister. Hinzu kämen die hohen Flüchtlings- und Zuwandererzahlen mit mindestens 25 000 Seiteneinsteigern in den Schulen.

Und die Regierung habe ja einen Dreistufenplan zur Lösung des Problems vorgelegt: Kurzfristig sollen gerade pensionierte Lehrer reaktiviert und kurz vor der Pensionierung stehende um einen verlängerten Einsatz gebeten werden.

Hierfür gebe es schon 300 Zusagen. Mittelfristig sollen zudem nicht zum Zuge gekommene Gymnasiallehrer für den Unterricht an Grund- und Förderschulen qualifiziert werden. Langfristig komme eben die Ausbildung von mehr Lehrern dieser Schulformen an den Unis hinzu. Eine Studie zur Arbeitsbelastung der Lehrer lehnte die Landesregierung ab. Ein entsprechender Antrag der SPD wurde vom Landtag in den kulturpolitischen Ausschuss verwiesen. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hatte zuvor erklärt, eine solche Studie würde zu einer „Scheinobjektivität“ führen.

Degen reicht das alles nicht aus. Allein in Frankfurt könnten schon zum neuen Schuljahr 90 Stellen an Grundschulen nicht besetzt werden, an den hessischen Förderschulen 77 Stellen.

Dabei habe Hessen im vergangenen Jahr 140 Lehrerstellen an Grundschulen gestrichen. Die Flüchtlinge könne man kaum für den Mangel verantwortlich machen, schließlich kämen von diesen so gut wie keine an Förderschulen, und auch bei den Grundschulen halte sich die Zahl in Grenzen. Gabriele Faulhaber von der Linken warf Lorz vor, die Hilferufe der Lehrer zu überhören.

Der FDP-Abgeordnete Wolfgang Greilich forderte, die Rahmenbedingungen für Grundschullehrer zu verbessern, um wieder mehr Interessenten dafür zu finden.

CDU kontert

CDU-Mann Schwarz konterte, die Koalition habe ja im vergangenen Jahr 800 neue Lehrerstellen geschaffen, und im laufenden Jahr kämen noch einmal 1700 hinzu. Daniel May von den Grünen sagte, die SPD habe auch keine Alternativen zu bieten. Dieses dürfte den Landtag weiter beschäftigen: Kultusminister Lorz räumte ein, schon fürs kommende Schuljahr fehlten 200 bis 300 Lehrer.

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