Terroristen in Oberursel

Vereitelter Terror-Anschlag in Oberursel: Hatte Halil D. Helfer?

Es sind noch viele Fragen offen: Die Polizei sucht weiter nach möglichen Mittätern der in Oberursel verhafteten Terrorverdächtigen. Eine Expertin ist sich sicher: „Salafistische Täter haben ein Umfeld.“

Nach dem vereitelten Terroranschlag im Rhein-Main-Gebiet verweigert das festgenommene Ehepaar weiterhin die Aussage. „Wir erhoffen uns neue Erkenntnisse von der Auswertung der Unterlagen, die bei der Wohnungsdurchsuchung gefunden wurden“, sagte gestern ein Sprecher des Landeskriminalamts (LKA). Es handele sich um Papiere und Datenträger. Bei einer ersten Auswertung zeigte sich, dass der verdächtige Halil D. auf einem Computer islamistische Gewaltvideos abgespeichert hatte. Der 35 Jahre alte Deutsche mit türkischem Pass und seine türkische Ehefrau (34) sitzen in Untersuchungshaft.

Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtete von Kontakten des Paares aus Oberursel zu mehreren sogenannten Gefährdern aus der islamistischen Szene im Rhein-Main-Gebiet, darunter Rückkehrer aus dem Syrien-Krieg. Entsprechende Treffen hätten Polizeibeamte während der Observation von D. beobachtet, schrieb die Zeitung und berief sich auf Sicherheitskreise. Aufschlüsse würden auch die Daten beschlagnahmter Handys geben.

Chemie studiert

Der LKA-Sprecher wollte diesen Bericht nicht kommentieren. Allerdings gab er die Auskunft, dass Halil D. früher Chemie studiert hatte. Die „Bild am Sonntag“ zitierte einen Mitstudenten an der Universität Frankfurt mit den Worten: „Er lief schon damals mit langem Bart herum und weigerte sich, Frauen im Kurs die Hand zu geben.“ Die Zeitung berichtete außerdem, zusammen mit D. habe ein junger Mann studiert, der sich mit der Zeit ebenfalls radikalisiert habe.

Bei ihm soll es sich ebenfalls um einen Deutschen mit türkischem Pass handeln, der 2011 vom Oberlandesgericht Frankfurt zu zwei Jahren Bewährungsstrafe verurteilt worden war, weil er für Al-Kaida Propagandafilme im Internet veröffentlicht und Tipps zur Sprengstoffherstellung gegeben hatte. Die milde Strafe verdankte er unter anderem einem umfassenden Geständnis und einer nach Einschätzung des Richters guten Sozialprognose.

Zu möglichen Komplizen des Paares sagte die Leiterin des „Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam“ (FFGI), Susanne Schröter: „Jeder kann eine Bombe bauen, aber in der Regel ist es schon so, dass salafistische Täter ein Umfeld haben.“ In diesem Umfeld radikalisierten sie sich und besprächen ihre Gedanken.

„Bevölkerung besonnen“

Oberursels Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) sagte, die Festnahmen und der vereitelte Anschlag seien weiterhin das große Thema in der Stadt. „Das war ein Schock und macht betroffen, aber es ist nicht so, dass Oberursel dadurch gelähmt wäre“, sagte er gestern. Die Bevölkerung gehe aus seiner Sicht sehr besonnen damit um. Schließlich sei es ein reiner Zufall, dass das Ehepaar in Oberursel gewohnt habe, in einem friedlichen Wohngebiet, wie er betonte. Dort gebe es keine salafistische Szene.

Bei der Polizei in Oberursel haben sich in den vergangenen Tagen einige besorgte, aber auch aufmerksame Bürger gemeldet, die beispielsweise auf ein Fahrzeug hinwiesen, das seit längerem nicht bewegt wurde. Insgesamt habe sich die Zahl der Anrufer aber sehr in Grenzen gehalten, hieß es am Sonntag aus der Polizeistation. Erfreut zeigte sich die Polizei darüber, dass sie eine positive Rückmeldung für ihre Arbeit bekam.

Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) rief die Bevölkerung dazu auf, wachsam zu sein. „Der Terror zielt auf unsere Ängste ab, aber darauf dürfen wir uns nicht einlassen“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Das Vertrauen, „das die Großzahl der Menschen in die Sicherheitsbehörden des Staates“ habe, sei gerechtfertigt. Beuth fügte hinzu: „Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, die Werte und Grundsätze unserer freien und liberalen Gesellschaft zu verteidigen.“

Das verhaftete Paar aus Oberursel hat zwei kleine Kinder (2 und 4), um die sich nun das Jugendamt kümmert. Im Keller der Wohnung in Oberursel fanden Ermittler eine Rohrbombe, Munition, Teile eines Sturmgewehrs G3 und eine Übungsgranate für eine Panzerfaust. Vermutlich hatte das Paar das für den 1. Mai geplante Radrennen „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“ im Visier. Es war abgesagt worden. dpa/sew/rie

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare